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RP-Serie Heimat
Speisen im ältesten Haus der Stadt

Wesel. Das Dreigiebelhaus ist das älteste erhaltene Wohnhaus in Duisburg. Es hat eine wechselvolle Geschichte. Von Peter Klucken

Im ersten Duisburger Stadtplan überhaupt, jenem Plan, den Johannes Corputius, ein Schüler des großen Kartographen Gerhard Mercator, vor 450 Jahren angefertigt hat, kann man das Haus, das hier vorgestellt wird, bereits erkennen: das Dreigiebelhaus. Dieses historische Schmuckstück, so genannt nach den drei Treppengiebeln, die es zieren, ist das älteste noch erhaltene Wohnhaus in Duisburg. Urkunden zeigen, dass der mittlere Teil des Gebäudes bereits 1536 fertiggestellt war. Der Corputius-Plan, an dessen 450. Geburtstag viele Veranstaltungen in diesem Jahr erinnern, zeigt schön, dass das historische Haus innerhalb der Befestigungsanlage stand, die im Mittelalter die Stadt umgab und sicherte.

Anfangs war das Dreigiebelhaus ein Domizil für Wohlhabende, wie überhaupt die Niederstraße, die entlang des Gebäudes führt, für Reiche und auch die Geistlichkeit ein gefragtes Wohngebiet war. Durch den Zuzug von Nonnen aus dem Duisburger Stadtteil Duissern entwickelte sich hier bald ein katholisch dominierter Straßenzug, der bis zum Minoritenkloster am heutigen Karmelplatz reicht, ein Steinwurf vom Dreigiebelhaus entfernt.

1608 ging das Haus in den Besitz der Duisburger Zisterzienserinnen über. Nachdem die Erlaubnis zum Kauf vom Stadtrat gegeben worden war, zahlte die Äbtissin Margarete von Viffhusen dem letzten Vorbesitzer des Hauses, dem Junker Dietrich von Raesfeld, 3000 Taler für die Übernahme. Duisburgs früherer Stadtarchivar Joseph Milz nannte diese Transaktion in einem stadtgeschichtlichen Aufsatz mit leicht ironischem Unterton "geschickte Ankaufspolitik". Das ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil Duisburg damals calvinistisch geprägt war und die katholischen Nonnen vermutlich nicht von allen in der Stadt gut gelitten waren.

Vielleicht kann man aber auch meinen, dass Duisburg in Religionsfragen toleranter als andere Städte war. Ganz konfliktfrei lief der Verkauf aber wohl doch nicht ab, wie Joseph Milz herausfand. Der Stadt waren die Steuerprivilegien des Klosters durchaus ein Dorn im Auge. Aber letztlich arrangierte sich die Stadtspitze mit den Klosterfrauen. An die alten Zeiten erinnert übrigens heute noch der Name "Nonnengasse", die Adresse des Dreigiebelhauses.

Ein großes historisch-politisches Ereignis, der sogenannte Reichsdeputationshauptschluss, 1803 gefasst vom "immerwährenden Reichstag in Regensburg", wirkte sich auch in Duisburg aus. Es ging dabei um die Verstaatlichung zahlreicher kirchlicher Besitztümer. Das Dreigiebelhaus, das 1633 einen großen Andachtsraum erhalten hatte, wurde 1806 vollends säkularisiert und wurde 18 Jahre lang als Textilfabrik genutzt. Anschließend diente das Gebäude als "Höhere Töchterschule". Im Jahr 1906 verkaufte es die Stadt an einen Privatmann, der das Gebäude als Wohnhaus nutzte.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude weitgehend unbeschädigt. Doch verfiel es zusehens: In der frühen Nachkriegszeit war Denkmalschutz noch kein großes Thema. Was sich in Duisburg beispielsweise darin zeigt, dass Mercators Wohnhaus, das sich nur zwei Gehminuten vom Dreigiebelhaus entfernt befand, wegen Kriegsschäden kurzerhand planiert wurde, ohne auch nur eine Restaurierung in Erwägung zu ziehen. Heute werden die Grundmauern wieder von Archäologen freigelegt, und auf dem Altstadt-Areal soll in den kommenden Jahren ein neues Mercator-Quartier entstehen.

Von 1973 bis 1976 wurde das stark verwitterte Dreigiebelhaus umfassend und aufwendig renoviert. Im oberen Geschoss gab es fortan bis vor fünf Jahren Künstler-Ateliers, in denen vor allem Lehmbruck-Stipendiaten leben und arbeiten konnten. Nach dem Auszug der Künstler wurden im Obergeschoss moderne Wohnungen eingerichtet. Heute leben dort Mieter, die das historische Ambiente lieben. Das Haus befindet sich im Besitz der Immobiliengesellschaft Duisburg, einer Tochtergesellschaft der Stadt.

Im Erdgeschoss gibt es seit 1976 ein Restaurant, das für seine gepflegte und bezahlbare Gastronomie bekannt ist. Das Restaurant hat mittwochs bis samstags ab 17.30 Uhr, sonntags von 12 bis 15 Uhr sowie ab 17.30 Uhr geöffnet (Tel. 0203 26859, E-Mail: info@dreigiebelhaus.com. Anschrift: Nonnengasse 8, 47051 Duisburg.

Quelle: RP
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