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Wesel
Vom Frühwerk bis zum späten Schaffen

Wesel: Vom Frühwerk bis zum späten Schaffen
Otto Pankok: Er malte am liebsten seine Umgebung und die Natur. Hier eine Darstellung auf dem Gelände von Haus Esselt in Drevenack. FOTO: Lars Fröhlich
Wesel. Das Bilderbuch eines reichen künstlerischen Lebens: Werke von Otto Pankok aus all seinen Schaffensperioden sind in der Winterausstellung in Haus Esselt zu sehen. Anlass ist der 50. Todestag des berühmten Malers. Von Thomas Hesse

Sein künstlerisches Schaffen war reichhaltig, und es begann früh. Als 15-Jähriger zeigte Otto Pankok sein großes Talent. Man mag kaum glauben, mit welch starkem Ausdruck und feinem Strich der Jugendliche Porträts und Motive aus seiner Umgebung gezeichnet hat. 1966, von schwerer Krankheit gezeichnet, war er noch ungemein produktiv, als er von seiner letzten Frankreich-Reise mit 20 Arbeiten zurück ins abgeschiedene Haus Esselt nach Drevenack kam, wo er wenig später starb. Das Bilderbuch durch die Schaffensperioden eines Jahrzehnte währenden, bemerkenswerten Künstlerlebens wird aus Anlass eines 50. Todestages aufgeschlagen. Die Winterausstellung wird am Samstag 12. November, um 17 Uhr eröffnet. Sie zeigt nicht nur den Menschen und Künstler, sie beweist auch, welcher Schatz es ist, über ein reichhaltiges, lebensumfassendes Archiv wie in Drevenack zu verfügen.

Erst habe man überlegt, frühe Werke Pankoks aus dem Mülheimer Museum Zur alten Post auszuleihen, erzählt Kuratorin Annette Burger. Doch in Haus Esselt waren die Arbeiten ausreichend vorhanden, die schon den Aufbruch des jungen Otto Pankok in engagiertes künstlerisches Leben dokumentieren. Auf der Empore in der Museums-Scheune sind die frühreifen Zeichnungen des Jugendlichen zu sehen. Selbstbildnisse ab 1908, Menschen aus der Familie, etwa die ihn musisch prägende Mutter an der Staffelei, und Szenen aus seiner Heimat in Mülheim/Saarn zeigen die Motive, die Otto Pankok ein Leben lang begleiteten. "Wie ein Leitfaden für ein künstlerisches Leben", sagt Annette Burger.

Noch handelt es sich oft um feine, fast fotografische Bleistiftzeichnungen. Es gibt auch erste Kohlezeichnungen - der junge Pankok hat früh eine Vorliebe entwickelt, die er später zur Meisterschaft voranbringt. Licht- und Schattenwirkungen wie bei seinem Vorbild Rembrandt fließen ein. Überhaupt Holland: Ab 1909 zieht es den jungen Mann oft ins Nachbarland, er zeichnet das karge Leben und die einfachen Menschen. Ein Tisch, ein Stuhl, ein sitzender Bauer - Konzentration aufs Wesentliche ist seine Kunst. Weitere Stationen werden in der Ausstellung mit jeweils fünf, sechs Bildern verfolgt. Nach Abitur 1912 und abgebrochenem Studium etwa seine Malstube in Dötlingen im Landkreis Oldenburg, wieder ist es das einfache Leben, das Pankok fasziniert.

Nach seinen Weltkriegserfahrungen werden seine Bilder voller, zeichnerisch charakteristischer, die Motive optimistischer. Der politische Zeichner Pankok ist ausgespart, gerade eben war er präsent in der Schau "Das junge Rheinland". Darauf folgende Bilder aus Drevenack ab 1924 passen zum Ausstellungsort, Tierbilder und die Achtung der Schöpfung sind wiederkehrende Themen. Ebenso Motive von Reisen nach Spanien und in sein Lieblingsland Frankreich.

Die mit Sinti und Roma sympathisierenden Werke, die riskante Malperiode während seines Arbeitsverbots durch die Nazis, die Schaffensphase ab 1958, als er die Idylle Haus Esselts bewusst auswählte - diese Ausstellung zeigt konzentriert den ganzen Pankok mit seinem anteilnehmenden Realismus und seiner konsequenten Naturverbundenheit. Wirklich überraschend ist aber das Frühwerk, das unglaublich klar auf das Spätwerk hinführt.

Quelle: RP
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