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Wesel
Trauer um ehemaligen KDG-Schulleiter Beckmann

Wesel. Im Alter von 101 Jahren verstarb jetzt Oberstudiendirektor i. R. Helmut Beckmann in Athen. Er war von 1967 bis '79 Leiter des Konrad-Duden-Gymnasiums. Die traurige Nachricht teilte gestern der ehemalige KDG-Schulleiter Heinzgerd Schott mit, der ihn als Schüler kennen- und schätzen gelernt hat.

Auf seine lange Lebenszeit gesehen stellen Helmut Beckmanns zwölf Jahre in Wesel nur eine kurze Episode dar. "Schon bevor er im Sommer 1967 seinen Dienst an der Schule antrat, eilte ihm ein Ruf voraus", erinnert sich Schott. "Er war zuvor acht Jahre Schulleiter der Deutschen Schule in Athen gewesen. Es kam niemand aus Mülheim, Mettmann oder Gelsenkirchen nach Wesel, sondern einer aus Athen. Und in der Tat: Es erschien ein Herr von Welt, ein Grand Seigneur von Statur und Habitus, von Gestik und Diktion. Eine Persönlichkeit, der klassischen Philologie und den Traditionen des Humanismus verbunden."

1916 in Hagen geboren, studierte Beckmann nach dem Abitur Philologie, Archäologie, Philosophie und Germanistik in Breslau und Köln. Nach Lehrerstationen in Wuppertal und Athen landete er vor genau 50 Jahren in Wesel. "Plötzlich musste er sich hier mit Schülern auseinandersetzen, die den Aufstand gegen Establishment, gegen verstaubte Zöpfe und gegen autoritäre Erziehung probten. Damals gab es nicht wenige Abiturienten, die aus Protest gegen die gesellschaftliche Stagnation und gegen die schulische Enge der feierlichen Überreichung fernblieben. Dabei hatte Helmut Beckmann eigentlich nichts gegen abweichlerisches Denken. Er sah sich selbst als Freigeist. Was er verabscheute waren jedoch Disziplinlosigkeit, Respektlosigkeit und die gewaltsamen Formen des antiautoritären Protestes", betont Schott. Als in den 1970er die Schülerzahlen am KDG so sprunghaft anstiegen, dass das räumliche Korsett der Schule aus allen Nähten platzte, musste eine Dependance in Blumenkamp her. Und schließlich ein neues Gebäude. In seinem letzten aktiven Schuljahr 1978/79 zog Beckmann mit der Schule vom Herzogenring (heute Amtsgericht) in die Feldmark. "Die Heirat mit einer griechischen Anwältin und der anschließende Umzug nach Athen beflügelten seine Lebensgeister für ein langes Leben: kreativ und geistig fit bis zum letzten Tag", sagt Schott.

Quelle: RP
 
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