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Schermbeck
Syrerinnen erzählen von ihrer Flucht

Schermbeck: Syrerinnen erzählen von ihrer Flucht
Die Syrerin Riham Sabbagh berichtete über ihr Heimatland, ihre Flucht über den Balkan und ihren bisherigen Lebensweg in Deutschland. FOTO: Scheffler
Schermbeck. Riham Sabbagh und Marah Alasaad waren an der Gesamtschule zu Gast. Sie arbeiten mit am Projekt "Life back Home". Von Helmut Scheffler

Was bedeutet es, aus einem Land zu fliehen, in dem Krieg, Hunger und Unsicherheit den Alltag bestimmen? Wie fühlt es sich an, in einer Gesellschaft anzukommen, in der es andere Wertevorstellungen und Lebensbedingungen gibt? Wie geht man damit um, wenn man in Deutschland angekommen ist? Antworten auf diese und ähnliche Fragen erhielten gestern Morgen in der Gesamtschule die beiden Geschichtskurse der EF von den syrischen Flüchtlinge Riham Sabbagh und Marah Alasaad hielten. Die beiden jungen Frauen arbeiten an dem Projekt "Life back Home" mit, das entwicklungspolitische und antirassistische Bildungsarbeit in Schulen mit den Themen Flucht und Migration verbindet.

Die 29-jährige Riham Sabbagh wuchs in Aleppo in einer Akademikerfamilie auf. Sie studierte Englisch und unterrichtete anschließend in diesem Fach, bis der Krieg in Syrien ausbrach. Anhand zahlreicher Fotos zeigte sie den Gesamtschülern, wie der Krieg die Lebensbedingungen ihre Heimatortes veränderte, wie sie im Jahre 2013 an der Universität eine schreckliche Bombardierung miterlebte und wie sie im Elternhaus ebenfalls bombardiert wurde. Die Familie entschloss sich zur Flucht in den Libanon.

Riham Sabbagh schilderte den weiteren Fluchtweg in die Türkei, mit einem Gummiboot nach Griechenland und per Bus und Zug über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien nach Österreich. Nach einem zweitägigen Aufenthalt in Österreich gelangte sie über München, Frankfurt, Witten, Dortmund und Münster nach Viersen und schließlich nach Ochtrup, wo sie an der VHS als Übersetzerin zwischen englisch- und arabischsprechenden Menschen eingesetzt wurde, an einer Realschule ebenfalls als Übersetzerin fungierte und an der St.-Lambertus-Bücherei ein Praktikum absolvierte.

Die 22-jährige Marah Alasaad lebte bis zu ihrer Flucht in Damaskus, der ältesten Hauptstadt der Welt. "Syrien vor dem Krieg war für viele Leute eine Geschichte von Glück, Verständnis und Liebe", fasste sie in gut verständlichen deutschen Formulierungen das Leben in ihrer Heimatstadt vor dem Krieg zusammen. Marah Alasaad wohnte mit ihrer Schwester und ihrem Stiefbruder im Haus ihrer geschiedenen Mutter.

Sie studierte zwei Jahre lang an der Universität, arbeitete parallel dazu in einer Apotheke. Sie erlebte mit, wie ihre Mutter als Journalistin durch die im Lande gewachsene Meinungsunfreiheit so unter Druck geriet, dass sie den Beruf aufgab und ein Geschäft eröffnete.

Atemlose Stille herrschte unter den Zuhörern, als Marah Alasaad von den kriegsbedingten Veränderungen ihrer Stadt berichtete, die Ereignisse des 6. August 2013 schilderte, als ihre beste Freundin Raghad von einer Autobombe tödlich getroffen wurde. "Wir wussten nicht, wer da gegen wen kämpfte", beschrieb Marah Alasaad die Kämpfe unterschiedlicher Gruppen gegeneinander. Die Bombardierung der Universität, die das Leben vieler ihrer Mitstudierenden beendete, gab den letzten Anstoß zur Flucht, die ihrer Mutter finanzierte. Mit 19 Jahren machte sie sich vor drei Jahren auf den Weg von Syrien über den Libanon, die Türkei und Griechenland, über Ungarn und Österreich nach Deutschland.

Sie schilderte die Fahrt in einem Viehtransporter und die Fahrt mit einem Schlauchboot über die Meerenge vor der Türkei, berichtete über schreiende und ertrinkende Menschen in drei weiteren Booten, über tagelange Märsche durch Mazedonien und von der Begegnung mit ungarischen Menschen, denen jedes Mitgefühl gefehlt habe. "Das war wie ein Traum", beschrieb Marah Alasaad den Moment ihrer Ankunft in Deutschland. In Aachen erlernte sie die deutsche Sprache. Nach Aufenthalten in Dortmund, Köln und Aachen kam sie nach Ostbevern (Kreis Warendorf).

Quelle: RP
 
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