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Hamminkeln
"Singen kann der Seele Flügel verleihen"

Hamminkeln. Heute ist der Internationale Tag der Stimme. Für Vocal-Coach "Angie" einer von 365 im Jahr. Denn sie bringt den Menschen das Singen bei. Von Marcel Romahn

Eines mag Angelique Damschen gar nicht: Wenn man sie mit ihrem vollständigen Namen anspricht. "Bitte einfach Angie", sagt die 48-Jährige. "So kennt man mich hier." Angie lebt schon seit Ewigkeiten in Hamminkeln, hat dort seit drei Jahren ihr eigenes Studio, wo sie den Menschen das Singen beibringt. "Mehr noch", sagt sie, "einige erlangen dadurch ein ganz neues Selbstbewusstsein. Singen kann der Seele Flügel verleihen."

Damit liegt Damschen voll auf Linie der Initiatoren des "Tags der Stimme", der seit 1999 am 16. April begangen wird. Die HNO-Ärzte und Logopäden sagten: Stimme spielt eine große Rolle im Alltag. Auch für Angie Damschen traf das früh zu. Schon als Kind hat sie gerne gesungen. In jungen Jahren trat sie spontan in ihre erste Band ein. Der Grund dafür ist simpel: "Ich war tierisch in den Gitarristen verknallt", sagt sie. Später stand sie noch in vielen Bands als Sängerin auf der Bühne, ehe sie nach einer Zeitungsannonce ihre eigene Band gründete. So sammelte sie Erfahrung in Genres wie Rock, Pop, Soul, Blues, Jazz und Gospel. Dann, vor etwa sieben Jahren, beschloss Angie, ihre Erfahrungen weiterzugeben und wurde Gesangslehrerin in der Rockschule Hamminkeln. Seit 2012 hat sie ihr Studio. Rund 100 Schüler hat Angie - die Jüngste neun Jahre, die Älteste 89 Jahre alt. "Ich nenne sie allerdings nicht Schüler, sondern Kollegen", sagt der Coach. "Wir sind alle auf einer Ebene und mögen den musikalischen Austausch, und das ganz entspannt, ohne Hierarchien." Nicht nur einzelne "Kollegen" besuchen Angie teilweise wöchentlich, auch Gruppen, etwa aus der Bürgerstiftung, dem Jugendheim oder Schulen.

Vom Anfänger, der seine Stimme entdecken möchte, bis zum Profi, der schon Auftritte in Radio und Fernsehen bestreitet - sie alle kommen zum Vocal-Coach, um ihre Stimme zu verbessern oder zu entdecken. "Da kommt zum Beispiel eine Frau, der gesagt wurde, sie könne nicht singen", sagt Angie. "Bei mir kann sie sich beweisen, dass sie es doch kann. Mit Leidenschaft und Willen geht alles." Eine gute Einstellung, glaubt der Coach, die aber eher Frauensache ist. Mehr als 80 Prozent ihrer Kunden sind weiblich. "Liebe Männer, traut euch doch endlich mal was", hat Angie oft gesagt. Wie wird aus dem Laien ein Sänger? Fundament für alles, so die Fachfrau, ist die richtige Atemtechnik. "Durch das Einatmen weitet sich unser Körper", erklärt sie. "Es entsteht eine Spannung, die jeden Ton, der aus unserem Mund kommt, massiv beeinflusst. Luft, das ist die Energie für den Gesang." In ihren Coachings, die bis zu 60 Minuten pro Einheit dauern, geht es also zunächst darum, richtig zu atmen, die Spannung zu erzeugen und diese Passagen zu kontrollieren. Mit den Checker-Griffen können ihre "Kollegen", die Körperspannung selbst ertasten. "Erst dann haben sie ihren Körper richtig begriffen und wissen, wo Spannung entsteht." Im nächsten Schritt werden Vokale und Tonleiter geübt. Doch bei einzelnen Buchstaben bleibt es nicht lange. "Von Anfang an singen wir gemeinsam", sagt Angie. "Das wird alles aufgezeichnet und später analysiert." Daran sehe man auch den Fortschritt. "Viele erkennen sich plötzlich auf dem Band gar nicht mehr wieder", sagt sie.

Der Vocal-Coach ist bekannt in NRW. Nicht nur im Rheinland und Ruhrgebiet hat sie treue "Kollegen", auch in Städten wie Aachen und Lippstadt. Selbst TV-Shows haben ein Auge auf die Talente der 48-Jährigen geworfen. Aber um den Ruhm geht es Angie nicht. "Singen ist nicht nur Geschäft, sondern Leidenschaft und Hingabe, etwas, das Blockaden löst", sagt sie. "Wir können dadurch unsere Emotionen nach außen tragen, zeigen, wer wir wirklich sind."

Infos www.vocalcoach-niederrhein.de oder www.facebook.com/WelttagDerStimme

Quelle: RP
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