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Himmel Und Erde
Vergnügt, erlöst, befreit

Wesel. Dem wunderbaren Hanns Dieter Hüsch verdanken wir das Motto, unter dem die Evangelische Kirche im Rheinland das Reformationsjubiläum 2017 feiert. Am 31. Oktober laden Gottesdienste und besondere Veranstaltungen in ganz Deutschland und in der weltweiten Ökumene dazu ein, sich auf das Jubiläum "500 Jahre Reformation" einzustimmen. In Wesel feiern wir dazu um 19 Uhr einen Festgottesdienst im Historischen Lutherhaus.

"Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit." So dichtete Hüsch in einer seiner Psalmübertragungen. Hanns Dieter Hüsch lebte 80 Jahre unter uns. Am Nikolaustag 2005 ist er gestorben. Er war der fahrende Poet, Kabarettist und Prediger auf zahlreichen Bühnen, bei Kirchentagen und in den Kirchen aller Konfessionen. Mit Luther wusste auch Hüsch um die Verletzlichkeit von Menschen, um unsere Verzagtheit und unser ständiges Streben nach Anerkennung und unser Scheitern.

"Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich? Ich sing und tanze her und hin, vom Kindbett bis zur Leich. Was macht, dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen? Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen. Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält? Weil mich mein Gott das Lachen lehrt, wohl über alle Welt."

Im besten Sinne reformatorisch ist das, was Hüsch in seiner Psalmübertragung weiter schreibt. Die uns von Gott zugemessene Lebensspanne mag kurz oder lang sein, niemals aber ist sie ohne Gott, der gütig auf uns schaut und uns beschützt. Die Botschaft der Reformation findet in diesen Worten eine neue und befreiende Dimension. Niemand von uns muss sich oder Gott etwas beweisen, um wahrhaft Mensch zu sein. Wer Augen hat zu sehen, der begegnet auf Schritt und Tritt der vorbehaltlosen Güte und der Liebe Gottes: Das Auge, das über uns wacht, damit unser Fuß nicht an einen Stein stoße, die Hände, die uns auffangen, wenn wir fallen. Das beginnende Jahr des Reformationsjubiläums will von diesem lebendigen Gott erzählen: "Ich bin mit dir und für dich - und niemals gegen dich!"

"Ich bin vergnügt, erlöst, befreit." So also wollen wir miteinander feiern und niemanden dabei ausschließen und übersehen. Trennendes werden wir gelassen aushalten und beharrlich an den Brücken aufeinander zu bauen. Denn reformatorischer Glaube weiß sich zugleich gehalten und herausgefordert, die Welt mit Gottes Segen freundlicher und friedvoller und menschlicher zu gestalten.

THOMAS BRÖDENFELD

Quelle: RP
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