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Wesel
SPD warnt vor Auskiesung in Obrighoven

Wesel: SPD warnt vor Auskiesung in Obrighoven
Das gut 50 bis 60 Hektar große Areal östlich des Isselkanals soll im neuen Regionalplan als Abgrabungsfläche ausgewiesen werden. FOTO: Nikolei
Wesel. Fraktionschef Ludger Hovest übt heftige Kritik am Planungsdezernenten des Regionalverbandes Ruhr. Der soll verantwortlich sein für den Plan, im neuen Regionalplan eine Abgrabungsfläche unweit der Bärenschleuse auszuweisen. Von Klaus Nikolei

Wesels SPD-Fraktionschef Ludger Hovest ist, so sagt er jedenfalls, "entsetzt". Entsetzt darüber, dass der Regionalverband Ruhr (RVR) im Rahmen der Planung des neuen Regionalplans (früher: Gebietsentwicklungsplan) eine gewaltige Auskiesungsfläche in Obrighoven angedacht hat. Dabei gibt es bereits in Büderich (Pettenkaul), an der Lippe und in Bislich (Histenbruch) drei im Gebietsentwicklungsplan von 1999 eingezeichnete Abgrabungsflächen, die zum Teil im neuen Regionalplan plötzlich nicht mehr auftauchen.

Über Umwege hat Hovest die "Geheimpapiere des RVR über die Auskiesung" erhalten. Bei dem angedachten Abgrabungsgebiet handelt es sich um eine etwa 50 bis 60 Hektar große, aktuell von der Landwirtschaft genutzte Fläche östlich des Isselkanals nahe der Bärenschleuse. Dorthin hatten Hovest und seine Parteifreunde Karlheinz Hasibether, Ludger Becker und Norbert Schulz-Wemhoff gestern Pressevertreter geladen, um ihrer Empörung über das Verhalten von RVR-Planungsdezernent Martin Tönnes Ausdruck zu verleihen. Denn Tönnes ist spätestens seit dem Hickhack in Sachen Kombibad am Rhein für Hovest ein rotes Tuch. "Von ihm sind wir mehrfach reingelegt worden, werden vom RVR immer wieder auf falsche Fährten gelockt", wettert Hovest, obwohl er gleichzeitig betont, "keine unnötige Schärfe" in die Sache bringen zu wollen. Doch das gelingt ihm nicht.

Damit die angedachte Auskiesungsfläche so schnell wie möglich aus dem Regionalplan verschwindet, hat Hovest ("Wehret den Anfängen") einen Brief an RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel beschrieben. In dem macht er deutlich, "dass es nicht sein kann, dass die Planungsabteilung des RVR ohne Rücksprache mit der Weseler Politik und der Kiesindustrie ohne Sinn und Verstand Flächen ausweist. Wir sagen ganz deutlich: Wir wollen die zusätzlichen Auskiesungsflächen in Obrighoven nicht." Außerdem, so heißt es in dem Brief weiter, werde man mit allen zur Verfügung stehenden politischen Mitteln dagegen ankämpfen. "Wir akzeptieren diese Vorgehensweise nicht." Und wie sieht Planungsdezernent Martin Tönnes die ganze Sache? Unsere Redaktion hat gestern vergeblich versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Übrigens ist nicht nur bei der SPD die Verwirrung groß über das Vorgehen der RVR, sondern auch bei den regionalen Kiesunternehmen. "Ich habe sie alle angerufen und gefragt, ob sie dahinterstecken würden. Doch alle haben erklärt, dass sie auf Weseler Stadtgebiet nichts planen würden", so Hovest. Und dann kommt der SPD-Fraktionschef noch einmal auf Tönnes zu sprechen. Der habe behauptet, dass die Stadt Wesel bislang keinen Antrag zur Erweiterung der Abgrabungsfläche Pettenkaul in Büderich abgegeben habe. "Dabei haben wir schon mehrere Resolutionen zu diesem Thema verfasst. Also werden wir diese Resolutionen jetzt als Antrag an den RVR schicken und gleichzeitig deutlich machen, dass wir hier im Obrighovener Feld keine Abgrabung wollen." Das Obrighovener Feld, weiß Karlheinz Hasibether, befindet sich in einem Landschaftsschutz- und gleichzeitig auch im Issel-Hochwassergebiet. "Wenn hier Kies abgebaut würde, würde das den Verlust von landwirtschaftlicher Fläche bedeuten. Außerdem wird der Bereich als Naherholungsgebiet genutzt."

Hovest und Co. ist es übrigens wichtig zu betonen, dass man bei den Auskiesungen auf Weseler Stadtgebiet - Histenbruch, Pettenkaul und Lippe - stets auch die Nachfolgenutzung im Blick habe. In Bislich (Histenbruch) sei ein Seenverbund und "sanfter Tourismus auf dem Wasser und an Land geplant". In Büderich (Pettenkaul) gehe es "um die Schaffung erlebbarer Natur durch den Radtourismus". Und an der Lippe soll die Auskiesungsfläche zusammen mit Lippeverband und Naturschutzbund (Nabu) renaturiert werden.

Quelle: RP
 
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