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Niederrhein
Wardt-Szenen werden in Voreifel gedreht

Niederrhein: Wardt-Szenen werden in Voreifel gedreht
Anne Gesthuysen mit "ihren" Schwestern. Von links: Hildegard Schmahl, Jutta Speidel und Gertrud Roll. Die Schauspielrinnen spielen sich alle gut 20 Jahre älter, als sie derzeit sind. FOTO: christoph Reichwein
Niederrhein. Bei den Dreharbeiten zu "Wir sind doch nur Schwestern" spielt der Niederrhein eine große Rolle. Die Filmversion des Buchs von Anne Gesthuysen wird in der ARD zu sehen sein. Jutta Speidel und Hildegard Schmahl spielen Hauptrollen. Von Dirk Möwius

Wardts Pfarrkirche liegt am Rand der Eifel - im Dorf Vettweiß. Zumindest bildet die dortige Sankt-Marien-Kirche die Kulisse für die Messe zum 100. Geburtstag von Hiltrud. Der Roman "Wir sind doch nur Schwestern" von Anne Gesthuysen wird mit prominenter Besetzung für die ARD verfilmt. Am Rande der Dreharbeiten - an der Geburtstagsfeier wirken neben den Hauptdarstellerinnen gut 100 Komparsen mit - wurden erste fertige Szenen und das Konzept der Verfilmung gestern auch den Medien vorgestellt.

Mittendrin und sehr gefragt Anne Gesthuysen. Die aus Alpen-Veen stammende Journalistin und Autorin hat mit ihrem Debütroman um die Schwestern Katty, Paula und Getrud für Furore gesorgt. Über 500.000 mal wurde das Buch verkauft, war lange in den Bestsellerlisten. Schon früh war klar, dass dieser Roman auch verfilmt werden soll.

Der Film wird im Gegensatz zum Buch, in dem viele konkrete Orte aus Xanten, Wardt, Mörmter oder Empel eine Rolle spielen, kein Xanten-Film. Die Geschichte spielt am Niederrhein, nicht in einem konkreten Ort. "Niederrhein ist überall", hatte ja schon Hanns Dieter Hüsch gesagt. Und auch die Schwestern haben einen anderen Nachnamen, sie heißen nun - niederrheinischer geht es nicht - Janssen. Auch die Vornamen sind anders, es geht nun um Hiltrud, Martha und Betty. Aus dem Bauern und CDU-Landtagsabgeordneten Heinrich Hegmann vom Tellemannshof wird im Film Heinrich Verhoeven. Heide Schwochow schrieb das Drehbuch "frei" nach dem Roman von Anne Gesthuysen, wurde betont. Dass das gar nicht anders sein kann, weil ein Film etwas ganz anderes als ein Roman ist, betonten beide Autorinnen gestern. Auch die Figuren verändern sich dadurch, werden für das Drehbuch interpretiert. "Auch meine Figuren sind Romanfiguren", betont Anne Gesthuysen. Ihre Tanten seien ein Vorbild gewesen, die Figuren im Roman seien jedoch auch von anderen Erinnerungen beeinflusst worden. Entscheidend sei, dass der "Geist des Romans" erhalten geblieben ist. Gut drei Jahre dauerten die Arbeiten am Drehbuch, und Anne Gesthuysen brachte Heide Schwochow dafür den Niederrhein nahe, nahm sie mit zu den Orten der Handlung und zu ihrer Familie. "Ich wusste vorher gar nicht, wo der Niederrhein liegt", räumte Heide Schwochow ein.

Der Film ist prominent besetzt. Für die drei Schwestern wurden für die verschiedenen Altersstufen jeweils drei Darstellerinnen engagiert. Die Rolle der fast 100-jährigen Hiltrud übernimmt Hildegard Schmahl ("Der Geschmack von Apfelkernen"), während Claudia Geisler-Bading ("Tschick") die Rolle nach Ende des Zweiten Weltkrieges spielt, Caroline Hellwig gibt die Hiltrud um 1915. Martha, die mittlere der drei Schwestern, wird von Gertrud Roll ("Vorstadtweiber") verkörpert, Caroline Ebner ("Viehjud Levi") und Nathalie Lucia Hahnen (TV Debüt 2012 im Kölner "Tatort") übernehmen die Rolle in den anderen beiden Zeitebenen. Die 84-jährige Betty wird von Jutta Speidel ("Fanny") gespielt. Sie hatte den Roman übrigens schon lange, bevor ihr die Rolle angeboten wurde, mit Begeisterung gelesen. Christiane Bärwald ("Lerchenberg") und Charlotte Banholzer stellen die dritte Schwester im Bunde als junge Frau und als Mädchen dar. Benjamin Sadler ("Der Gutachter - Ein Mord zu viel", "Das Programm") ist als Heinrich Verhoeven zu sehen, in weiteren Rollen spielen Matthias Brenner und Andreas Nickl.

Was tun, wenn die eine Schwester 100 wird, mit der die andere seit vier Jahrzehnten nicht gesprochen hat? So die zentrale Frage in der Filmversion. Für Martha ist die Sache klar: Sie will die Jubilarin Hiltrud und Betty endlich versöhnen. Das letzte Mal sahen sich die drei vor Gericht - über 40 Jahre ist der Prozess gegen den CDU-Politiker Heinrich Verhoeven nun her. Verhoeven, angeklagt wegen Ehebruchs mit seiner Haushälterin Betty, wurde nur aufgrund der Falschaussagen von Hiltrud und Martha freigesprochen. Für die kleine Schwester unter Eid lügen zu müssen - ein rotes Tuch für Hiltrud, die seither mit Betty nie wieder ein Wort gewechselt hat. Zugleich ist der Film ein Flug durch 100 Jahre deutsche Geschichte mit zwei Weltkriegen, erlebt von den drei Schwestern vom Niederrhein, die sich nicht unterkriegen lassen.

Bis in den Herbst werden die Arbeiten an dem Film dauern. Im Fernsehen wird "Wir sind doch Schwestern" vermutlich Ende des Jahres zu sehen sind.

Quelle: RP
 
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