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Lokalsport
Flüchtlinge kicken beim SV Schermbeck

Schermbeck. Jeden Montag treffen sich 24 junge Männer zum Fußballtraining. Der Einsatz von Gabi Roring hat sich gelohnt. Von Helmut Scheffler

Sport ist eine gute Möglichkeit, Flüchtlinge am Leben einer Kommune teilnehmen zu lassen. Das beweisen derzeit die Fußballer des SV Schermbeck. Sie haben Flüchtlinge eingeladen, montags zum Training auf den Waldsportplatz zu kommen.

Als Bürgermeister Mike Rexforth im September vergangenen Jahres im Rathaus etwa 300 Bürger begrüßte, die sich bereit erklärten, sich in irgendeiner Form in die Integrationsarbeit für Flüchtlinge einzubringen, waren auch die Fußballer mit von der Partie. Der damals einsetzende starke Zustrom von Flüchtlingen ließ der Caritas allerdings wenig Zeit, alle Angebote zeitnah zu koordinieren.

In dieser Situation wurde Gabi Roring auf privater Ebene zu einem besonderen Motor. Als sie im Winter mit anderen Frauen die Kleiderkammer in der ehemaligen Uefter Schule betreute und dabei gleichzeitig Kontakte zu den dort lebenden Flüchtlingsfamilien aufnahm, bat sie Klaus Otto Besten als Trainer der SVS-Jugendabteilung, drei junge Flüchtlinge zum Training zuzulassen. Als dieser zusagte, übernahm Gabi Roring sogar den Transport der Kinder zum Training.

Als die Kleiderkammer Anfang des Jahres 2016 ins ehemalige Ecco-Hotel verlegt wurde und Gabi Roring auf den Fluren Jugendliche und junge Erwachsene sah, die keine sinnvolle Freizeitgestaltung kannten, nahm sie über das Fußball-Urgestein Jupp Bockholt Kontakt mit dem SVS-Jugendgeschäftsführer Michael Steinrötter auf. Im Rahmen einer Trainerbesprechung wurde entschieden, ein Training für Flüchtlinge anzubieten. Als Koordinator für die Integration im Jugendvorstand übernahm Jugendtrainer Dirk Lippert die Aufsicht über das Fußballspielen am Montagabend. Der SV Schermbeck macht keinen Unterschied zwischen Migranten, Menschen mit Migrationshintergrund, Asylsuchenden oder Asylbewerbern. Für den neuen Leiter der Fußballabteilung des SVS, Michael Steinrötter, ist es wichtig und ganz normal, allen Flüchtlingen den Zugang zum Sport zu erleichtern.

24 junge Menschen kommen nun montags zu Fuß oder radelnd zum Sportplatz und man sieht ihnen die Begeisterung an, wenn sie kurz nach der Mannschaftsbildung versuchen, das Leder möglichst oft im Tor des Gegners zu platzieren. Überwiegend sind es Syrer, Afghanen, Iraker und Iraner, die Mannschaftsgeist beweisen. Sprachliche Probleme größerer Art gibt es nicht. Trainer Dirk Lippert spricht Englisch. Die jüngsten Flüchtlinge haben erstaunlich schnell die wichtigsten deutschen Formulierungen für Fußballstandards verstanden und helfen dem Trainer als Dolmetscher. Und wenn die wetteifernden Mannschaften einmal zu starke Emotionen walten lassen, dann unterstützt Flüchtling Yasser seinen Trainer vehement mit beschwichtigenden Worten.

Die Flüchtlinge sind über den Landessportbund versichert. Das gibt dem Verein Haftungssicherheit. Das Training wird von Dirk Lippert ehrenamtlich geleitet. Für die nächste Saison ist geplant, eine Seniorenmannschaft aus Flüchtlingen und deutschen Spielern zu bilden, falls die Rahmenbedingungen stimmen. Gabi Roring strahlt, als sie die jungen Menschen beim Fußball sieht. Ihr Einsatz hat sich gelohnt und sie weiß ihre Schützlinge in guter Obhut.

Quelle: RP
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