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Schermbeck
Vor 275 Jahren: Schermbecks Stadtbrand

Schermbeck: Vor 275 Jahren: Schermbecks Stadtbrand
Der Kupferstich des Henrik Feltmann, der etwa 1660 entstand, zeigt, wie Schermbeck vor dem vierten Stadtbrand im Jahre 1742 ausgesehen haben könnte. FOTO: Scheffler
Schermbeck. In der Nacht auf den 29. September brach auf der Mittelstraße ein Feuer aus. Die Folgen für Schermbeck waren verheerend. Von Helmut Scheffler

In der vielhundertjährigen Geschichte der niederrheinisch-westfälischen Grenzstadt Schermbeck hat die Bevölkerung nach derzeitigem Forschungsstand insgesamt fünf Stadtbrände erlebt: 1424/25, 1483, 1640, 1742 und 1945. Der vierte Stadtbrand ereignete sich vor 275 Jahren.

In der Michaelisnacht vom 28. zum 29. September des Jahres 1742 brach auf der Mittelstraße ein Brand aus, der durch die Unvorsichtigkeit durchziehender hannoverscher Truppen verursacht wurde. "Anlass zu diesem Truppendurchzug gab die Kriegserklärung des Königs Georg II. von England/Hannover an Frankreich, um dessen Machtausbreitung Einhalt zu gebieten, nachdem der preußische König Friedrich II. nach der Besetzung Schlesiens ein Bündnis mit Frankreich gegen Österreich geschlossen hatte", berichtete der Brichter Heimatforscher Arnold Maas im Jahre 1972 in seinem Manuskriptband zur Geschichte Schermbecks. In der damaligen Bäckerei und Fuselbrennerei des Eberhard Goggen an der Mittelstraße brach das Feuer beim Brotbacken der Truppen aus. Am Standort des Gebäudes befindet sich heute das Friseurgeschäft Becker zwischen Volksbank und Gustav-Sack-Parkplatz.

Über den Verlauf des Brandes und seines Ausmaßes berichten noch vorhandene amtliche Protokolle. Auch Verhandlungsschriften der katholischen und reformierten Konsistorien mit Behörden über Wiederaufbauhilfen legen Details des Stadtbrandes offen.

Am 5. Oktober 1742 berichteten Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Schermbeck dem preußischen König über das Ausmaß der "dahier entstandenen schrecklichen Feuersbrunst und wie viel an Häusern und Scheuren, wie Kirchen, Pastorat und Schulhäusern, leider Gott erbarm, in Asche gelegt worden." 33 Wohnhäuser und Scheunen zählt die Schadensliste auf, dazu die reformierte Kirche, zwei Pastorate und die Turmspitze der evangelischen Georgskirche mit drei Glocken und das Schulhaus. Im Schreiben vom 5. Oktober 1742 heißt es, dass "in diesem Ort die Wohnungen von Raywerk und hölzernen Giebeln, auch von oben bis unten mit Stroh und Korn als Torf angefüllet" seien.

Überträgt man die beschädigten oder vernichteten Häuser auf die heutige Nutzungssituation im Schermbecker Ortskern, so waren etwa folgende Bereiche zerstört: ein Großteil der Südseite der Mittelstraße zwischen der Pizzeria an der Volksbank und dem Geschäft "Stöckelwild". Auf der nördlichen Seite der Mittelstraße waren die Auswirkungen der Flammen nicht ganz so groß. Die größten Schäden entstanden westlich der Burgstraße zwischen der Augenarztpraxis (vorher Elektrogeschäft Vengels) und der Zahnarztpraxis. Die damals an der Mittelstraße gelegene reformierte Kirche (heute Einrichtungshaus Vennhoff) wurde ebenso zerstört wie das nahe Pastorat. Einen Lageplan der abgebrannten Gebäude mit Namen der Eigentümer erwarb Maas von der Landesbildstelle Rheinland in Düsseldorf.

Am 13. Oktober 1742 taxierte Richter Schuirmann den Schadenswert mit 11399 Reichsthalern und 12 Stübern. In diesem Schadensbetrag, der 39 Geschädigte betraf, waren 5882 Reichsthaler für die Schäden an Häusern enthalten. Nicht enthalten waren die Beträge für Schäden am Eigentum der beiden Kirchen und der Stadt Schermbeck.

Zwischen 1742 und 1779 schickten die reformierte und die lutherische Kirchengemeinde mindestens 27 Bittschreiben an König Friedrich II. (den "Alten Fritz"), an viele Städte, an die Ritterschaft und an die Landstände.

Aufbaupläne für das zerstörte Schermbeck wurden vom Baumeister Heimburger und vom Kapitain-Ingenieur Embers erstellt. Wichtigstes Ziel beim Wiederaufbau war die Verbreiterung der Mittelstraße. Scheunen durften hinter den Häusern nur errichtet werden, wenn mindestens zwei Ruthen Zwischenraum entstand. Als eine Vorform der heutigen Bebauungspläne mit engen Festsetzungen darf die Anweisung des Königs vom 15. Februar 1743 angesehen werden. Der König ordnete eine zweigeschossige Bauweise an und empfahl die Verwendung von Steinen statt Holz. Noch einmal wurde Schermbeck ein Raub der Flammen. Im Zuge des Frontübergangs der alliierten Truppen wurden am 23. März 1945 etwa 65 Prozent der Bausubstanz in Schutt und Asche gelegt.

Quelle: RP
 
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