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Hamminkeln
Tollkühne Kisten rollen durch Dingden

Hamminkeln: Tollkühne Kisten rollen durch Dingden
Beim Dingdener Bergrennen an der Krechtinger Straße war Manfred Siebel mit seinem Boot ein absoluter Blickfang. Daneben gab es unterem auch noch eine fahrende Badewanne. FOTO: ROOS
Hamminkeln. Wenn Familie Belting zum Seifenkisten-Rennen in Dingden lädt, gehen die verrücktesten Kisten an den Start

Bereits zum sechsten Mal rief Familie Belting die Dingdener am Samstag zum Bergrennen - und dem Ruf folgten viele. Eiserne Bergrennen-Regel: Das Gefährt darf keinen eigenen Antrieb haben. Insgesamt 18 Mobile gingen an den Start, fünf wurden von Kindern gelenkt, 13 von Erwachsenen. Doch den meisten ging es hier weniger um den Sieg, vielmehr stand der Spaß am Bau des Fahrzeugs und die Inszenierung beim Rennen im Vordergrund. Für das "klassische" Modell Seifenkiste, hatten sich die Hamminkelner Pfadfinder St.Georg entschieden, die in diesem Jahr erstmals an den Start gingen. Bereits im Mai hatten die neun Kinder, unterstützt von zwei Erwachsenen, mit dem Bau begonnen und in letzter Minute "einen Tag vor dem Rennen" konnte das Gefährt fertig gestellt werden. Dabei hatten sie als einziges Team auf Fahrradreifen verzichtet und sich vorbildgetreu, für kleine Räder entschieden. "Wir waren schlecht vorbereitet, weil der Belag hier so grob ist. Da brauchen wir größere Räder", sagte Gruppenleiter Sven Schröder nach der ersten Runde. "Wir versuchen jetzt auf zwei oder drei Kinder aufzustocken, um Gewicht zu gewinnen und die kleinen Räder auszugleichen" - für den Sieg reichte es trotzdem nicht.

Ebenfalls zum ersten Mal dabei war Christian Katharge. "Ich wollte schon mehrere Male mitmachen, bin aber nie dazu gekommen", sagt der 26-jährige. In diesem Jahr holte Freund Christian Körner ihn mit ins Boot, genauer gesagt in die Wanne, denn darauf baute das Fahrzeug der beiden auf: eine Badewanne mit vier Fahrradreifen. Kurzfristig fiel Körner aus, sodass ein Ersatzpilot, Frank Babenerd, mit an den Start gehen musste, denn das Badewannenmobil braucht einen Lenker und einen Bremser. Ein technischer Defekt vereitelte den Sieg für das Team Badewanne. Dennoch waren die beiden ein spaßiger Anblick für die Zuschauer, wie sie, in Bademäntel gehüllt, in ihrer Wanne die 953 Meter lange Strecke hinabfuhren. Ebenfalls kreativ ausgelebt hatte sich Manfred Siebel aus Bocholt. Schon zum zweiten Mal war er dabei und mit 73 Jahren der älteste Teilnehmer. Als Kapitän der "Costa Altlantica" hatte er sich selbst inszeniert, mit Pappe, viel Farbe und Liebe zum Detail ein Boot um das 50 Jahre alte Fahrrad seiner Mutter gebaut. "Ich musste ein windschnittiges Modell haben", erklärt er seine Bootsform, die den Luftwiderstand von vorn ausgleichen sollte. Doch obwohl es dieses Jahr für den Sieg nicht reichte, plant er schon seine Teilnahme im nächsten Jahr: Ein Düsenjet soll es werden. Für Aufsehen sorgte der fünfköpfige Doppelkopfclub um Bernd Abels-Vehns (58). Die Männer gehören schon fast zum Standardinventar des Bergrennens, gingen sie doch bereits zum vierten Mal an den Start. Nach einem Schlauchboot auf Rädern, einem Ben-Hur-Streitwagen und einem Steinzeitauto à la Fred Feuerstein, war ihr Motto: "Elvis lebt!"

Doch so beeindruckend der rote Cadillac auch war, den die fünf in aus schwerem roten Stoff gebastelt und auf das Chassis aufgesetzt hatten, schon in der Vorrunde schieden sie aus. Dabei hatte er alles: im "Kofferraum" eine Musikbox, daneben eine Nebelmaschine, die Auspuffabgase simulierte, und sogar ein kleiner Motor war an Bord. Dass alle fünf Elvis-typische Tollenperücken und Sonnenbrillen trugen, machte ihren Auftritt optisch, perfekt Und so durften sie sich am über den Preis für das kreativste Mobil freuen.

Das Geld, das durch die Verlosung nach dem Rennen zusammenkam, geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an das "Projekt 30" aus Rhede und das Altenheim in Dingden.

(meko)
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