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Niederrhein
Tausend und eine Flaschenpost im Museum

Niederrhein: Tausend und eine Flaschenpost im Museum
Nur ein kleiner Ausschnitt: Insgesamt hat der Künstler Joachim Römer 1000 Flaschen mit unterschiedlichen Botschaften ausgestellt. FOTO: Reichwein
Niederrhein. Eine aufwendige, interessante und oft auch berührende Ausstellung ist im Binnenschifffahrtsmuseum Duisburg eröffnet worden: Der Künstler Joachim Römer präsentiert stets einzigartige Fundstücke. Von Peter Klucken

Es gibt Künstler, die kriegen den Mund nicht auf und überlassen es dem Betrachter, sich seinen Teil angesichts der Kunstwerke zu denken. Der Kölner Künstler Joachim Römer dagegen könnte, wie er selber gesteht, stundenlang über die Ausstellung sprechen, die am Sonntag im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg- Ruhrort eröffnet wurde. Das liegt nicht unbedingt an der Redseligkeit Römers, sondern an den Ausstellungsstücken, die ganz anders sind als alles, was man bislang in einem Museum besichtigen konnte.

Joachim Römer (Jahrgang 1957) sammelt seit 1998 Flaschenposten aus dem Rhein. Mit einer langen Pinzette zieht er die Schriftstücke aus der Flasche heraus, entziffert die Textinhalte und schreibt sie auf. Dann reinigt er die Flaschen, steckt die Schriftstücke zurück und verschließt die jeweilige Flasche wieder. Im Laufe der Jahre hat Römer rund 1500 Flaschen an den Ufern des Rheins gefunden oder sie aus seichtem Wasser gefischt. Für 1000 dieser gefundenen Flaschen hat Römer ein von hinten beleuchtetes Regalsystem gebaut.

Die so entstandene gigantische Flaschenpost-Installation, die der Künstler selber gerne als Skulptur bezeichnet, ist nun im Museum zu sehen. Wobei der Schau-Raum dazu zwingt, die Regale nicht geradlinig, sondern in Bögen aufzubauen. Wie es der Zufall so will, ist nun die Form einer Welle entstanden, besonders passend für die Ausstellung und das Schifffahrtsmuseum.

Sein Projekt sei unplanmäßig entstanden, berichtet Römer. Er habe einst nach Fundstücken am Kölner Rheinufer gesucht. Im Laufe der Zeit habe er immer mehr Flaschen gefunden. Besonders nach Silvester sei die "Ausbeute" stets sehr groß gewesen. Beim Entziffern der in den Flaschen bewahrten Botschaften sei ihm aufgegangen, dass er es mit einem "wachsenden Buch der Poesie des Lebens" zu tun bekomme.

Das Besondere an der Flaschenpost ist, dass der Absender sich an einen unbekannten Empfänger wendet. Wobei diese Beschreibung oft nicht ganz richtig ist. Neben der häufigen Anrede "Lieber Finder" wählten viele Flaschenpost-Schreiber auch Formulierungen wie "Lieber Vater Rhein". Römer: "Nicht wenige Menschen benutzen den Fluss als übergeordnete Instanz, als symbolischen Strom des Lebens und Sterbens, um ihm ihre Nöte, Ängste, Träume oder Glücksgefühle anzuvertrauen; manchmal wenden sich die Absender an den Fluss stellvertretend für das Universum." Was Römer in Flaschen gelesen hat, ist vielfältig. Darunter ist Spielerisches wie Texte und Bilder von Kindern, aber auch Sentenzen zu Hochzeiten oder anderen festlichen Ereignissen. Manchmal enthalten Flaschen auch Verwünschungen, die dem Rhein anvertraut werden: halb versenkt, halb schicksalhaft aufbewahrt.

Viele Flaschenpost-Botschaften erinnern an die Einträge, die man in Büchern findet, die für Gläubige in Kirchen ausliegen. Er habe Flaschenpost-Briefe gefunden, die ihn sehr gerührt hätten, berichtete Römer gestern. Darunter Bitten von einer schwerer Krankheit erlöst oder von der Angebeteten erhört zu werden.

Etwa ein Viertel der Flaschen hätten, so Römer, tatsächlich Absender. Fast allen habe er geantwortet. Es sei deshalb damit zu rechnen, dass einige der Absender die Ausstellung besuchen werden.

Ein kleines Geheimnis liegt im Ausstellungstitel "Tausend und eine Flaschenpost", der an die berühmte Märchensammlung erinnert. Aber: In der Ausstellung sind tatsächlich nur 1000 Flaschen zu sehen. Dazu sagt Römer: "Wo ist die eine, die tausendunderste? In Ihrem Kopf vielleicht? Oder in meinem? Noch im Fluss? Noch gar nicht geschrieben?"

Ausstellung bis 16. Mai. Die Ausstellungsbroschüre mit den Texten (ohne Absenderangaben) kostet fünf Euro.

Quelle: RP
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