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Kreis Wesel
Trecker-Oldies tuckern mit Tempo 25 bis ins Glottertal

Kreis Wesel. Vier Männer aus Alpen und Hamminkeln wagten sich mit ihren betagten Schleppern samt Wohnwagen in den Schwarzwald. Von Erwin Kohl

"Der Weg ist das Ziel" hätte das Motto der außergewöhnlichen Reise lauten können, von der Andreas Wißen (50), Bernhard Terhorst (66), Udo Scholz (65) und Bernd Terhorst (81) jetzt zurückgekehrt sind. Die vier Männer aus Alpen und Hamminkeln-Mehrhoog hatten sich in den Kopf gesetzt, eine Oldtimer-Traktoren-Ausstellung im Glottertal zu besuchen, jenem Ort, an dem TV-Professor Brinkmann einst die legendäre Schwarzwaldklinik geleitet hat. Weil die Herren selber alte Schlepper hegen und pflegen, wollten sie ihre Schätzchen natürlich ebenfalls dort präsentieren.

Deutz, Hanomag und Co. auf einen Lkw verfrachten und Huckepack die Reise in den Süden anzutreten, kam für das Quartett allerdings nicht infrage. "Wir stecken sehr viel Geld, Zeit und Mühe in unsere Schlepper. Irgendwann wollten wir wissen: Was taugen die Dinger eigentlich noch?", erläutert Udo Scholz aus Mehrhoog, der die Reise ein Jahr zuvor schon mit dem Pkw unternommen hatte. Rund 1060 Kilometer hat er dabei zurückgelegt, die meisten davon auf der Autobahn. Nach einer ersten Sichtung des Kartenmaterials wurde schnell klar, dass die Route für Traktoren über Landstraßen und Feldwege deutlich länger ausfällt. Insgesamt waren 1360 Kilometer veranschlagt, das ist für einen Traktor der Marke Deutz Baujahr 1952 eine halbe Weltreise, noch dazu im Schneckentempo. "Bei Vollgas kommen wir auf 25 bis 27 Kilometer pro Stunde, im Durchschnitt sind es gerade einmal 16", erläutert Bernhard Terhorst. Fünf Tage waren für die einfache Fahrt also einzuplanen.

Da man nie so genau weiß, wo der Tag auf dem Traktor endet und weil der Traum von der Freiheit nicht zu einem schnöden Hotelbett passt, haben die Oldtimer-Freunde sich kurzerhand vier alte Wohnwagen zugelegt und an ihre Landmaschinen angekuppelt. "Wenn wir abends mit unseren rollenden Junggesellenbuden auf den Campingplatz kamen, waren wir sofort von Urlaubern mit Fotoapparaten umzingelt", erinnert sich Udo Scholz und lächelt stolz. Dass die Suppendosen vor dem Abendessen erstmal gesucht werden mussten, lag weniger am mangelnden Ordnungssinn der Freizeit-Cowboys, sondern vielmehr an der rauen Prärie. "Wenn wir über Feldwege und durch Baustellen gefahren sind, wackelten die Wohnwagen wie Lämmerschwänze", erzählt Scholz.

Weitaus schwieriger aber waren die Passagen durch die kurvenreiche Eifel, denn so eine Traktor-Wohnwagen-Kolonne lässt sich gerade dort schlecht überholen. "Ab und an hat man uns den Stinkefinger gezeigt, aber die meisten haben wohlwollend gehupt und applaudiert. Vor allem die Motorradfahrer waren begeistert", erzählt Bernhard Terhorst, der sich für die Fahrt extra einen luftgefederten Sitz eingebaut hat, weil sein Ferguson anno 1970 "pausenlos rappelt". Zehn Stunden täglich saßen die Männer auf ihren Traktoren, fuhren gemeinsam Richtung Schwarzwald und waren doch allein. "Ganz ehrlich, an unsere Frauen haben wir unterwegs nicht gedacht. Wir hatten pausenlos den Gedanken im Kopf: Hoffentlich hält der Motor", gesteht Bernhard Terhorst. Zu ihrem eigenen Erstaunen haben die alten Maschinen die Tortur ohne eine einzige Panne überstanden.

Nach drei Tagen im Glottertal ging es wieder zurück. Und weil kein Navi in der Lage ist, Routen für Landmaschinen zu berechnen, haben sich die vier einige Male verfahren. 1400 Kilometer standen am Ende im Fahrtenbuch, als die Enthusiasten völlig ausgepowert in Alpen wieder ankamen. Fazit: "Das war ein richtiges Zigeunerleben, anstrengend, aber schön."

Quelle: RP
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