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Wesel
Steinkauz-Waisen wieder in freier Natur

Wesel: Steinkauz-Waisen wieder in freier Natur
Ein eindringlicher Forscherblick zeichnet die drei jungen Nachtjäger aus, die Peter Malzbender zunächst daheim und dann in der Greifvogelstation auf ihr Leben in Selbstständigkeit vorbereitet hat. FOTO: Fritz Schubert
Wesel. Großer Tag für junge Eulenvögel: Peter Malzbender vom Naturschutzbund hat elternlose Steinkäuze durchgebracht und in ihrer alten Heimat Bislich ausgewildert. Die Region ist ein idealer Lebensort für die bedrohte Art. Von Fritz Schubert

Steinkäuze nach Bislich bringen, ist wie Eulen nach Athen tragen: Hier sind sie zuhause. Die Landschaft mit ihren vielen Auen, Weiden, Hecken und Obstwiesen bietet beste Bedingungen für Brut, Aufzucht und dauerhaften Jagderfolg. Doch auch im Paradies kann mal was schiefgehen, wie Arnold Kischka, Anwohner der Straße auf der Höcht, im Mai feststellte. Da war ihm an einem Obstbaum ein Ast abgebrochen, auf dem eine Steinkauzniströhre angebracht war. In der saßen gleich vier Junge. Kischka steckte sie in einen Eimer und hängte diesen in den Baum mit der Hoffnung, Altvögel würden die Kleinen weiter füttern. Zur Sicherheit informierte der Bislicher den Naturschutzbund. Peter Malzbender, Vorsitzender der Kreisgruppe Wesel, holte das Quartett ab, damit kein Steinmarder es aus dem Eimer angelt. Mittlerweile sind alle vier Steinkäuze groß, stark und wieder in der freien Natur.

Malzbender hat in der Rolle der Käuzchen-Mutter einiges mitgemacht. Gut zwei Wochen hat er die Jungvögel in seiner Wohnung beherbergt und gefüttert. Mit Tiefkühlkost in Form von Mäusen und Eintagsküken. Die mussten nach dem Auftauen mit dem Messer zerkleinert und dann mit der Pinzette verfüttert werden. "Jede Nacht wenigstens drei mal", schildert der Nabu-Chef jetzt bei der Auswilderung der Waisen in der Natur-Arena Auf dem Mars in Bislich. Drei putzmuntere Steinkäuze konnte er hier in die Freiheit fliegen lassen. Der vierte im Bunde hatte sich selbst aus dem Staub gemacht. Vermutlich durch ein Rattenloch auf der Greifvogelstation auf dem Gelände der Schill-Kaserne in Blumenkamp, die nach der Aufpäppelungskur bei Malzbender zur Kinderstube und zum Trainingsgebiet für die Nachtjäger wurde. Witzigerweise und zum Erstaunen der Naturschützer hatte der Ausgebüxte seine Geschwister noch einmal besucht, war aber am Morgen vor deren Freilassung schon wieder weg.

Malzbender ist sicher, dass alle vier Käuzchen nun fit genug sind. Der Ausreißer hat's bewiesen. Die in Bislich ungestüm losbrausende Truppe erregt unmittelbar Aufregung unter ansässigem Gefieder. Malzbenders Freude hat gute Gründe. In NRW gibt es mehr als 5000 Steinkauz-Brutreviere. Das macht etwa 70 Prozent des Bestandes in ganz Deutschland aus. Drei Viertel der NRW-Population brüten am Niederrhein. Allein in Bislich sind mehr als zehn Paare bekannt. Deshalb spricht der Nabu-Vorsitzende auch von einer "nationalen Verantwortung". Die Ortsgruppen sprechen immer wieder Obstwiesenbesitzer an, das Steinkauz-Projekt zu unterstützen. Nisthöhlen sind eine Möglichkeit. Ebenso trägt Schafbeweidung zum Erfolg bei. So auch an der Naturarena, wo gerade eine Herde die Wiese gedüngt hat.

Video: www.facebook.com/rp.wesel/

Quelle: RP
 
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