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Wesel
Jugend am Niederrhein als Comic-Buch

Tobias Dahmen zeichnet Jugend am Niederrhein als Comic-Buch
In dem Comic erzählt Tobias Dahmen (Foto unten) seine eigene Geschichte, eine Geschichte der Jugend am Niederrhein in den 80er und 90er Jahren mit Partys, Schule und Rollerfahren. FOTO: Dahmen / Foto: privat
Wesel. Heimat gezeichnet erleben: Tobias Dahmen ist Illustrator und hat einen Namen in der Zeichenszene. Jetzt hat er sich einen Traum erfüllt und eine autobiografische Bilder-Geschichte über seine Jugend rund um Wesel veröffentlicht. Von Sebastian Latzel

Seit 2008 wohnt Tobias Dahmen in Utrecht. Das ist sein Zuhause, dort lebt er mit seiner Familie. Seine Heimat allerdings ist der Niederrhein geblieben. Das wird ihm eigentlich erst jetzt so richtig bewusst. "Was Heimat bedeutet, das merkst du erst, wenn du weg bist. Wenn du dich fragst: Warum bist du damals eigentlich weggegangen?" In Wesel hat der 44-Jährige seine Kindheit verbracht, die Jugend, die Schulzeit – und hat seine Erfahrungen vom Erwachsen-Werden in eine ganz eigene Form gepackt: in einen Comic.

Seit acht Jahren zeichnete Tobias Dahmen an der autobiografischen Geschichte, die sein Leben, aber auch das der Mod-Szene am Niederrhein in Bildern erzählt. Das Phänomen "Mod" ist vor allem durch den Film "Quadrophenia" zum gleichnamigen Album der Rockband "The Who" bekannt geworden. Der Streifen, in dem auch Rock-Sänger Sting mitspielt, gibt einen tiefen Einblick in die ursprünglich britische Szene, die durch Parkas, Roller und eben die Musik geprägt wird.

Tobias Dahmen ist seit vielen Jahren Teil der Szene, versuchte sich auch einmal an einem Quadrophenia-Comic, verwarf die Idee aber, um stattdessen seine eigene Geschichte in Bildern zu erzählen. Er beschreibt in dem Comic, wie er Teil der Szene wurde, wie fasziniert er von der Musik, der speziellen Mode oder den stilprägenden Rollern war und doch selbst nie einen besessen hat. "Fahrradmod" hat Tobias Dahmen das fast 500 Seiten dicke Comic-Schwergewicht daher auch selbstironisch betitelt. Anspielung darauf, dass er mit dem Drahtesel zu den Partys kam und eben nicht auf einer chromblitzenden Vespa.

Wer in dem Buch blättert, wird automatisch in den eigenen Erinnerungen blättern. Weil man selbst in Wesel aufgewachsen ist und dort die Schniedelwutz-Rocknächte im Jugendheim Obrighoven miterlebt hat oder regelmäßiger Gast in der Rockdisco "Post" war. Wer Teil der Szene war, wird sich ohnehin wiederfinden in Bildern von Partys, Konzerten oder Fahrten nach England, um dort Schuhe oder Anzüge zu kaufen.

Das Comic zeigt, wie sich Jugend hier in den 80er und 90er Jahren abgespielt hat. "Das war eine Zeit, als Musik noch nicht ständig verfügbar war", erläutert Dahmen, der in dem Buch auch zeichnete, wie er den Atem anhielt, um eine möglichst perfekte Mikrofonaufnahme aus dem Radio von "Mal Sandocks Hitparade" hinzukriegen. Auch daran werden sich viele aus gleicher leidvoller Erfahrung erinnern. Dahmen investierte sein Taschengeld, um Platten zu kaufen, sich mit anderen zu treffen, um die Alben zu hören und Mix-Tapes aus den Songs zu machen.
Das Comic sei eine Herzblutgeschichte gewesen, sagt Dahmen. Einzelne Episoden hatte er immer mal wieder gezeichnet. Positive Reaktionen waren der Anlass, es mit einer Langfassung zu probieren.

Für Dahmen ist es ein Glücksfall, dass der renommierte Carlsen-Verlag ihm die Chance gab, seinen Comic-Traum zu verwirklichen. "Ich wollte die Zeit abbilden", sagt Tobias Dahmen. Das ist ihm offenbar gelungen. Denn es gab Reaktionen, mit denen er nicht gerechnet hat. "Auch Punks und Hip-Hopper haben mir gesagt, dass sie sich hier wiederfinden."

Den Soundmix zum Buch finden Sie hier. 

Quelle: RP
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