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Wesel
Stromtrasse quert den Rhein bei Wesel

Wesel. Amprion setzt auf Erdkabel und will die Akzeptanz für die Gleichstromleitung A-Nord erhöhen. Ziel: Baustart 2020. Von Thomas Hesse

Der Netzausbau für die Stromautobahnen von Nord nach Süd geht in die nächste Phase. Die Amprion GmbH aus Dortmund konkretisierte gestern die Planungen für die neu zu bauende Trasse A-Nord - sprich: Das Unternehmen geht in eine intensive Dialogphase, um die bestmögliche Verbindung zwischen den Netzverknüpfungspunkten Emden Ost an der Nordsee und Osterath im Rheinland herauszufinden. Vorwiegend soll die 300 Kilometer lange Strecke, eine der drei Hauptschlagadern der Energiewende, als Erdkabel verlaufen. Geplante Trassenkorridore bestehen bereits, die werden nun in einem abgestuften System in vielen Gesprächen mit Behörden, Bürgermeistern und Bürgern verfeinert.

2020/21 soll Baubeginn sein, 2025 soll die Stromautobahn in Betrieb gehen. Das ist auch für den Niederrhein bedeutend. Denn die Super-Trasse soll bei Wesel den Rhein unterqueren. "Dies ist die anspruchsvollste Herausforderung und wird ein Meilenstein", sagte Projektleiter Klaus Wewering.

Wo genau weiß derzeit aber niemand. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Vorgesehen für die Unterquerung des Flusses ist der Abschnitt zwischen Wesel und Moers-Utforth. Ausgangspunkt der Überlegungen ist das Umspannwerk an der Lippe in Obrighoven, das als Knotenpunkt für die neuen Trassen dienen soll. Wechselstromleitungen sammeln den Windstrom aus dem Norden ein und liefern ihn über Gleichstromverbindungen Richtung NRW. Der Fluss der Energie beginnt und endet an Konvertern, vergleichbar mit Steckdosen am Leitungsende, mit deren Hilfe der Strom wieder umgewandelt wird. Die sollen für A-Nord in Osterath oder in Kaarst stehen, sind aber höchst umstritten. "Der Standort ist aus technischer Sicht nicht entscheidend, wohl aber der Zeitpunkt der Entscheidung", sagt Wewering. Das hat Auswirkungen auf Wesel.

Hier sieht man die Energiewende, denn die Umspannanlage an der Lippe ist in den letzten vier Jahren für die Starkstromtrasse runderneuert und leistungsfähiger gemacht worden. Deshalb ist naheliegend, dass die Energie-Autobahn ganz in der Nähe den Rhein queren wird. Wie die Umsetzung letztlich aussieht, hängt vom Verfahrensstand der sechs laufenden Erdkabelprojekte ab. Während A-Nord nun in die Offensive geht, hakt es bei "Niederrhein-Osterath" wegen gerichtlicher Verfahren. Beide Trassen-Projekte könnten die Rheinquerung gemeinsam nutzen, doch die Planungsunsicherheiten verzögern die Entwicklung. Daraus hat Amprion gelernt, und das Ziel ist höchste Transparenz und Akzeptanz für das 5,5-Millarden-Projekt.

Wewering kündigte an, sich zuerst bei Kommunen und Behörden ein Bild zu machen. Dann werde es "Dialogformate mit Bürgern und Trägern öffentlicher Belange" geben, eine Umfeldanalyse gehe voran. Die Ortskenntnisse und Forderungen sollen in das Schlusskonzept einfließen. Dabei geht es um Trassenkorridore, für die Anfang 2018 der Antrag gestellt werden soll.

Quelle: RP
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