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Hamminkeln
Von den "Qualen" eines Pfarrers

Hamminkeln. Pfarrer Maybach tourt mit seinem kirchlichen Kabarett durch Gotteshäuser.

Wer hätte gedacht, dass die Bild-Zeitung in Wahrheit das Medium des Protestantismus ist, oder wie sonst lässt sich erklären, dass sie mit ihrer Schlagzeile "Wir sind Papst" in Wahrheit das Priestertum aller Gläubigen ausgerufen und so das vollendet hat, was Luther einst begonnen hat. So jedenfalls sieht es Pfarrer Maybach in seinem Programm "Maybachs bundesweite CSU". Am Sonntag war er zu Gast in Hamminkeln.

CSU steht hier für christlich satirische Unterhaltung und nicht weniger bietet das Programm vom Pfarrer. Denn Ingmar Maybach-Mengede ist tatsächlich evangelischer Geistlicher und zwar in einem kommunistischen Dorf im Odenwald. Dort werde Ökumene für Kommunisten gelebt. Frei nach dem Motto: "Am Evangelium kommt keiner links vorbei." Maybach bietet als Kirchenkabarettist einen neuen Blick auf Kirche und die Welt. So erzählt er in süffisanter Form von den Qualen eines Pfarrers, wenn dieser noch bis tief in die Samstagnacht über die Sonntagspredigt grübelt.

Seine Gedanken verarbeitet Maybach stets mit seiner Gitarre und bietet so eine Mischung aus pointierter Erzählung und gewitzten Liedern. Schon fast bissig sind seine Überlegungen zur Halbierung von Beerdigungskosten in Anlehnung an einen schwedischen Möbelgiganten. Man denke an das Schrankprogramm "Frieden". Aber auch die Eigenarten des Aufwachsens in einem Pfarrhaus, nicht ohne Parallelen zur Pfarrerstochter Angela Merkel, beschreibt er und widmet diesem einen Song. Seine These zum Schluss: "Angela Merkel ist die Madonna des Protestantismus", was auch optisch dargestellt wurde - im Zeichen der Sixtinischen Madonna.

Besonders humorvoll wird es, wenn Maybach über seine Erfahrungen als Pfarrer im Urlaub und die Diskussion über Kirche und Bibel erzählt und die Fragen nur allzu oft von gefährlichem Halbwissen zeugen. Und gleich koppelt der Kabarettist diese Erfahrungen an einen kleinen Vergleich der Medienwelt mit den vier Evangelien. Wer hätte auch gedacht, dass Spiegel und Lukas, Focus und Markus, Stern und Matthäus und die Süddeutsche und Johannes Gemeinsamkeiten haben? Beim Kirchenkabarett werden die Dinge nicht ernst genommen und gleichzeitig geschickt vernetzt, so dass es gute und intelligente Unterhaltung ist. Eine Fortsetzung des Programms steht auch schon in den Startlöchern.

(ste)
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