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Wesel
Sportverbands-Zelt ist Wirt Dorn im Auge

Wesel: Sportverbands-Zelt ist Wirt Dorn im Auge
Hält sich mit Kritik nicht zurück: Kornmarkt-Wirt Jörg Bluhm (48). FOTO: Knw
Wesel. Jörg Bluhm ("Kornmarkt") fühlt sich von Politik und Verwaltung ungerecht behandelt. Denn er und seine Kollegen müssen Außenbestuhlung schon Ende September wegräumen, weil der Stadtsportbund dort eine Art Volksfest plant. Von Klaus Nikolei

Wer Jörg Bluhm etwas besser kennt, weiß, dass der 48-jährige Kornmarkt-Wirt Konflikten nicht aus dem Wege geht, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Dafür erntet er einerseits natürlich - oft hinter vorgehaltener Hand - Kritik. Andererseits gibt es nicht wenige, die ihm auf die Schulter klopfen und sagen: "Endlich mal jemand, der sagt, wie's ist." Aktuell ist Jörg Bluhm das vom Stadtsportbund geplante "transparente Zelt" ein Dorn im Auge, das vom 29. September bis einschließlich 3. Oktober auf dem Kornmarkt aufgebaut werden soll und in dem täglich ein kulturelles Ereignis beziehungsweise der 12. Gesundheitstag (1. Oktober) das Publikum locken soll.

"Was meine Kollegen und mich hier so ärgert, ist, dass wir bis zum 30. September Pacht an die Stadt zahlen, um auf dem Kornmarkt unseren Biergarten veranstalten zu dürfen. Das bedeutet, dass wir wohl nach dem Mittwochsmarkt alles am 28. September abbauen müssen. Das kostet Zeit und damit auch Geld." Außerdem beklagt Bluhm, dass man dann auch nicht, wie sonst üblich, die Tische und Stühle auch nach dem 1. Oktober noch stehen lassen könne als Ausgleich für das PPP-Programm und die vielen Regentage.

Das alles wäre für ihn und die Mitglieder der Wirte-Vereinigung Corn.Unity ja noch erträglich, wenn nicht die Weseler Event-Agentur kultur.raum.zeit vom Stadtsportbund-Vize Walter Großmann unter anderem auch als Caterer verpflichtet worden wäre. Denn: "Herr Großmann hatte mir versprochen, dass ich sein erster Ansprechpartner wäre. Hätten wir die Bewirtung im Zelt übernommen, wären alle Corn.Unity-Mitglieder eingebunden gewesen und hätten etwas davon gehabt", versichert Jörg Bluhm.

Nun aber habe Großmann mit kultur.raum.zeit ein Unternehmen verpflichtet, dessen Chef das Ratsmitglied Hilmar Schulz (WWW) ist. Für Bluhm ist das alles kein Zufall. Er wittert "Vetternwirtschaft" und bringt in diesem Zusammenhang den Namen von CDU-Fraktionschef Jürgen Linz ins Spiel. Der habe, da ist sich Bluhm sicher, in seinem Wahlkampf 2013 versprochen, sich verstärkt für die Kornmarktwirte einzusetzen. "Und jetzt sorgt er durch einen Anruf bei der Sparkasse dafür, dass die Finanzlücke des Stadtsportbunds geschlossen wird und ein anderes Ratsmitglied uns Kornmarkt-Wirten Konkurrenz macht. Da geht es doch nur noch um Posten und Geld", wettert er.

Dass Jörg Bluhm auf Linz nicht gut zu sprechen ist, hat natürlich auch eine Vorgeschichte. Denn Linz und SPD-Fraktionschef Ludger Hovest hatten sich dafür eingesetzt, dass Jörg Bluhm sein 25-jähriges Bestehen nicht am letzten September-Samstag auf dem Kornmarkt in einem transparenten Zelt feiern darf, weil man keine Konkurrenz für das gleichzeitig stattfindende Weseler Oktoberfest der Schützenvereine zulassen wollte.

Bekanntlich feiert Bluhm nun am 24. September auf einem Partyschiff auf dem Rhein. "Hätte ich das Großzelt für zwei Wochen aufbauen und mein Jubiläum auf dem Kornmarkt feiern dürfen, hätten auch meine Kollegen profitiert. Ebenso der Stadtsportbund, dem wir das Zelt für den Gesundheitstag zur Verfügung gestellt hätten", erklärt Bluhm die etwas komplizierte Gemengelage.

Letztlich kann der Gastronom nicht nachvollziehen, warum er von der Weseler Politik und der Verwaltung die Rote Karte bekommen habe, der Stadtsportbund aber zusammen mit kultur.raum.zeit. unter anderem ein Konzert (Stichwort: Lanko am 30. September) organisieren dürfe. "Das ist doch auch eine kommerzielle Veranstaltung. Da wird meiner Meinung nach mit zweierlei Maß gemessen", sagt der 48-Jährige und weiß, dass er mit seiner Sicht auf die Dinge natürlich Kritiker auf den Plan ruft. Gleichwohl wird es aber auch - so wie immer - Leute geben, die Jörg Bluhm gratulieren und sagen: "Gut, dass endlich mal jemand sagt, wie's wirklich ist."

Quelle: RP
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