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Wesel
Spielwaren Franck geht neue Wege

Wesel: Spielwaren Franck geht neue Wege
Laden-Inhaberin Dorothee Cramer und Wohnglanzvilla-Chefin Ute Raddue (von links) im neu gestalteten Untergeschoss von Spielwaren Franck. Statt Lego-Textilien gibt es nun Accessoires, kleine Möbel und Deko-Artikel fürs Heim. FOTO: Jana Bauch
Wesel. Seit über 160 Jahren gibt es den Laden in Wesel, das Kerngeschäft Spielwaren wird in den vergangenen Jahren immer schwieriger. Darum kommen ab heute auch Deko-Artikel vom Anbieter Wohnglanzvilla zum Vedes-Sortiment hinzu. Von Ludwig Krause

Noch vor Kurzem waren die Wände im Untergeschoss von Vedes voll gelber Männchen. Kleidung mit Lego-Figuren hat Dorothee Cramer dort verkauft, jetzt hat sie Platz geschaffen. Für Tassen, Kissen und Uhren. Bilder, Töpfe und Rahmen. Statt bonbon-farbenem Plastik gibt es jetzt deutlich mehr Pastell zu sehen. Shop in Shop heißt die neue kleine Deko-Welt bei den Einzelhändlern. Ein Laden im Laden.

Seit 161 Jahren gibt es Spielwaren Franck in Wesel, Dorothee Cramer ist Chefin in der fünften Generation. "Angefangen hat es in den Zeiten, als Wesel noch Garnisonsstadt war. Da haben die Soldaten Spielwaren für ihre Kinder gekauft", sagt sie. Seit langem gehört auch der Verkauf von Lederwaren fest zum Geschäft. Dass sie jetzt auf ein weiteres Standbein setzt, ist den Entwicklungen der vergangenen Jahren geschuldet.

Modern, ein wenig verspielt: Das Konzept der Tassen gilt für viele der Waren, die Wohnglanzvilla im Angebot hat. FOTO: Jana Bauch

"Wir verlieren die Kinder im Alter zwischen 13 und 16 Jahren", sagt Cramer. "Die spielen heute nicht mehr." Zumindest nicht mit klassischem Spielzeug oder Brettspielen. Sondern mit Tablet oder Smartphone, in App-Stores und im Internet. Das Obergeschoss, in dem früher Modelleisenbahnen von Märklin verkauft wurden, haben sie schon vor einigen Jahren geräumt, als die Mitarbeiterin, die jedes Schräubchen der Lokomotiven kannte, in Rente ging. Es lief schon besser für die Spielwaren. "Das hat nicht nur mit den Internethändlern zu tun, das ist auch eine gesellschaftliche Entwicklung", sagt Cramer.

Künftig gibt also es im Erdgeschoss Spielzeug für die Kleinen, nebenan die Handtaschen für die Großen und im Untergeschoss Deko für Mütter und (etwas älteren) Töchter gleichermaßen. Die neuen Artikel kommen vom Internet-Händler Wohnglanzvilla. Vom Netz in den stationären Handel - ein eher ungewöhnlicher Weg. "Vor vier Jahren habe ich mit dem Online-Shop angefangen", sagt Chefin Ute Raddue. Rund 1000 Artikel sind im Internet im Angebot. Dann habe sie aber gemerkt, dass ihr Sortiment auch auf Märkten laufe, seit Oktober vergangenen Jahres verkauft sie die Artikel - auch Shop in Shop - bei einem Händler in Dinslaken. Und wer kauft die Accessoires und Deko-Artikel für Küche, Bad und Wohnung? "Manchmal kommen Mütter und kaufen es für ihre Töchter. Und dann wieder Töchter, die es für ihre Mütter kaufen", sagt Raddue.

Jetzt also der Schritt zu Spielwaren Franck nach Wesel. Über eine Freundin haben sich die beiden Frauen kennengelernt, schon nach den ersten Gesprächen habe die Chemie gestimmt. "Am Anfang war ich skeptisch", sagt Dorothee Cramer. "Wesel ist ja auch nicht unbedingt der Nabel der Welt." Aber für die gelernte Dekorateurin Raddue ist die Weseler Fußgängerzone kein Neuland - sie hat schon die Burger Nerds einige Hundert Meter weiter mit Dekoration ausgestattet. Der Skepsis wich dann auch bei Dorothee Cramer die Überzeugung: "Das machen wir."

Am heutigen Samstag wird der Laden im Laden eröffnet, eine stimmungsvolle Runde soll es werden, sagen die beiden Frauen. Mit einigen Gläsern Sekt, ein paar Angeboten, pünktlich zu Muttertag am Sonntag. Wenn das Wetter stimmt, so hoffen sie, ist dann auch die Fußgängerzone voll. Mittlerweile könne sie schon am Blick auf die Hohe Straße aus dem Bürofenster im ersten Stock sagen, wie viele Kunden im Laden sind, meint Cramer. Fünfte Generation im Laden eben. Am Wochenende, hofft sie, bereite ihr der Blick gute Laune. "Ich war schon bei der Shop-Eröffnung in Dinslaken überrascht, wie gut es lief", sagt Wohnlanzvilla-Chefin Ute Raddue. "Warum dann nicht auch in Wesel?"

Quelle: RP
 
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