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Trainer für den Kopf

Der Weseler Axel Zehle ist Mental-Coach mit dem Schwerpunkt Sport. "Der Sportpsychologie gehört nicht nur im Spitzensport die Zukunft", sagt Zehle, der einige Jahre in der Nachwuchs-Abteilung von Schalke 04 gearbeitet hat. Von Joachim Schwenk

Der SV Schermbeck hat in der Stunde sportlicher Not beste Erfahrungen damit gemacht, neue Wege zu gehen. Dass der Fußball-NRW-Ligist sich nach desaströsen Wochen im Herbst 2009 mittlerweile wieder berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen darf, führt Trainer Martin Stroetzel auch auf die Zusammenarbeit mit Mental-Coach Martin Daxl zurück. "Er hat bei uns einiges bewegt", sagt Stroetzel. Für den Weseler Axel Zehle ist der "Fall SVS" eine Bestätigung. "Ein Sportler muss nicht nur seinen Körper trainieren, sondern auch seinen Kopf", lautet sein Leitsatz.

"Trainingslehre fast ausgelutscht"

Der 34-Jährige hat geschafft, wovon er als Kind immer geträumt hat: seine Liebe zum Sport mit dem Beruf zu verbinden. Zehle arbeitet als Mental-Coach – mit dem Schwerpunkt Sport. Er ist nach Gesellenjahren in der Nachwuchs-Abteilung des Bundesligisten Schalke 04 jetzt dabei, in Burscheid bei Leverkusen ein Sportpsychologisches Zentrum aufzubauen, um Sportler im Kopf in Topform zu trimmen.

"Sportpsychologie ist das Feld, auf dem man noch etwas bewegen kann, wenn man Athleten nach vorne bringen will. Denn die reine Trainingslehre ist fast ausgelutscht", sagt Zehle, der seit einigen Jahren in Wesel wohnt. Er stürmte ein halbes Jahr für den SV Bislich in der Bezirksliga, bis er seine Laufbahn wegen eines Kreuzbandrisses beenden musste. Das war ein schwerer Schlag für den leidenschaftlichen Fußballer, der jetzt Sportler stark macht, damit sie lernen, mit persönlichen Krisen umgehen zu können. "Meistens beginnen Vereine mit der sportpsychologischen Betreuung erst, wenn, wie im Fall Schermbeck, das Kind fast schon in den Brunnen gefallen ist. Dabei muss man frühzeitig bei den Aktiven ein Fundament gießen, damit sie stark sind, wenn heftiger Gegenwind kommt", meint Zehle.

Der 34-Jährige befasste sich auch während seines Wirtschaftsstudiums in Mönchengladbach mit dem Sport. "Personalbeschaffung im Profifußball" lautete das Thema seiner Examensarbeit, die als Buch erschienen ist. Er knüpfte bei der Recherche erste Kontakte zu Schalke 04 und absolvierte in der damals von Helmut Schulte geleiteten Nachwuchs-Abteilung ein Praktikum. "Daraus wurde erst ein 400-Euro-Job und dann eine Vollzeit-Beschäftigung", sagt Zehle. Er entwickelte für Schalke ein Konzept, wie der Nachwuchs sportpsychologisch geschult werden kann.

Mentor Helmut Schulte

"Helmut Schulte war mein großer Mentor. Ihm habe ich viel zu verdanken", meint Zehle, der freiberuflich für den Traditions-Club aus dem Pott arbeitete. Bis zum Juni 2009, als die Jugend-Abteilung unter dem neuen Trainer-Manager Felix Magath neu aufgestellt wurde. Der Vertrag des Weselers, der eine psychologische Ausbildung absolviert hat, wurde nicht verlängert.

Zehle, der auch Dozent an einer Hochschule ist und als Unternehmensberater arbeitet, ist seitdem dabei, sich sein neues Standbein in Burscheid in der Nähe der Leverkusener BayArena aufzubauen. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass er und seine Kollegen in eine Nische stoßen und Erfolg haben werden. "Der Sportpsychologie gehört nicht nur im Spitzensport die Zukunft", sagt er. Und hofft, dass mehr Vereine den Mut haben, wie der SV Schermbeck neue Wege zu gehen.

Quelle: RP
 
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