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Wesel
Stoßstange vor der Baustelle im Rhein

Wesel: Stoßstange vor der Baustelle im Rhein
Wie hoch die Dalben im Rhein tatsächlich sind, kann sich jeder klarmachen, der sich die beiden Arbeiter ganz vorne im Bild anschaut. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Die 35 Dalben zur Sicherung des rechtsrheinischen Brückenpfeilers sitzen im Flussbett. Aber bevor er weiter abgerissen werden kann, muss der Wasserstand sinken, um die Querriegel der "Leitplanke" montieren zu können. Von Fritz Schubert

Voreilige dachten schon, das Werk sei getan. Nichts war mehr zu sehen vom rechtsrheinischen Pfeiler der alten Rheinbrücke. Nur ein paar Dalben ragten aus dem Wasser. Das hatte allerdings zu Ostern einen rechten hohen Stand. Der Spundwandkasten samt Pfeilerstumpf darin war schlicht überspült. Nun sinken die am Weseler Pegel gemessenen Werte wieder. Für eine Fortsetzung der Abbrucharbeiten reicht es noch nicht. Braucht es auch nicht, denn besagter Kasten, muss noch weiter gesichert werden. Dafür ist unterdessen ein wichtiger Schritt getan worden. Die zwei letzten der insgesamt 35 Dalben konnten gerade von der Firma Hülskens ins Flussbett eingerüttelt werden.

Die aus dem Rhein filigran aufragenden Stahlrohre haben bei näherer Betrachtung beeindruckende Maße: Die zwölf schräg zu Berg weisenden Stücke haben jeweils 1,20 Meter Durchmesser mit einer Wandstärke von gut 3,5 Zentimeter. Bei 28 Meter Länge bringt ein Rohr satte 29,5 Tonnen auf die Waage und reicht als Ladung für einen Lkw. Die 23 parallel zur Fließrichtung gesetzten Rohre sind etwas kürzer und leichter konstruiert, wiegen aber immer noch 20 Tonnen pro Stück. Sie dienen im Ernstfall als Gleitwand, während die großen Brüder künftig als Aufprallfläche fungieren: Sollte ein zu Tal fahrendes Frachtschiff auf Kollisionskurs sein, wird es wie von einer Stoßstange oder Leitplanke gebremst und abgelenkt. Dafür müssen die zwölf Dalben noch stählerne Querriegel bekommen, die bereits am Ufer lagern. Es geht um fünf Reihen übereinander, die nur von unten nach oben montiert werden können. Deshalb muss zunächst der Wasserstand stimmen. Gestern lag der Pegel einen guten Meter über dem Wert von 2,80 Meter, der dafür benötigt wird.

In frühestens zwei Wochen, so Frank Meier vom Landesbetrieb Straßen, könne mit der Montage der Querriegel begonnen werden. Das dauere dann noch mal etwa zehn Wochen. Dann könne der Abriss weitergehen. Parallel zum Zerkleinern und Abtransportieren des Basalt-Mantels und des Betonkerns wird dann auch wieder der Kies entfernt, mit dem der Spundwandkasten aufgefüllt worden war (RP berichtete mehrfach). Immer vorausgesetzt, dass kein Hochwasser für einen Baustopp sorgt. Gerade haben Mitarbeiter der Abriss-Firma Jaeger Umwelt und Verkehr (Bernburg) angefangen, den Kasten leerzupumpen, aber mehr können sie derzeit nicht tun.

Insgesamt gestaltet sich der Abbau der alten Weseler Rheinbrücke deutlich langwieriger, als es ursprünglich mal gedacht worden war. Seit 2011 ist Straßen NRW damit befasst. Der Abriss der Vorlandbrücke bei Büderich sowie die Demontage und der Verschub der alten Brücke waren nur einige der spektakulären Ereignisse aus dieser Zeit.

Wichtig für die Berufsschifffahrt bleibt, dass der rechtsrheinische Alt-Pfeiler endlich aus der Stromkurve am Knotenpunkt Wesel (Häfen, Kanaleinfahrt etc.) herauskommt. Der Abriss des linksrheinischen Pfeilers kann dann in Ruhe folgen. Und wenn der weg ist, dann können an der neuen Brücke auch endlich die noch fehlenden Radarausleger montiert werden, die bereits beim Wasserschifffahrtsamt lagern. Einer davon wird am Pylon zudem die Scheinwerfer tragen, die der nächtlichen Brücken-Illumination den letzten Akzent geben.

Quelle: RP
 
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