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Kreis Wesel
Sechs Menschen ertrunken

Kreis Wesel. DLRG im Kreis Wesel zieht Bilanz 2009: "Die Gefährdung ist unverändert hoch." Tragisch: Drei Russland-Deutsche starben bei Bislich. Besorgniserregend: Viele Kinder können nicht richtig schwimmen. Von Bernfried Paus

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland mindestens 474 Menschen ertrunken. Allein im Kreis Wesel waren es sechs Menschen, die in Flüssen oder Seen den Tod fanden. Nur der vergleichsweise kühle Sommer hat nach Ansicht der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Kreis Wesel Schlimmeres verhindert. Damit sei die Gefährdungslage im Kreis als "unverändert hoch" einzuschätzen. Addiert man die über 250 kreisweiten Hilfsleistungen der DLRG im vergangenen Jahr, so wird klar, dass die tatsächliche Gefahr in der Region weitaus höher ist, als es die Zahl der Ertrunkenen aussagt.

Der Rhein ist gefährlich

Allein drei Menschen starben Anfang August bei einem Badeunfall im Rhein bei Wesel-Bislich. Eine russland-deutsche Familie hatte am Ufer in Höhe Rhein-Kilometer 827 wild gecampt. Zwei Frauen und zwei Männer waren zu weit rausgeschwommen und plötzlich von mächtigen Bugwellen eines Schubschiffes und der Strömung mitgerissen worden. Während sich eine 42-jährige Frau aus eigenen Kraft retten konnte, konten eine 46-jährige Frau und ein 45-jähriger Mann nur noch tot aus dem Wasser gezogen werden. Ein weiterer Mann wurde abgetrieben und einige Tage später in Holland tot aufgefunden.

Grund genug für die Rettungsschwimmer, vor den Gefahren des Rheins zu warnen. Während Badegäste im Rhein weniger geworden sind, verzeichnet die DLRG hier vermehrt tödliche Unfälle von Berufsschiffern und Sportanglern. Teils jahrelange Erfahrungen mit dem Gewässer führen bei den "alten Hasen" zu Selbstüberschätzung und Unachtsamkeit. "Die Überlebenschancen bei einer Notlage im Wasser erhöht sich durch eine Schwimmweste um ein Vielfaches", erklärt Bastian Kischkewitz, Sprecher der DLRG im Kreis Wesel. Gerade bei Berufsschiffern und Anglern habe die Akzeptanz von Schwimmwesten aber abgenommen. Im kommenden Sommer will die DLRG vermehrt ehrenamtliche Rettungsschwimmer am Rhein einsetzen, um die Freizeit dort sicherer zu gestalten.

Leider schließt sich der Kreis Wesel einem bundesweiten Trend an: 45 Prozent der Schüler sind nach der Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer. "Eine verkürzte Schulzeit und zentrale Abschlussprüfungen dürfen nicht dazu führen, dass lebensrettende Kenntnisse nicht mehr vermittelt werden", begründet Kischkewitz die Forderung der DLRG nach einem flächendeckenden Schwimmunterricht.

Es mangelt an qualifizierten Sportlehrern, die Fortbildung wird nur unzureichend wahrgenommen, so dass in vielen Schulen aus zeitlichen und qualitativen Gründen keine Schwimmprüfungen mehr stattfinden. "Auch hier sind wir im Bereich unserer ehrenamtlichen Möglichkeiten bereit, im Rahmen der Lehrerfortbildung für eine entsprechende Qualifizierung zu sorgen", verspricht Kischkewitz.

Quelle: RP
 
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