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Fritz.schubert
Unsere Woche Warum in die Ferne schweifen?

Wesel. Die Pflege des Brauchtums ist eine ernste Angelegenheit. Das gilt auch für den Karneval. Hatte bei Hofe der Narr noch die nach ihm benannte Freiheit, so hört im Närrischen Parlament der Stadt Wesel der Spaß allmählich auf. Dessen Präsidentin Ulla Hornemann (SPD) hat gerade Norbert Walter-Borjans als Eselordenträger 2016 präsentiert. Der Liberale Bernd Reuther hat postwendend bemängelt, dass es sich dabei in fünf Jahren um den dritten NRW-Minister de SPD auf dem Esel handelt. Hornemann kontert damit, dass es in 20 Jahren unter ihrer Ägide aber nur sieben Politiker waren, es überhaupt ganz schwer wäre, Prominente beziehungsweise bundesweit bekannte Künstler zu gewinnen, und zu Günther Jauch, den man gerne küren wolle, habe keiner direkten Kontakt. Zu Letzterem sei gesagt, dass Jauch sehr wohl Verwandtschaft in Wesel hat ...

Dennoch kommt dem Beobachter das Ganze wie ein Offenbarungseid vor. Denn eigentlich sollen ja Hochkaräter mit Zugkraft ausgezeichnet werden, damit Wesel sich mit der Ordensvergabe schmücken und präsentieren kann. Von den ursprünglichen Kriterien, die auf der Internetseite wesel.de erläutert werden, ist immer weniger zu entdecken. Bezüge zu Wesel sind bei Walter-Borjans nicht mal mit der Lupe zu finden. Dass er den Namen Wesels in die Welt hinaustragen wird, ist auch nicht zu erwarten.

Interessanterweise ist auf wesel.de auch diese Passage zu finden: "Im Parkettsaal der Niederrheinhalle zeichnet nun der nur aus Ratsmitgliedern bestehende Elferrat die jeweiligen Ordensträger aus." Das ist für uns vollkommen neu und wäre der Beweis für den endgültigen Abstieg einer einst glanzvollen Großveranstaltung im großen Saal der Halle in ihr kuscheliges Hinterzimmer. Es wäre aber auch die Eselei schlechthin. Also: Warum in die Ferne schweifen? Von fragwürdiger Prominenz einmal abgesehen, hat Wesel genug eigene Kandidaten für den Orden zu bieten.

Spaß beiseite: Der Eselorden ist eine wichtige Marke für die Stadt. Die Vergabe sollte deutlich professioneller und humorvoller organisiert werden. Und das ist vollkommen ernst gemeint.

Quelle: RP
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