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Serie Weseler Wahrzeichen (folge 34)
Standhafter Lauerhaas

Serie Weseler Wahrzeichen (folge 34): Standhafter Lauerhaas
Zur gekonnten Schlichtheit des Innenraums der Lauerhaaskirche sagt dieses Bild vom Altar mehr als tausend Worte. FOTO: Jana Bauch
Wesel. Als Hoffnungszeichen wurde die Kirche 1931 gebaut. Sie ist es bis heute. Von Fritz Schubert (Text) und Jana Bauch (Fotos)

Wesel Zur Reihe der Umland-Gotteshäuser, die erst spät mit dem Wachstum ihrer Orte errichtet wurden, gehört auch die Kirche am Lauerhaas. Seit Ostern 1931 ist sie für die evangelischen Christen in Obrighoven und Lackhausen das Zeichen der Hoffnung. Eine von der Stadt Wesel erbaute und verwaltete Reformierte Schule am Lauerhaas gab es ab 1684. Laut Stadtarchiv wurde 1749 an diese eine Kapelle angebaut, die aber schon 1820 nicht mehr in Gebrauch war. Der Begriff Lauerhaas bezieht sich übrigens auf einen Wachtposten, ein Lurhuus.

"Wachet" steht in Stein gehauen über dem Portal der Kirche. Es ist ein Zitat aus Matthäus 26,41: "Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtungen fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach." Als standhaft und offenes Bekenntnis zum Glauben hat sich der architektonisch bemerkenswerte Backsteinbau erwiesen. Als einziges Weseler Gotteshaus hat die Lauerhaaskirche den Krieg fast unbeschadet überstanden, und diente danach als Wohnraum für Vertriebene, als Schule und Kindergarten. Die Baukosten von 85.000 Reichsmark waren gut angelegtes Geld.

Eine wichtige Rolle spielte auch "der lange Emil". Pfarrer Emil Tappenbeck war von 1927 bis 1939 Pfarrer in Obrighoven, bevor er nach Wuppertal-Vohwinkel ging. In der Zeit des Kirchenkampfs, des Konflikts zwischen der Bekennenden Kirche und der NS-nahen Bewegung der Deutschen Christen, hielt Tappenbeck Abstand zu zwei Kollegen, die Letztere unterstützten. Am Ende wurde er aufgefordert, sein Amt niederzulegen, und zog fort.

Der architektonisch bemerkenswerte Backsteinbau hat den Zweiten Weltkrieg als einziges Gotteshaus in Wesel fast unbeschadet überstanden. FOTO: Jana Bauch

Ganz unversehrt hat die Lauerhaaskirche den Krieg nicht überstanden. Davon zeugen Einschusslöcher im Hahn. Der hatte im Mai 2015 bei einem Sturm den Halt verloren und war vom Turm herabgestürzt. Natürlich ist der metallene Vogel längst wieder da, wo er hingehört. Drei Töchter Tappenbecks haben bei einem Wesel-Besuch damals finanziell mit zur Reparatur und Montage beigetragen. Es ist übrigens kein Wetterhahn, sondern nach alter Tradition eine Symbolfigur, die ermahnen soll, den Herrn nicht zu verleugnen, wie es einst Petrus tat. Der Jünger hatte seinen Herrn dreimal verleugnet, bis der Hahn krähte, wie Jesus es vorhergesagt hatte.

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Quelle: RP
 
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