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Hamminkeln
Spenden-Räder machen Flüchtlinge mobil

Hamminkeln. "Mehrhoog hilft" hat ein System geschaffen, um Neuankömmlinge mit Rädern zu versorgen.

"Mehrhoog hilft" macht Flüchtlinge mobil. Auf dem platten Land kommen Asylbewerber oft in radelnden Pulks daher, wenn sie unterwegs zum Einkaufen sind oder in den Sprachunterricht wollen. Sie sind ausgestattet mit gespendeten Fiets. Das klingt einfach, doch es ist viel Arbeit, was die Mehrhooger leisten im Fahrradkeller der Grundschule. Einfach gespendete Räder weiterzureichen reicht nicht. "Sie müssen verkehrssicher sein, die Funktion muss erklärt werden, der Aufwand muss zu bewältigen sein. Allein der Reparaturbedarf ist sehr groß", sagt Helmut Buteweg.

Die Unterstützung funktioniert sehr gut, wie sich jeden Dienstag zeigt. Dann warten zig Flüchtlinge auf der Kellertreppe schon vor der offiziellen Öffnungszeit. Zurzeit ist der Bedarf gedeckt, weshalb die Mehrhooger die Sammelaktionausgesetzt haben. Ganz anders als in Hamminkeln, wo Räder gesucht werden.

Weil Mehrhoog kontinuierlich und von Beginn des Flüchtlingsstroms mobil macht, kommen viele Interessenten auch aus den anderen Dörfern, um die Zweiräder zu ergattern. Helmut Buteweg, bekannt auch als Leichtathlet und Mitorganisator des Citylaufs Hamminkeln und ein Helfer der ersten Stunde, als die Flüchtlinge ungeordnet und in chaotischer Situation in der Hogenbuschhalle unterkamen, hat viele Erfahrungen eingebracht. Von Anfang an war er Leiter der "Gruppe Begleitung Erwachsener", eines der frühen Projekte war der Radkeller. Er hat sich darum gekümmert, dass die Flüchtlinge, die oft noch nie auf einem Fahrrad gesessen hatten, die Verkehrsregeln kennenlernten. Eine dreisprachige Power-Point-Präsentation hat er dafür ersonnen. Die wurde zum Erfolg, als sie Voraussetzung zur Übergabe eines Fahrrades wurde. "Dann kamen die Leute in Scharen", sagt er.

Schon die erste Sammelaktion war ein Erfolg. Doch die Arbeit, die Fiets verkehrsfit zu machen, wuchs. Heute helfen Manfred Driever, Bernhard Lackmann und Klaus Wernecke im Keller mit. Als Mechanikertalent hat sich der Syrer Hayrabed Karageocian erwiesen. Ständig sind Räder zu reparieren, vom alte Schätzchen bis zum Rad in bestem Zustand sind unter den Spenden. Ständig kommen Flüchtlinge, die Reparaturen anmelden. Das alles wird genau notiert. Es hat sich gezeigt, dass geschenkte Räder ohne Verpflichtung mit wenig Wertschätzung behandelt werden. Die 142 ausgegebenen Fiets - im Ordner sind sie alle verzeichnet - werden mit einem Leihvertrag für je nach Zustand zwischen zehn und 30 Euro (Kinder fünf Euro) weitergegeben. Mit den Einnahmen werden Ersatzteile finanziert. "Wir haben klare Regeln eingeführt. Manchen fällt es schwer, sie einzuhalten", sagt Buteweg. Man könne nicht beliebig sein Rad umtauschen, bloß weil ein besseres unter den Spenden ist.

"Die meisten freuen sich, mobil zu sein", sagt der Helfer. Jedes Rad wird fotografiert, nummeriert und namentlich zugeordnet. Sorgfältig wird die Rahmennummer geprüft und mit Polizei-Daten abgeglichen. Geklaute Räder kommen so nicht in den Umlauf. Das alles hat sich mit der Zeit eingespielt. So wie die immer besser gewordene Zusammenarbeit mit der Stadt.

(thh)
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