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Wesel
Wäscherei Schweers unter neuer Leitung

Wesel: Wäscherei Schweers unter neuer Leitung
Ingrid und Hermann Schweers (beide 69) werden zum 1. April offiziell in den Ruhestand treten. Ihren Nachfolger, Olaf Fockenberg aus Dorsten, arbeiten sie gerade ein. Er übernimmt die 20 Voll- und Teilzeitkräfte. FOTO: ekkehart Malz
Wesel. Auf der Suche nach einem Nachfolger ist das 1954 in Wesel gegründete Traditionsunternehmen mit Sitz an der Esplanade fündig geworden. Der künftige Chef plant mittelfristig den Umzug innerhalb der Stadt in größere Räume. Von Klaus Nikolei

Viele kleine und mittelständische Unternehmer im Rentenalter treibt die Sorge, dass sie keinen geeigneten Nachfolger finden. So ging es auch Inge und Hermann Schweers (beide 69) lange Zeit. Ihre Kinder leben längst woanders und haben auch nie Interesse gezeigt, die elterliche Wäscherei an der Esplande in der Weseler Innenstadt zu übernehmen. Mit Hilfe einer IHK-Börse im Internet ist es den Eheleuten nun doch gelungen, einen Käufer zu finden.

Auch wenn die offizielle Übergabe erst zum 1. April erfolgt, haben einige der vielen Schweers-Stammkunden den neuen Chef schon kennengelernt. Olaf Fockenberg ist 49, wohnt mit seiner Familie in Dorsten, hat Physische Geografie studiert und war in den vergangenen Jahren bei einem bundesweit tätigen Berufsbekleidungs-Verleihunternehmen als Betriebsleiter beschäftigt. Er kennt sich also aus mit Personalführung, Buchhaltung und Akquise.

"Ich freue mich sehr auf die Aufgabe", sagt er. Schon jetzt ist er täglich in Wesel und Umgebung unterwegs, um Kontakt zu alten und neuen Kunden zu knüpfen.

"Wir sind natürlich sehr froh, dass es mit dem Verkauf geklappt hat", sagt Hermann Schweers, der mit seiner Frau im ersten Obergeschoss der Wäscherei lebt, die seine Eltern 1959 übernommen hatten. Dort wollen sie auch weiterhin wohnen. Gut möglich, dass es in dem Haus in absehbarer Zeit deutlich ruhiger wird. Denn weil die Wäscherei aus allen Nähten platzt, möchte Olaf Fockenberg mittelfristig irgendwo in der Innenstadt neu bauen oder mit dem Betrieb in eine bestehende Immobilie umziehen. Doch das ist, wie gesagt, Zukunftsmusik.

"In den 62 Jahren hatte die Wäscherei an keinem einzigen Werktag geschlossen", sagt Hermann Schweers nicht ohne Stolz. Der in Kleve geborene Kaufmann kam als Achtjähriger mit seinen Eltern aus Kleve nach Wesel. Der Vater war Klempner und eröffnete 1954 in einem der ersten Nachkriegs-Neubauten an der Hohen Straße eine Wäscherei. "Die lief so gut, dass dort schnell der Platz zu eng wurde", erinnert sich Hermann Schweers. Der Umzug zur Esplanade in die Räume der Wäscherei Pries, die den Betrieb eingestellt hatte, erfolgte 1959. Sechs Jahre später stieg Hermann Schweers in das Geschäft ein, das vor allem Hotels und Restaurants in der Region zu seinen Kunden zählt. Ebenso kommunale Betriebe, Krankenhäuser (Stichwort: Berufsbekleidung) und Privatleute, die vor allem Hemden waschen und bügeln lassen können. In diesem Zusammenhang erinnert sich Hermann Schweers gerne an die 70er Jahre. Damals sei das Scheidungsrecht geändert worden. "Und auf einmal brachten uns viele Männer ihre gesamte Schmutzwäsche, um die sich zuvor die Ex-Ehefrauen gekümmert hatten". Doch nach einem Jahr sei der Ansturm vorbei gewesen.

Weil bekanntlich nichts so bleibt, wie es ist, stellt sich Olaf Fockenberg darauf ein, dass in den nächsten Jahren neue Zielgruppen dazukommen. "Wir gehen davon aus, dass in Zeiten des demografischen Wandels die Zahl der Senioren zunehmen wird, die in kleinere Wohnungen ohne Waschmaschine ziehen und Hol- und Lieferdienstleistungen annehmen", sagt der "Jungunternehmer", der künftig Chef von 20 Voll- und Teilzeitkräften sein wird, die meisten davon sind Frauen.

Hermann Schweers hat sich übrigens vorgenommen, ab April praktisch nicht mehr unten im Betrieb aufzutauchen. "Wenn Schluss ist, dann ist auch Schluss", sagt er.

Quelle: RP
 
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