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Wesel
Theo van Gelder Klinikseelsorger

Wesel: Theo van Gelder Klinikseelsorger
Dr. Theo van Gelder hat seine Ausbildung zum Krankenhausseelsorger im St.-Franziskus-Hospital Münster beendet und rollt nun weiterhin als Seelsorger mit seinem E-Mobil über die Flure der Klinik. FOTO: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann
Wesel. Der 52-Jährige aus Büderich hat seine Ausbildung erfolgreich absolviert und bleibt in Münster.

Der rollende Seelsorger, so nennt ihn sein Kollege und Krankenhauspfarrer Pater Gisbert Schütte flapsig. Vor Patienten greift Dr. Theo van Gelder seine Gehbehinderung, die er von Geburt an hat, selbst auf: "Ich sage immer: Ich komme mit dem Herzen zu Ihnen, mit den Beinen würde es länger dauern." Für die Menschen da sein - das ist Aufgabe des 52-Jährigen aus Büderich. Drei Jahre hat er im St.-Franziskus-Hospital in Münster den Beruf des Krankenhausseelsorgers erlernt. Zum 1. August hat er seine Ausbildung abgeschlossen und rollt nun weiterhin mit seinem E-Mobil als katholischer Seelsorger durch die Flure des Krankenhauses.

"Ich habe mir früher nie vorstellen können, beruflich etwas Frommes zu machen", sagt van Gelder zurück. Als Sohn der bekannten Gastwirtsfamilie in Büderich wuchs er inmitten eines turbulenten Betriebsalltages auf. Davon zeugt auch seine direkte und offene Art, zu sprechen. "Meine Eltern haben immer darauf geachtet, dass ich trotz meines Handicaps mittendrin statt nur dabei war", erzählt er. Nach dem Abitur begann er eine Lehre zum Industriekaufmann und wollte Betriebswirtschaft studieren. Schon während der Lehre merkte er: "Der Beruf passt nicht zu mir, die Arbeit ist mir nicht existenziell genug." Der Glaube spielte für ihn schon immer eine Rolle. "Er hat mich getragen und meiner Familie und mir immer Halt im Leben gegeben", sagt er. So reifte in ihm die Idee, seine Lebenshaltung zum Beruf zu machen.

Nach abgeschlossener Lehre begann er ein Theologie-Studium in Regensburg. Doch noch während des Studiums starb 1993 sein Vater. Von da an kümmerte er sich gemeinsam mit seiner Mutter um die Führung des elterlichen Betriebs. "Da wusste ich, warum ich Industriekaufmann gelernt habe", sagt er. Parallel dazu beendete er sein Theologie-Studium und promovierte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster zur Frage "Wer ist der Mensch vor dem Hintergrund von Evolution und Naturalismus?". In dieser Zeit engagierte er sich im Polderdorf als Vorsitzender des damaligen Pfarrgemeinderates St. Peter. 2014 nahm er die Ausbildung zum Pastoralreferenten in der Krankenhausseelsorge auf. "Als man mir die Stelle in der Krankenhausseelsorge angeboten hat, war das totales Neuland für mich", sagt van Gelder.

Unsicher habe er sich gefühlt. "Ich wusste ja nicht, wie die Patienten auf jemanden reagieren, der selbst beeinträchtigt ist." Heute weiß er, dass sein Handicap oft Türöffner ist. In der Onkologie und Kardiologie besucht er Patienten als sogenannter aufsuchender Seelsorger. "Das bedeutet, dass ich erst den Stützpunkt in der Mitte der Station aufsuche und die Schwestern mir dort sagen, wem ihrer Meinung nach mein Besuch guttun würde", erklärt van Gelder. Meist sei die Einschätzung richtig, manchmal stelle sich heraus, dass der Bettnachbar lieber mit dem Seelsorger sprechen möchte. Natürlich kommen van Gelder und seine fünf katholischen und evangelischen Kollegen auch auf Bitte ans Bett eines Patienten. "Ich weiß nie, welcher Gesprächspartner auf mich wartet", sagt er.

Für den Krankenhausseelsorger steht stets der Mensch im Mittelpunkt. "Ich begegne den Menschen in einer Notsituation. Sie fühlen sich schlecht, die Privatsphäre ist nur noch eingeschränkt vorhanden - da reagiert jeder anders." Doch der 52-Jährige hat nicht nur Patienten, sondern auch Mitarbeiter im Blick. "Auch die Schwestern, Pfleger und Ärzte haben Not im Berufsalltag, sie werden mit Menschen konfrontiert, die sterben", sagt er.

Seit einigen Monaten sammelt er auch Erfahrungen im System Krankenhaus. So arbeitet er im klinischen Ethikkomitee mit und hat einige Stunden in der Schule für Gesundheitsberufe unterrichtet. "Man wundert sich, mit welchen existenziellen Fragen sich junge Menschen schon beschäftigen", zeigt sich van Gelder beeindruckt. "Wenn ich am Bett eines jungen Menschen sitze, der sterbenskrank ist, ist das eine Herausforderung für mich", sagt er. Kraft sammelt er im Gebet in der hauseigenen Kapelle, wo er für jeden Verstorbenen und Kranken, den er begleitet hat, eine Kerze anzündet. "Ich selbst kann nur meine Zeit und mein Herz schenken, aber eben das kann ich tun."

(pbm/acl)
 
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