| 00.00 Uhr

Kreis Wesel
SPD-Debakel: Erste Kritik aus Wesel

Kreis Wesel: SPD-Debakel: Erste Kritik aus Wesel
Wesels stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Nuyken, CDU-Stadtverbandschef und CDU-Fraktionschef Jürgen Linz (v. l.) analysieren das Wahlergebnis. FOTO: Malz Ekkehart
Kreis Wesel. Wesels SPD-Fraktionschef Ludger Hovest kritisierte nach der SPD-Wahlschlappe den Wahlkampf der Genossen +++ Schermbecks Bürgermeister stellt Forderungen an die Kanzlerin. +++ Hamminkeln bleibt eine CDU-Hochburg +++

Mit gemischten Gefühlen sind die Wahlergebnisse gestern in den Städten und Gemeinden des Kreises Wesel aufgenommen worden. In der Kreisstadt Wesel schneidet die SPD traditionell besser ab als auf Bundesebene. Dennoch nahm SPD-Fraktionschef Ludger Hovest gestern kein Blatt vor den Mund. Er hatte schon während des Wahlkampfes angedeutet, dass er mit dem Auftritt des Kandidaten Preuß nicht zufrieden sei. Hovests Sätze gestern nach der Wahlschlappe, für die SPD klangen wie eine Ohrfeige: "Ein sehr enttäuschendes Ergebnis. Die SPD hat jetzt die verdammte Pflicht, sich in der Opposition zu erneuern. Und das gilt inhaltlich und personell für Berlin und Düsseldorf. Aus meiner Sicht, war das ein völlig verfehlter Wahlkampf. Ich mache seit 1972 Wahlkampf, damals für Willy Brandt: So eine schlechte Aufstellung habe ich noch nie erlebt. Bei der SPD gab es keine Themen, keine Präsenz und eine Panne nach der anderen. Ich bin froh, dass wir mit Sabine Weiss und Bernd Reuther zwei Ansprechpartner in Berlin haben und werden mit ihnen ein ordentliches Verhältnis führen."

Unterstützung für Sabine Weiss gab es auch von Wesels CDU-Parteichef Sebastian Hense: "Ich freue mich über das Ergebnis für Sabine Weiss und auch darüber, dass wir mit Bernd Reuther einen Weseler im Bundestag haben werden. Gleichwohl bin ich erschrocken über das Abschneiden der AfD. Jetzt müssen CDU, SPD, FDP und Grüne sehen, wie sie durch konstruktive Politik den Leuten etwas anbieten, dass sie sich nicht genötigt fühlen, die AfD zu wählen. Die hat von allen Parteien Stimmen bekommen. Auch uns hat die AfD Wähler abgezogen. Damit müssen wir uns kritisch auseinandersetzen", so Hense.

In Schermbeck freute man sich über den erneuten Einzug von Sabine Weiss in den Bundestag. Ulrich Stiemer, CDU-Vorsitzender, sieht dabei ein besonderes Verdienst der CDU-Mitglieder in seiner Heimat: "Schermbeck hat einen großen Anteil an der Vielzahl der Erststimmen. Hier war Sabine Weiss mehrfach präsent. Das hat sich ausgezahlt. Auf der anderen Seite macht es mich sehr nachdenklich, dass die AfD auch in Schermbeck so viel Stimmen sammeln konnte." Auch die SPD zeigte sich zufrieden mit ihrem Schermbecker Ergebnis.

Michael Fastring, stellvertretender SPD-Vorsitzender, sagte: "Die SPD hat auch in Schermbeck stark verloren, aber nicht so stark wie im Bund. Jürgen Preuß hat nicht persönlich verloren, da sein Ergebnis im Bundestrend liegt. Dass die SPD nun Oppositionspartei wird, ist folgerichtig. Das ist eine Chance für die Zukunft." Zufrieden zeigte sich auch die FDP. Simon-Bremer, FDP-Vorsitzender, sagte: "Das Wahlergebnis bedeutet gegenüber der Landtagswahl eine deutliche Steigerung. Ich freue mich, dass nach dem zeitweiligen Problem der FDP in Schermbeck der Partei wieder ein so deutliches Vertrauen ausgesprochen wurde."

Bürgermeister Mike Rexforth (CDU) stellte erste Forderungen an die neue Bundesregierung: "Von der neuen Bundesregierung um Frau Merkel erwarte ich im Interesse der Bürger unserer Gemeinde eine deutlich bessere Finanzierung der Schul- und Betreuungseinrichtungen, eine deutliche Ausweitung der Stellen im Schul- und Polizeibereich sowie eine nachhaltige konsequente Strategie im Umgang mit der Rückführung ausländischer Straftäter."

In Hamminkeln sagte Bürgermeister Bernd Romanski (SPD): "Das Ergebnis ist schon fast katastrophal zu nennen. Die AfD als dritte Kraft habe ich mir nicht vorstellen können, sie ist eine Partei ohne Programm. Die SPD hat die Quittung für die Große Koalition bekommen. Jetzt weiterzumachen in der Koalition wäre falsch. Die Menschen wollen, dass sich in Deutschland etwas ändert, trauen es aber offensichtlich den großen Parteien nicht zu." Auch bei der CDU gab es trotz des Erfolgs für Sabine Weiss enttäuschte Gesichter. Norbert Ness, CDU-Parteivorsitzender in Hamminkeln, sagte: "Ein Abend zum Freuen ist das nicht. Dazu sind die Verluste der CDU zu groß. Zufrieden bin ich, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben kann. Wenn die SPD nicht in die Koalition will, weiß ich nicht, ob das so schlau ist angesichts der neuen Verhältnisse. Ich habe aber auch nichts gegen eine Jamaika-Koalition. Sicher ist: Die Regierungsbildung wird nicht einfach."

Johannes Flaswinkel von den Grünen in Hamminkeln zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: "Wir Grüne sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Das Ergebnis der AfD kam nicht unerwartet, der Zuspruch bleibt mir aber unerklärlich. Die Partei muss man inhaltlich stellen und nicht mit Parolen." 5,6 Prozent Zweitstimmen holten die Grünen in Hamminkeln.

Unterstützung für Angela Merkels Kurs kam von Christian Quik von der CDU in Hamminkeln: "Erschreckend ist das gute Abschneiden der AfD. Die CDU hat etwas aufzuarbeiten. Sorgen und Nöten muss sie mit Lösungen entgegentreten. Aber Angela Merkels Kurs halte ich weiter für richtig."

(sep/kwn/hs/thh)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Wesel: SPD-Debakel: Erste Kritik aus Wesel


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.