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Hamminkeln
Streitbare Kunst im Hamminkelner Rathaus

Hamminkeln. Egbert Hense ist ein freundlicher Mann. Lächelnd erläutert er seine Bilder, die anders sind, als sein geduldig aufklärender Tonfall erwarten lässt. Sie sind ambitioniert und streitbar, denn in ihre ästhetische Wirkung verpacken sie eine kritische Sicht auf die Welt und den deutschen Alltag. Nicht umsonst heißt die Ausstellung im Rathaus "Gesellschaft im Spiegel". Das klingt etwas streng und schulmeisterlich - was kaum überrascht. Schließlich verdient der nach kurvigem Lebenslauf im Ruhrgebiet in Hamminkeln angekommene Egbert Hense sein Brot als Kunstlehrer. Bei aller vermittelten Botschaft haben seine 21 zu sehenden Ölbilder auch eine gewisse spielerische Leichtigkeit. Der 59-Jährige erzählt Geschichten, mal mit feinem, mal temperamentvollem Pinselstrich, etwa zum Thema Flucht oder Umweltzerstörung. Einem großformatigen Orang-Utan, einem sympathischen, weggesperrten "Waldmenschen", macht sie das (Über-)Leben schwer.

Egbert Henses Bilder sind plakativ und comichaft, sie sind irritierender Realismus, ebenso provozierend wie herausfordernd. Auf diese Bildwelt hat der Betrachter direkten Zugriff, man nimmt wahr, was der Künstler dort erzählt. Weil die Motive vielschichtig sind, kann man sich mit den bildnerischen Inhalten länger beschäftigen, es gibt viele Details und häufige Anspielungen zu entdecken. Über den in der dunklen Tiefe dümpelnden "Quastenflossern" tobt am sicheren Land eine ganze Galerie kurioser bis gedankenlos wirkender Gestalten. Sie sind jede für sich - und teils als bekannte Figuren zu erkennen - in ihrem oberflächlichen Verhalten gefangen. Sie werden längst weg und vergessen sein, während die urtümlichen Quastenflosser ewig existieren.

Das Thema Flucht hat den Künstler ebenfalls sehr bewegt. Im Bild "Akin" beschreibt er sein Zusammentreffen als Lehrer mit einem syrischen Flüchtlingsjungen, der kein Wort Deutsch sprach. Als er ihm einen Malkasten gab und der Junge die ersten Farben aufs Papier brachte, leuchteten seine Augen. Doch auf dem Kunstwerk sitzt der Junge vor düsterer Kriegskulisse auf einer Bombe, sein Mund ist zugenäht. Und trotzdem nennt es Hense ein "hoffnungsvolles Bild" - denn das bemalte Blatt Papier scheint zu leuchten.

Die Ausstellung von Egbert Hense im Rathaus ist bis zum 28. September zu sehen.

(thh)
 
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