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Niederrhein
Überfall auf Sparkasse unblutig beendet

Niederrhein: Überfall auf Sparkasse unblutig beendet
Erika Götzen und Greta vor dem Eingang zum Binsenteich. FOTO: Peter Klucken
Niederrhein. Die Anwohner der Sparkassenfiliale an der Dorfstraße in Duisburg-Rumeln zeigten sich schockiert von dem Überfall, der von der Polizei gestern Vormittag unblutig beendet wurde. Mitgefühl für die Angestellten. Von Vanessa Prattes, Peter Klucken und Mike Michel

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich gestern vormittag in Rumeln die Nachricht, dass die Sparkassenfiliale an der Dorfstraße überfallen worden war. Der Bereich um die Sparkasse in Rumeln-Kaldenhausen ist weiträumig abgesperrt. Die Polizei stufte den Einsatz als "Großlage" ein.

Für die Rumelnerin Tanja Scholz war es in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderer Tag. Schließlich stand für sie die Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten Roland Lennartz-Stöckel an. Beide wohnen in dem gestern Morgen abgesperrten Bereich, vielleicht 200 Meter von der Sparkassenfiliale entfernt. Und beinahe wäre sie nicht durchgekommen - trotz des Brautkleids und durchaus drängender Termine. Der Stop an der gesperrten Dorfstraße rief gleich diverse Medienvertreter auf den Plan, die das Paar nach ihrem Befinden befragen wollten. Dann ging's aber weiter, und die Mienen des Brautpaares hellten sich wieder auf.

Christoph Trube ist in Rumeln und Umgebung immer mit seinem Rad unterwegs. FOTO: Peter Klucken

Erika Götzen, die nur wenige Meter von der Sparkasse entfernt wohnt, wurde gegen 9 Uhr auf das große Polizeiaufgebot aufmerksam, das sich vor ihrem Haus in Richtung Sparkasse formierte. Ihr Nachbar, den sie fragte, war bereits informiert worden. Die Polizeibeamten erklärten Erika Götzen, dass sie vorläufig mit ihrem Hund im Haus bleiben müsse. Erst gegen 11.30 Uhr wurde ihr das Gassigehen mit der Dalmatiner-Dame "Greta" gestattet. Erika Götzen hat für die Vorsicht der Polizeibeamten volles Verständnis. "Die haben sich absolut richtig verhalten. Die Anwesenheit der Polizei und die Art und Weise, wie sie uns informiert hat, fand ich beruhigend", so Erika Götzen. "Nie hätte ich gedacht, dass hier so etwas passieren kann; hier ist ein schöner, ruhiger Stadtteil", sagt sie.

Dabei gab es schon früher Überfälle auf die Sparkassenfiliale, zuletzt 2011. Ein Düsseldorfer Juwelier in Geldnöten hatte die Rumelner Sparkassenfiliale überfallen, Geld genommen, Angestellte gefesselt und ist anschließend mit der Beute geflüchtet. Die Sparkassenangestellten konnten sich damals selber befreien, der Bankräuber wurde von der Polizei gefasst.

Gerd Kleind und sein Enkel Ares Nottenbrock wohnen in der Nachbarschaft. FOTO: Peter Klucken

Christoph Trube, der an diesem Morgen seine übliche Fahrradtour um den Toeppersee macht: "Zwei-, dreimal haben sie die Sparkassenbank schon überfallen, aber dieses Mal ist es heftiger", berichtet er und schaut rüber zu den zahlreichen Presse- und Medienvertretern. Trube fordert angesichts der Überfälle einen festen Polizeiposten im Stadtteil. "Ich wohne jetzt seit 1968 hier, da war das noch ein Kuhdorf, aber durch die Eingliederung des Stadtteils Rumeln in die Stadt Duisburg ist eine feste Polizeistelle einfach notwendig", so Trube.

Der achtjährige Ares Nottenbrock steht mit seinem Großvater Gerd Kleind etwas abseits vom Geschehen und beobachtet die vorbeifahrenden Polizeiwagen und die mit Maschinengewehren bewaffneten Polizisten. "Die Oma kommt nicht aus dem Haus", sagt Ares besorgt und schaut zu der abgesperrten Straße. Das Ehepaar Kleind wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sparkassenfiliale. "Ich bin noch durchgekommen, aber meine Frau hat von den Polizisten die Anweisung bekommen, im Haus zu bleiben", sagt Gerd Kleind. Der Einsatz in der Sparkassenfiliale hält die gesamte Nachbarschaft in Atem. Auch die angrenzenden Schulen nehmen Sicherheitsvorkehrungen vor. Der Direktor der Marienfeld-Grundschule seines Enkels habe die Kinder angewiesen, das Schulgebäude nicht ohne Begleitung zu verlassen. Auch Waltrud Polheim sorgt sich. "Meine Enkelin ist auf dem Albert-Einstein-Gymnasium, ganz in der Nähe, da macht man sich dann schon Sorgen", sagt sie. Sie war an diesem Morgen auf dem Weg zur betroffenen Filiale gewesen. "Ich wollte bei der Sparkasse Geld abholen, da sehe ich auf einmal die ganzen Polizeiwagen", so Waltrud Polheim. Der Einsatz ist auch auf dem Rumelner Wochenmarkt Gesprächsthema. "Ich habe heute an meinem Stand auf dem Markt gearbeitet und bin durch die Straßensperrung und die Sirenen etwas stutzig geworden. Nun wollte ich mal schauen, was überhaupt passiert ist", sagt Rosi Heinlein. Ungeachtet der vielen Polizisten, der schwer bewaffneten SEK-Leute und des Hubschraubers, der nach 11 Uhr sichtbar und hörbar über Rumeln kreist, hat sie keine Angst.

Rumeln, gestern Morgen: Erste SEK-Männer sind eingetroffen und bringen sich am Lohfelder Weg in Position. Das schwarz-weiße Gebäude ist die Sparkassen-Filiale. Der Haupteingang befindet sich auf der anderen Seite des Hauses. FOTO: Christoph Reichwein

Die Nachbarschaft zeigt sich sehr betroffen und besorgt um die Geiseln. Man kennt sich. "Ich kenne die Bankangestellten, einer davon ist mein Sparkassenberater, der kommt hier morgens immer vorbei", sagt Dennis McClymont, dessen Familie das Geschehen von der Wohnungstür aus beobachtet. Näher dran wollen sie nicht, denn "das ist schließlich keine Open-Air-Veranstaltung", sagt sein Vater Jeffrey McClymont. Mutter Monika McClymont denkt an die psychische Verfassung der Geiseln, denn der Vorfall habe sie sicher sehr mitgenommen. "Die Mitarbeiter lernen das zwar in Schulungen, sich auf so etwas vorzubereiten, doch in der Realität erlebt man das ja ganz anders."

Quelle: RP
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