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Hamminkeln
Vom Asylcontainer zur eigenen Arztpraxis

Hamminkeln: Vom Asylcontainer zur eigenen Arztpraxis
Neda Khatonabadi kam 1996 aus dem Iran nach Hamminkeln, seit 2010 besitzt sie die deutsche Staatsangehörigkeit. Inzwischen hat sie die ehemalige Zahnarztpraxis Pannewig übernommen. FOTO: Ekkehart Malz
Hamminkeln. Neda Khatonabadi flüchtete 1996 mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland. Sie kam nach Hamminkeln, wo sie schließlich ihr Glück fand - auch dank der Flüchtlingshilfe. Sie hat in Dingden eine Zahnarztpraxis übernommen. Von Thomas Hesse

Die Flut der Flüchtlinge ist auch in Hamminkeln ungebrochen. 225 Menschen wohnen aktuell in Übergangsheimen oder in von der Stadt vermittelten Wohnungen. Einige, deren Anerkennung als Asylbewerber sicher ist, haben sich schon selbstständig Mietwohnungen beschafft. Jetzt kommen in der Akademie Klausenhof 112 Flüchtlinge hinzu, die in der Hamminkelner Statistik nicht auftauchen. Denn dort hat die Bezirksregierung Düsseldorf eine zentrale Aufnahmestelle eingerichtet. Für zwei Wochen sollen die Flüchtlinge hier bleiben, bevor sie weiter verteilt werden. Die Neuankömmlinge in Dingden müssen nur einen Steinwurf weit blicken, um ein Beispiel zu finden, das ihren Hoffnungen auf ein neues und selbstständiges Leben Nahrung geben kann.

Neda Khatonabadi hat hier die Zahnarztpraxis Pannewig übernommen. Der Weg dieser Frau nach der Flucht im Jahre 1996 aus dem Iran ist bemerkenswert. Anfangs war sie im Asylheim in Ringenberg untergebracht, das heute noch die größte und einzige Flüchtlingsunterkunft in Hamminkeln darstellt. Danach begann eine fast märchenhafte Aufsteigergeschichte, die viel mit persönlichem Fleiß, Willen und Ehrgeiz zu tun hat. So etwas kann auch auf dem Dorf gelingen. Und zwar, wenn sich wie hier engagierte Menschen von der seit 30 Jahren bestehenden Flüchtlingshilfe darum kümmern.

Es sind Menschen wie Josefa und Paul Sonders, deren Freundschaft zu Neda Khatonabadi, nun schon sehr lange Bestand hat. Norbert Neß, Mitglied im Redaktionsteam des Pfarrbriefes der katholischen Kirchengemeinde Maria Frieden, hat die Geschichte von Neda Khatonabadi, die mit ihrer Familie seit 2010 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, aufgeschrieben. Daraus zitieren wir nachfolgend.

"Hamminkeln? Wo liegt das?" Neda Khatonabadi war überfragt, als der Behördenmann ihr den neuen Aufenthaltsort mitteilte. Da lag schon eine Odyssee hinter der Familie. Im Iran wurde sie aus politischen Gründen verfolgt. Daher hatte sie den über 5000 Kilometer langen Weg auf sich genommen, um ein neues Leben anzufangen. Das war 1996. Seit fast 20 Jahren sind Neda und ihre Familie nun in Deutschland.

Die heute 39-Jährige erinnert sich an ihre ersten Eindrücke in Ringenberg. "Es war voll in den Containern", beschreibt sie das Übergangsheim hinter der Schreinerei am Ortseingang. In elf Zimmern quetschten sich Flüchtlinge aus aller Herren Länder. Für die Frauen der Gemeinde Christus König in Ringenberg war klar: Wir müssen helfen! Deutschunterricht für die Frauen, Kinderbetreuung und Hilfen bei der Eingliederung.

Die Bemühungen fielen bei Neda auf fruchtbaren Boden. Der Deutschkurs bei der Kirchengemeinde legte die Grundlagen fürs Abendgymnasium, wo sie das deutsche Abitur absolvierte. "In meinen Leistungsfächern Mathe, Physik, Chemie stand ich überall Eins", erzählt sie. Fächer, die ihren späteren Weg ins Studium der Zahnmedizin vorbestimmt haben. "Wir haben schon sechs Monate nach unserer Ankunft in Hamminkeln keine Sozialhilfe mehr bezogen", sagt Neda. Die eigene Wohnung in Hamminkeln wurde bezogen, 1998 kam Töchterchen Melina zur Welt.

Inzwischen hat sie die ehemalige Zahnarztpraxis Pannewig übernommen. Sie schaut voller Dankbarkeit auf die Unterstützung aus Ringenberg zurück. "Warum gerade Hamminkeln?", habe sie nach ihrer Ankunft zunächst gedacht. "Das ist das Ende der Welt. Aber es war das Beste, was uns passieren konnte." Die vielfältige Unterstützung ist vor allem mit den Namen Josefa und Paul Sonders aus Dingden verbunden. Deren Einsatz kannte keine Grenzen. Während Josefa die kleine Melina beaufsichtigte, damit Mama Neda studieren konnte, kümmerte sich Paul um den Schriftwechsel mit den Behörden. "Beide sind immer für uns da", sagt Neda.

Quelle: RP
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