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Wesel
Sorge um Weseler Arbeitsplätze bei Innogy

Wesel: Sorge um Weseler Arbeitsplätze bei Innogy
Am Weseler Regionalzentrum könnten die Westnetz- und Innogy-Tafeln bald dem Eon-Zeichen weichen. FOTO: Nikolei
Wesel. Die Aufteilung des Unternehmens Innogy auf RWE und Eon sorgt für Unruhe. Die Masse der 480 Mitarbeiter in Wesel ist für die Innogy-Tochter Westnetz an der B 8 und der Brüner Landstraße tätig. Welche Auswirkungen hat der Deal? Von Klaus Nikolei und Sebastian Peters

Die Nachricht, dass RWE seine 77-prozentige Beteiligung an der Tochter Innogy (Netze, Ökostrom, Vertrieb) an Mitbewerber Eon verkaufen will, sorgt am traditionsreichen RWE-Standort Wesel für viel Diskussionsstoff. Vor dem Hintergrund, dass Eon 5000 seiner künftig 78.000 Stellen abbauen will, befürchtet jetzt vor allem die Politik den Abbau von Arbeitsplätzen in der Kreisstadt. Parallel sieht die Politik aber auch die Chance, einen langgehegten Wunsch in die Tat umzusetzen.

CDU-Fraktionschef Jürgen Linz erklärte, dass "für uns nur wichtig ist, dass die Arbeitsplätze und der Standort erhalten bleiben. Wir haben bei RWE schon mehrere Umfirmierungen erlebt, ohne dass das zu massivem Stellenabbau geführt hätte." In Anbetracht der neuen Situation zeigt sich Linz überzeugt, dass der Konzessionsvertrag mit RWE (und damit der Betrieb der kommunalen Stromnetze) nach Ablauf von zehn Jahren in 2022 gekündigt werden kann, um dann einen neuen Vertrag mit den Stadtwerken Wesel zu schließen. "Für diese Lösung haben wir uns schon vor Jahren eingesetzt, wurden damals aber von dem Bündnis aus SPD, FDP und Grünen überstimmt."

Auch für die Fraktion Wir für Wesel (WfW) sind die Stadtwerke erste Wahl, wenn es um den Betrieb der kommunalen Stromnetze geht. Wie WfW-Fraktionschef Thomas Moll gestern mitteilte, hätten die Stadtwerke "im Gegensatz zu RWE und Eon eine kommunale Bindung und sichern langfristig Arbeitsplätze am Standort Wesel". Die Entwicklung der künftigen Strompreise durch die neu geschaffenen monopolartigen Strukturen in der Energiewirtschaft könnten nur noch durch wirtschaftlich starke Stadtwerke beeinflusst werden, so Moll weiter. Für ihn sei "völlig offen", ob der Standort Wesel überhaupt erhalten werden kann.

Auch Friedrich Eifert, Ex-Fraktionschef der FDP, hat sich in Sachen Innogy-Aufteilung zu Wort gemeldet. Er vertritt mittlerweile vehement die Auffassung, dass so bald wie möglich die Stadtwerke die Stromnetze übernehmen sollten. "Das hätte möglicherweise den Effekt, dass Mitarbeiter von Westnetz zu den Stadtwerken wechseln könnten", so Eifert. Eine politische Diskussion darüber sei in Wesel nötig.

Bei den Mitarbeitern der Innogy-Tochter Westnetz herrscht unterdessen noch Ruhe. Unter anderem die Elektroniker im Technikcenter an der Brüner Landstraße und die Mitarbeiter der Planungsabteilung an der Reeser Landstraße (B 8) gehen derzeit davon aus, dass Eon sie allesamt brauchen wird, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. "Der Personalstand wurde in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren. Die Monteure, die jetzt noch da sind, werden alle gebraucht. Bei uns ist jedenfalls die Stimmung unter den Kollegen gelassen", gibt sich ein Westnetz-Mitarbeiter entspannt. "Es wird wohl so sein, dass eher in den höheren Verwaltungsebenen etwas passiert. Doch wir wissen auch alle nichts Genaues, kennen nur das, was in den Zeitungen steht."

Weder bei der Pressestelle von RWE noch bei Eon gibt es derzeit Informationen zu den Auswirkungen des geplanten Deals auf den Standort Wesel. Die Gewerkschaft Verdi war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Beim Kreis Wesel und in der Weseler Kommunalverwaltung blickt man, was die Haushaltslage angeht, gelassen auf die neue Entwicklung: Sowohl die Stadt Wesel als auch der Kreis Wesel haben ihre Anteile verkauft - im Sommer 2017 trennte sich der Kreis von seiner letzten Million RWE-Aktien, damals mit einem Wert von 15 Euro je Stück. Zum Vergleich: 2007 und 2008 verkaufte der Kreis einen Großteil seiner RWE-Aktien noch bei einem Kurs von 90 Euro. Mittlerweile steht die RWE-Aktie bei 19,90 Euro. "Wir haben keine RWE-Aktien mehr", sagt auch Wesels Kämmerer Georg-Paul Fritz. Es gebe aber im Rathaus die Sorge, dass sich die Maßnahme auf die Arbeitsplätze auswirkt. "Da werden die nächsten Wochen und Monate zeigen, wie es weitergeht", so Fritz.

Quelle: RP
 
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