| 00.00 Uhr

Wesel
Servoprax ärgert sich über Verwaltung

Wesel: Servoprax ärgert sich über Verwaltung
Am Servoprax-Standort Am Schornacker 44 soll demnächst mit dem Bau einer knapp drei Millionen Euro teuren Lagerhalle begonnen werden. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Der medizintechnische Großhandel plant Am Schornacker einen Hallen-Anbau und ließ ohne Genehmigung sieben Bäume fällen. Die Stadt reagierte mit einer saftigen Bußgeldforderung. Und das wurmt Servoprax-Chef Ulrich Mölders. Von Klaus Nikolei

Mit rund 180 Mitarbeitern gehört Servoprax, nach Angaben von Firmengründer Ulrich Mölders "Deutschlands größter medizintechnischer Großhändler", zu den zehn größten Gewerbesteuerzahlern Wesels. Und weil immer mehr Sanitätshäuser, Kliniken und Pflegeheime von Servoprax mit Einwegspritzen, Teststreifen, Mullverbänden, Rollstühle, Röntgenzubehör etc. versorgt werden, braucht die Firma dringend zusätzliche Lagerfläche.

Neuer Anbau ist geplant

Aus diesem Grund soll in den nächsten Monaten am Standort Am Schonacker 44 ein 2,5 bis drei Millionen Euro teurer Anbau entstehen. In der elf Meter hohen Lagerhalle wird zudem, falls alles nach Plan läuft, im ersten Quartal 2018 ein Zelt aufgebaut und das 40-jährige Bestehen der Firma gefeiert.

Zu dem Fest wird Ulrich Mölders unter anderem Wirtschaftsförderer Johannes Opgen-Rhein bitten. "Ein wirklich guter Mann, der alles versucht, was möglich ist, um Firmen hier Wege zu ebnen", sagt Mölders. Weitere Mitarbeiter in leitender Funktion aus dem Rathaus werden aber eher nicht auf der Gästeliste stehen. Denn auf die Verwaltung ist der Servoprax-Chef, wie schon mehrfach in der Vergangenheit, gar nicht gut zu sprechen.

Derzeit ärgert ihn ein Bußgeldbescheid der Stadt. In einem Schreiben des Ordnungsamtes von Ende April wird Mölders aufgefordert, 7353,50 Euro zu zahlen - weil er im Februar sieben Bäume ohne Genehmigung hat fällen lassen. "Die Bäume waren zum Teil krank. Außerdem müssen sie dem Neubau Platz machen. Die Baugenehmigung, die mich 25.000 Euro gekostet hat, haben wir ja bereits", argumentiert der Servoprax-Chef.

Servoprax-Chef Ulrich Mölders in seinem Büro FOTO: Nikolei

Ärger über den ASG

Nicht nur die Zahlungsaufforderung, sondern auch das aus seiner Sicht "arrogante Verhalten" des zuständigen Mitarbeiters des städtischen Betriebes ASG, "der uns den Eingang unseres ausgefüllten Anhörungsbogens mit umfangreicher Stellungnahme nicht einmal bestätigt hat", ärgert Mölders. Seinem Unmut hat der 69-Jährige Bürgermeisterin Ulrike Westkamp schriftlich mitgeteilt. Die habe ihn dann, so sagt er, an den Leiter des städtischen Betriebs ASG, Ulrich Streich, verwiesen.

"Ich habe mitgeteilt, dass ich an zwei meiner drei Standorte Biotope angelegt habe und Am Schornacker 44 ein weiteres plane." Doch das habe beim ASG zunächst niemanden interessiert, beklagt er. Ulrike Westkamp erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass es in Wesel nun mal eine Baumschutzsatzung gebe, und man alle Bürger gleich behandeln müsse: "Da gibt es keinen Spielraum."

Mölders ist ein Kämpfer. Und wenn er sich im Recht fühlt, setzt er alles daran, seine Interessen durchzusetzen. Aus diesem Grund hat er den Fall auch seinem Rechtsanwalt übergeben. Und er ist überzeugt, dass er am Ende nicht zahlen muss.

Mittlerweile sieht es danach aus, dass ihm auf jeden Fall ein Teil der Summe erlassen werden. Jedenfalls hat sich ASG-Chef Streich schriftlich bei ihm für die Zusendung des Bußgeldbescheides entschuldigt. "Eine nochmalige Kontaktaufnahme unsererseits wäre angebracht gewesen", heißt es in dem Schreiben an Mölders. Und weil tatsächlich einige der ohne Ausnahmegenehmigung gefällten Bäume krank waren, soll sich das auch auf die Höhe des Bußgeldes auswirken.

Bußgeld soll bestehen bleiben

Doch die Hoffnung des Servoprax-Chefs, dass durch Ersatzpflanzungen die Sache ganz zu den Akten gelegt werden könnte, wird sich wohl nicht erfüllen. ASG-Leiter Streich erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, "dass schon aus Gründen der Gleichbehandlung und zur Vermeidung von Präzedenzfällen das Verhängen eines Bußgeldes nicht zu vermeiden ist."

Für ein Unternehmen wie Servoprax sollte das Bußgeld kein Problem sein - aber es geht Ulrich Mölders ums Prinzip: "Die müssen bei der Stadt mal endlich kapieren, dass man alles tun muss, um Firmen und damit auch Gewerbesteuerzahler in Wesel zu halten. Man hätte einfach nur zum Telefonhörer greifen und über die Sache sprechen können."

Doch genau das sei nicht passiert. Und dann erzählt er von Dominik an der Heiden, dem früheren Chef der Firma DPI Türdesign. "Der hat sich über die Stadt derart geärgert, dass er den Firmensitz vom Schornacker nach Hamminkeln verlegt hat." In den vergangenen Monaten hat Ulrich Mölders immer mal wieder darüber nachgedacht, dem Beispiel an der Heidens zu folgen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wesel: Servoprax ärgert sich über Verwaltung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.