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Wesel
Volksbank befriedet Bauverein-Konflikt

Wesel. Die sogenannten kritischen Aktionäre ziehen auch die letzte Anfechtungsklage gegen den Weseler Wohnungsriesen zurück. Der Gerichtstermin ist hinfällig, die Aktienrechte liegen wieder bei Volksbank Rhein-Lippe. Von Sebastian Peters und Fritz Schubert

Für die Geschäftsführung des Weseler Bauvereins ist es eine erfreuliche Nachricht, für die Politik ein positives Signal, und tausende Mieter des Bauvereins dürfen hoffen, dass ihr Vermieter nun in ruhigeres Fahrwasser gerät. Lange hatte der Streit um die sogenannten kritischen Aktionäre des Bauvereins für Wirbel gesorgt - mit einem großen Fragenkatalog hatten die Aktionäre bewirkt, dass die Hauptversammlung 2016 insgesamt 13 Stunden dauerte. Mit dem gestrigen Tag scheint nun Frieden einzukehren.

Die Bauverein AG teilte mit, dass die kritischen Aktionäre auch ihre letzte Anfechtungsklage gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung 2016 beim Landgericht Düsseldorf zurückgezogen haben. Parallel erklärte die Volksbank, dass sämtliche Rechte an den Aktien wieder ihr zustünden. "Die Verhandlungen zur Rückübertragung wurden wie angekündigt geführt und erfolgreich abgeschlossen", teilte Volksbank-Vorstandsmitglied Ulf Lange mit.

Der ewige Bauvereins-Streit: In den Neunzigern gingen sogenannte vinkulierte Namensaktien an die kritischen Aktionäre, namentlich Familie Hauschild aus Meerbusch. Rechtlich gehörten diese Aktien zwar noch den Banken, wirtschaftlich aber den Aktionären. Dies war lange kein Problem, ehe die kritischen Aktionäre 2016 im Namen und mit Vollmacht der Volksbank sowie der Atlas Vermögensgesellschaft (Commerzbank), die rechtlich noch im Besitz der Aktien waren, Klage gegen die Sitzung der Hauptversammlung einreichte. Konkret beanstandet wurden damals die Beschlüsse zur Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats.

Die Klage im Namen der Atlas Vermögensgesellschaft zogen die Aktionäre zuletzt zurück. Es blieb die Klage im Namen der Volksbank. Doch auch die hat jetzt die vollen Aktienrechte zurückerlangt. Wie viel die Volksbank für das Aktienpaket an die kritischen Aktionäre gezahlt hat, wollte Vorstand Ulf Lange nicht mitteilen. "Wir haben sie zu vertretbaren Preisen zurückerworben", sagte Lange auf Anfrage. Er will betont wissen, dass aus seiner Sicht der Streit keinen Einfluss auf die Stabilität des Bauvereins hatte und die Volksbank früh erklärt habe, dass sie um eine Lösung bemüht sei. Wird die Volksbank ähnlich wie die Commerzbank ihr Aktienpaket nun an die Sparkasse veräußern? Lange sagte: "Wir haben die Absicht, die Anteile zu behalten. Ein Verkauf geschähe nur mit Zustimmung des Aufsichtsrates der Bauverein AG."

Für Anett Leuchtmann, Vorstand der Bauverein Wesel AG, geht mit der Rücknahme der Klage eine schwierige Phase in der Unternehmensgeschichte glücklich zu Ende: "Es hat sich gelohnt, dass wir den vehementen Vorwürfen, Angriffen und Anfechtungen einzelner Aktionäre standgehalten haben."

SPD-Fraktionsvorsitzender Ludger Hovest, politischer Wortführer gegen die kritischen Aktionäre, nahm die Nachricht "mit großer Genugtuung" auf und wertete das Ende des Rechtsstreits als einen Sieg der SPD. "Ich bin froh, dass nun wieder Ruhe beim Bauverein angesagt ist. Er hat die Aufgabe, für bezahlbare Wohnungen zu sorgen", sagte Hovest und bedauerte, dass durch die kritischen Aktionäre hohe Kosten entstanden sind und annähernd wohl rund 500.000 Euro verbrannt worden seien. "Eine Schande, das war Geld der Mieter", schimpfte der SPD-Chef und bezeichnete besagte Aktionäre als "Heuschrecken ohne soziales Gewissen". Grundsätzlich sei es natürlich weiter gutes Recht für Aktionäre, Fragen zu stellen. Die müssten dann auch beantwortet werden. Im vorliegenden Fall sei es jedoch nur um formelle Dinge und teils auch persönliche Angriffe gegangen. Hovest erklärte, der Bauverein werde weiter eine wichtige Rolle in der Stadt spielen. Als Beispiele nannte er Aktivitäten rund um das Neubauprojekt an der Kreuzstraße, an der Tückingstraße und in der Feldmark.

Auch CDU-Fraktionschef Jürgen Linz begrüßte die Entwicklung: "Ich freue mich für die Mieter und Mitarbeiter, dass dieses unsägliche Kapitel nunmehr beendet scheint." Die "kritischen Aktionäre" hätten seines Erachtens nie wirklich Interesse an der Prüfung vermeintlich nicht korrekter Vorgänge gehabt, sondern ausschließlich an der Wertsteigerung ihrer Aktien. "Für mich stand immer fest, dass beim Bauverein alles korrekt zugegangen ist", so Linz.

Im Hauptausschuss informierte gestern auch Bürgermeisterin Ulrike Westkamp über die Entwicklung. Linz sagte dazu, dass eine Fraktion mit den kritischen Aktionären zusammengearbeitet und ihr Dinge zugespielt habe. Außerdem habe ein Vertreter dieser Fraktion heute gegen die städtische Tochter aussagen wollen. Linz fragte, ob dies denn mit dessen Amt vereinbar sei.

Quelle: RP
 
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