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Hamminkeln
Warum Bauern sich über Frost freuen

Hamminkeln: Warum Bauern sich über Frost freuen
FOTO: Kreisbauernschaft
Hamminkeln. Kälte ist gut für Böden. Kreis-Landwirt Wilhelm Neu aus Brünen hofft auch auf eine Wirkung gegen die Schweinepest. Von Fritz Schubert

Nachtfrost, für viele Menschen ein Grund zur Sorge, hat auch seine guten Seiten. Die rheinischen Bauern freuen sich in diesen Tagen geradezu über die tiefen Temperaturen. Dass die Thermometerwerte in der kommenden Woche noch tiefer in den Eiskeller gehen sollen, lässt Wilhelm Neu aus Brünen außerdem auf besondere Extraeffekte hoffen. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel setzt darauf, dass die jetzt einsetzende Härte nach dem vergleichsweise milden Winter nicht nur den Böden guttut. Er spekuliert auch auf eine Wirkung gegen die Afrikanische Schweinepest, die derzeit für Unruhe sorgt. "In den vergangenen Wintern hatten die Wildschweine hier ein Paradies auf Erden. Ich hoffe, dass sich jetzt die Spreu vom Weizen trennt", sagt Neu.

Die aktuelle Überpopulation mit ihren negativen Begleiterscheinungen hat laut Neu damit zu tun, dass viel mehr Jungtiere als üblich groß werden konnten. Nun könne auf natürliche Weise der Bestand reduziert werden. Trotzdem bleibt Neu Realist und sagt, dass es nicht die Frage ist, ob die Schweinepest kommt, sondern wann sie kommt. Wenn das Problem in den Ställen um sich greift, seien gravierende Folgen für die Exporte ins nichteuropäische Ausland zu erwarten. Sie könnten zum Stillstand kommen, sagt der Brüner, und in der EU würde das Angebot die Nachfrage weit übertreffen.

Während Viehzüchter also auf dezimierende Wirkung für die Wildschweine hoffen, begrüßen Ackerbauern die Kälte zunächst aus ganz anderen Gründen. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) teilte mit, dass die niedrigen Temperaturen der Bodenstruktur zugute kommen. "In frostigen Nächten entsteht die sogenannte Bodengare. Dabei gefriert das im Boden enthaltene Wasser und dehnt sich aus. Große Erdklumpen werden dadurch zerteilt und zerkrümelt, der Boden wird also gelockert. Perfekte Bedingungen für die anstehenden Frühjahrsarbeiten und die Aussaat von Rüben, Kartoffeln und Co.", erklärte der Verband.

Vor dem Winter ausgesäte Pflanzen wie der Winterweizen hätten kein Problem mit der aktuellen Kälte. "Im Gegenteil", so der RLV weiter. "Sie benötigen tiefe Temperaturen und Kältereize, um aus ihrer Vegetationsruhe zu erwachen. Durch diese sogenannte Vernalisation wird das Wachstum der Pflanzen angeregt." Ein Nachteil wäre die Kälte höchstens für Schädlinge wie Läuse oder Mücken. "Noch ein Grund für die Bauern, dem Frost etwas Positives abzugewinnen", sagt der Verband.

Die besagte Bodengare hat besonders für Bewirtschafter schwerer Böden entlang der Rheinschiene ihr Gutes, sagt Wilhelm Neu. Sie müssten sich allerdings auf die Nachtfröste vorbereitet haben, dürften jetzt nicht den Zeitpunkt verpassen, ihre Felder ordentlich umzupflügen. Einen Tipp - nicht nur für Berufskollegen - hat er noch parat: "Jeder sollte Vorkehrungen treffen, dass die Wasserleitungen nicht einfrieren. In der kommenden Woche soll es richtig rund gehen mit Tiefsttemperaturen, die wir alle nicht mehr gewohnt sind."

Aus Sicht des RLV heiße es nun abwarten, wie der Saisonstart in der Feldwirtschaft gelingt. Der Frost sei in diesem Jahr zwar später als sonst gekommen, aber noch völlig im Rahmen. "Wichtig ist es nun, dass es nicht zu viel Regen gibt, damit die Böden weiterhin befahrbar bleiben und es bald losgehen kann mit Mais, Rüben und Frühkartoffeln", sagt der Verband.

Quelle: RP
 
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