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Niederrhein
Studenten untersuchen Kriegsalltag

Niederrhein. Der Erste Weltkrieg spielte sich nicht nur dort ab, wo Armeen operierten und Schlachten geschlagen wurden - auch im Ruhrgebiet und am Niederrhein war er spürbar. Elf Geschichtsstudierende der Universität Duisburg-Essen (UDE) gingen auf Spurensuche und durchforsteten die Archive ihrer Heimatstädte. Projektleiter Prof. Dr. Frank Becker: "Sie förderten dabei viele neue Informationen zum Kriegsalltag an Rhein und Ruhr zutage."

Der Sammelband beleuchtet unter anderem, wie der Kriegsbeginn vor 100 Jahren in der Duisburger und Gelsenkirchener Tagespresse aufgenommen wurde. Dass sich die Kriegsbegeisterung der Essener im Vergleich zur veröffentlichten Meinung in Grenzen hielt, ist ebenso Thema wie die Alltagsbewältigung an der niederrheinischen Heimatfront oder das Gefallenengedenken im Raum Duisburg. So wird beispielsweise aufgezeigt, dass die Stimmung in Essen zu Kriegsbeginn eher ernst und gefasst war.

Wenn man sich vor Zeitungsredaktionen versammelte oder auf die Straße ging, dann deshalb, um sich über die politischen Ereignisse zu informieren. Der Krieg wurde für unausweichlich gehalten, und man fürchtete die zu erwartenden Verluste. Dass sich der Kriegsbegeisterungs-Mythos dennoch so lange halten konnte, liegt auch daran, dass er später propagandistisch genutzt wurde. Je länger der Krieg dauerte, desto monströser wurde die Zahl der Gefallenen. Prof. Becker: "Beinahe jede Familie hatte einen Toten zu beklagen, viele wurden direkt auf den Schlachtfeldern beigesetzt." Für die wenigen überführten Kriegstoten und verstorbenen Verwundeten wurde zum Beispiel ein sehenswerter Ehrenfriedhof am Duisburger Kaiserberg angelegt. Hier wurden 800 meist junge Menschen beerdigt und eine von Wilhelm Lehmbruck (1881 bis 1919) geschaffene Figur aufgestellt. Der "Sitzende Jüngling" wirkt tragisch-erschöpft und ist frei von der in solchen Fällen üblichen Heldenverehrung. Vermutlich wurde sie deshalb später entfernt. Heute befindet sich die berühmte Lehmbruck-Skulptur im Lehmbruck-Museum.

Quelle: RP
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