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Hamminkeln/Wesel
Von Karneval, der Königin und Hundeliebe

Hamminkeln/Wesel: Von Karneval, der Königin und Hundeliebe
Gerbrand Bakkers neues Buch ist im September erschienen und er denkt nun über einen zweiten Teil nach. FOTO: Jürgen Bauer
Hamminkeln/Wesel. Eva Karnofsky, Autorin aus Hamminkeln, schreibt für die RP über die unterhaltsame, melancholische, feine Lesung von Gerbrand Bakker. Von Eva Karnofsky

Normalerweise wird man ungeduldig, wenn der Autor die Textstelle nicht findet, die er bei seiner Lesung vortragen möchte. Nicht so bei Gerbrand Bakker. Denn während er blättert, beginnt er zu plaudern. Sagt, dass er die Stelle unbedingt finden muss, weil er sie gestern geübt hat. Das sei nötig gewesen, weil Deutsch schwer für ihn sei, ist es doch dem Niederländischen so ähnlich, dass er manchmal gar nicht weiß, welche der Sprachen er nun gerade spricht.

Er erzählt von seinem Haus in der Eifel, in dem er seit vier Jahren lebt, und davon, dass er nicht nur Amüsantes aus seinem Buch vortragen wolle. Eine Zuhörerin habe ihm kürzlich gesagt, "hör mal, Bakkerchen, du darfst nicht nur Witziges lesen, weil du sonst keine Bücher verkaufst". Deshalb wolle er den Abend mit einer Textstelle beginnen, die von seinen Depressionen berichtet. Und genau rechtzeitig findet er die Seite. Fast möchte man es bedauern, so amüsant erzählt Gerbrand Bakker.

FOTO: Suhrkamp

Die Werke des Niederländers wurden in rund 20 Sprachen übersetzt, und 2010 erhielt er für "Oben ist es still" den International IMPAC Dublin Literary Award, den mit 100.000 Euro höchstdotierten Literaturpreis, der für ein einzelnes, auf Englisch vorliegendes Werk verliehen wird. Der Roman wurde auch verfilmt. In der Buchhandlung Korn liest der Autor bereits zum vierten Mal, und die Weseler wissen es zu schätzen, denn bereits zehn Tage vor der Lesung am Mittwochabend waren die 66 Tickets ausverkauft.

Diesmal stellt Bakker sein Buch "Jasper und sein Knecht" vor, das Mitte September auf Deutsch erschienen ist und über dessen Genre sich streiten lässt, wie der Autor zugibt. Der Form nach ist es ein Tagebuch, das am 3. Dezember 2014 beginnt und am 14. März 2016 endet. Doch eigentlich verbergen sich dahinter gleich mehrere ineinander verwobene Bücher.

Eva Karnofsky. FOTO: Malz

Zuerst ist da die Geschichte des Hundes Jasper, eines 19-Kilo-Straßenhundes aus Griechenland, den Bakker adoptiert hatte. "Der Knecht bin ich", erläutert er das Verhältnis. Bis zu seinem Tod vor einigen Monaten hat der Hund sein Leben mitbestimmt, und das schlägt sich im Tagebuch nieder. Der Leser erfährt viel über die Spaziergänge sowie über Jaspers Marotten und Befindlichkeiten. Hundeliebhaber werden sich darin wiederfinden. Das Publikum war angetan vom launig beschriebenen Besuch eines Eifeler Rosenmontagszuges, den Jasper und sein wenig karnevalsbegeisterter Knecht absolviert haben, um mitreden zu können. Applaus gab es keinen, denn Bakker hatte gebeten, auf das Klatschen zu verzichten - mit Rücksicht auf Nora, die Mischlingshündin von Buchhändlerin Korn, die der Lärm zu sehr aufregte.

Auch wenn nichts darin erfunden ist, kann man Bakkers Buch als unterhaltsam-nachdenklichen Roman lesen, als ein heiteres Buch über einen freiheitsliebenden Hund und die kleinen und großen Tücken des Alltags eines niederländischen Autors in der deutschen Provinz, doch es enthält auch viele autobiografische Details. Wie nebenbei flicht Bakker sie ein, in Form von Erinnerungen, die ihm während des Tagebuchschreibens kommen. So hat das Werk streckenweise den Charakter von Memoiren, die melancholisch-trist anmuten, wenn der Autor von seinen Depressionen berichtet. "Es ist aber kein therapeutisches Buch. Schreiben ist so lecker, so herrlich." Es bedeutet Spaß, nicht Therapie. Dass er Spaß dabei hat, beweist die Textstelle, die seinen Besuch eines Dinners bei der ehemaligen Königin Beatrix schildert. Sie hat ihn weder angesehen, noch mit ihm gesprochen. Warum, ist Bakker ein Rätsel. Er hat ihre Mutter Juliana in seinem Roman Tage im Juni erwähnt. "Vielleicht hat ihr das nicht gefallen", vermutet er.

Bakker denkt gerade über einen zweiten Teil des Buches nach, denn für einen Roman fehlt ihm derzeit die Lust. In den nächsten Tagen fährt er aber erst einmal nach Mönchengladbach. Um sich einen Hund anzuschauen. Er kommt aus Griechenland. Wie Jasper.

Info Gerbrand Bakker: Jasper und sein Knecht. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016, 450 Seiten, EUR 24,00.

Quelle: RP
 
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