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Wesel
SPD fordert Pilkington und zwei Banken zum Aktien-Rückkauf auf

Wesel: SPD fordert Pilkington und zwei Banken zum Aktien-Rückkauf auf
SPD-Fraktionschef Ludger Hovest. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Fraktionschef Ludger Hovest will verhindern, dass dem Weseler Bauverein durch unangemessene Dividendenzahlungen Geld entzogen wird und kritisiert das Treiben "kapitalistischer Heuschrecken". Von Klaus Nikolei

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest hat sich zum Pressegespräch im Rathaus Verstärkung mitgebracht: fünf Bauvereins-Kleinaktionäre, alles Frauen, alles Parteimitglieder. Sie sollen ihm Rückendeckung geben in seinem Bemühen, Schaden vom Bauverein abzuwenden.

Es ist nicht so sehr der Termin vor dem Düsseldorfer Landgericht am 26. Oktober, der Hovest Sorgen bereitet. Bei dem Güte- oder Verhandlungstermin geht es, wie berichtet, um eine "aktienrechtliche Nichtigkeits- und Anfechtungsklage". Hovest beschäftigt sich vielmehr mit dem Gedanken, wie es gelingen kann, einen unliebsamen Unternehmer aus Meerbusch und dessen Anwälte dazu zu bewegen, künftig sprichwörtlich einen weiten Bogen um Wesel zu machen. Das Trio hatte durch zahllose Fragen ("Was hat der Aufzug in einem Haus an der Fusternberger Straße gekostet") und die Forderung nach einer Dividende von zehn Prozent (die deutliche Mehrheit stimmte für 5,5 Prozent) für Missstimmung bei der Hauptversammlung am 29. Juni gesorgt, die voraussichtlich im November wiederholt werden muss.

Und um dieses Ziel zu erreichen, will der offensichtlich im Wahlkampf-Modus steckende Chef-Genosse die Volksbank Rhein-Lippe, den Glasveredler Pilkington und die Commerzbank/Atlas-Vermögensverwaltung in die Pflicht nehmen. Dazu muss man wissen, dass dieses Trio im Jahr 1992 jeweils 400 bis 500 "vinkulierte Namensaktien" (Wert damals: 100 Mark) des Bauvereins an die Investitionsgesellschaft des Meerbuschers verkauft hatte. Wobei die Volksbank Rhein-Lippe der Rechtsnachfolger der damaligen Raiffeisenbank Wesel ist.

Obwohl der Bauverein seinerzeit dem Verkauf der Aktien nicht zugestimmt hatte, um Geld nicht nach außen fließen zu lassen, kam der Deal zustande. Die beiden Banken und Pilkington hatten den Käufer mit besonderen Vollmachten ausgestattet, so dass dieser an den Hauptversammlungen des Bauvereins teilnehmen konnte.

"Das sind Schweineverträge. Da sind kapitalistische Heuschrecken am Werk", wetterte Hovest gestern und will nun dafür sorgen, dass Volksbank, Commerzbank und Pilkington die Aktien zurückkaufen. "Wie die das machen, ist nicht mein Problem." Mit der Voba hat Hovest schon vor vier Wochen gesprochen, mit Pilkington in Gelsenkirchen bereits telefoniert ("Der Chef wohnt in Wesel"). Ab Montag will er nun auch mit der Commerzbank in Frankfurt Kontakt aufnehmen. "Wir lassen nicht locker und wollen nicht, dass der Bauverein zum Spielball von Spekulanten wird", sagt Hovest.

Ebenfalls am Montag will er beantragen, dass der Bauverein künftig nur noch eine Dividende von drei Prozent zahlt. Sollte der Rat zustimmen und der Gesellschaftervertreter Jürgen Linz (CDU) diesen Vorschlag der Hauptversammlung unterbreiten, dürfte die Rechnung aufgehen. Denn die Stadt hält (zusammen mit zwei Stiftungen) rund 70 Prozent der 56.000 Anteile.

Was aber, wenn das Trio nicht auf die Forderungen der SPD eingeht? "Wer werden niemanden aus der Verantwortung lassen. Dann werden wir beispielsweise an Ständen vor den Banken die Bevölkerung über die ganze Sache informieren." Die fünf Damen nicken zustimmend.

Quelle: RP
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