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Hamminkeln
Teppich-Posse im Rathaus

Hamminkeln: Teppich-Posse im Rathaus
Braun in braun - so präsentiert sich der Ratssaal in Hamminkeln. Dass er aus dem Jahr 1982 stammt, ist also zumindest farblich deutlich zu erkennen. FOTO: Malz
Hamminkeln. 25.000 Euro - so viel soll ein neuer Teppich für Hamminkelns Ratssaal kosten. Über die Notwendigkeit und Nicht-Notwendigkeit dieser Anschaffung und eine Tiefenreinigung als Alternative diskutierten die Ratsmitglieder. Ein paar Beobachtungen. Von Thomas Hesse

Die Stunde der Populisten schlug mal wieder im Hamminkelner Rat. Dort wird kräftig saniert, vor allem wegen neuer Computertechnik in digitalisierten Zeiten. Mehr als 750.000 Euro stellt die Stadt deshalb bereit, ergeben sich weitere Maßnahmen, liegen noch 200.000 Euro im Topf. Wenn der von der Grundsteuererhöhung gebeutelte Bürger solche Ausgabenneigung sieht, schaut er doppelt scharf hin. Das kommt auch manchem Ratspolitiker zu Ohren, und dann schaut der auch genau hin und entdeckt den Teppich im Ratssaal, über den Fraktionen seit Jahrzehnten achtlos wandeln.

Offensichtlich hatte im Rat Johannes Flaswinkel (Grüne) zu seinen Füßen geblickt und diesen zeitlos mattbraunen Untergrund mit dem dezenten Karomuster einer Schnellblickprüfung unterzogen. "Der Austausch muss nicht sein, man kann 25.000 Euro sparen. Das können wir nächstes Jahr erledigen, wenn der Teppich auf ist", sagte er. "Wir stimmen jetzt schon über Teppiche ab", schwante dem belustigten Bürgermeister Bernd Romanski, der zuvor eine knallharte Debatte über Begegnungsstätten für Flüchtlinge erlebt hatte.

Neben der (nicht gestellten) Frage, ob denn ein neuer Teppich wirklich 25.000 Euro kosten muss, gab es reichlich Tipps. "Ich als ältere Hausfrau frage mich, ob der Teppich schon mal intensiv gereinigt worden ist", erkundigte sich Elke Neuenhoff (FDP). Es gebe da Mittel und Maschinen mit Tiefenwirkung. Erstaunlicherweise war der Bürgermeister fit im Hausmannsthema und wusste: "Ja, hier waren schon Spezialfirmen."

Das interessierte Dr. Dieter Wigger (CDU) kein bisschen. Er denkt repräsentativ. "Der Ratssaal ist die gute Stube Hamminkelns. Und wenn schon mal die Handwerker im Haus sind ..." So würde es jeder häusliche Renovierer machen, das stimmt. Ziemlich gallig reagierte Jörg Adams (SPD), gerne mal verbaler Nachtreter: "25.000 Euro - die CDU will also lieber einen Teppich als eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge." Er meinte das tatsächlich ernst.

Dann kam heraus, dass besagter Teppich schon seit dem Jahr 1982 dort liegt. Dafür sieht er wirklich ordentlich aus, eben Qualität aus alten Zeiten. Aber wer würde zu Hause solch ein Schätzchen weiter durchtrampeln wollen?

So scheiterte die SPD mit ihrem wirklich gestellten Antrag, gegen den neuen Teppich im Ratssaal zu stimmen. Da kann man froh sein, dass niemand nach dem geschmackvollen Muster des künftigen Textils gefragt hat. Das wäre mal eine Debatte wert ...

Quelle: RP
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