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RP-Analyse Krankenhaus-Konzentrationen
Warum sich Fusion für Kliniken rechnet

RP-Analyse Krankenhaus-Konzentrationen: Warum sich Fusion für Kliniken rechnet
In Wesel hoffen alle, dass die Verwaltung des Marien-Hospitals (l.) in der Kreisstadt bleibt. FOTO: Malz
Wesel. Das Marien-Hospital will mit starkem Partner zusammengehen. Das Evangelische Krankenhaus wird ähnliches tun müssen. Von Klaus Nikolei und Fritz Schubert

Wesel In der Krankenhaus-Landschaft am Niederrhein herrscht Aufruhr. Wie die RP exklusiv berichtete, ist eine Zusammenlegung der katholischen Krankenhaus-Verbünde aus Wesel und Kleve in greifbare Nähe gerückt. Hintergrund sind die wirtschaftlichen Zwänge. Eine Fusion dieser Größenordnung hat Auswirkungen auf die Patienten und natürlich auch auf das Personal. Wer immer weiter an der Kostenschraube dreht, kommt um den Abbau von Stellen nicht herum, wie Insider der Branche im RP-Gespräch bestätigen. In diesem Zusammenhang stellt sich ganz automatisch die Frage, ob sich auch Mitbewerber wie das Evangelische Krankenhaus Wesel (EVK) mit ihren Angeboten neu aufstellen müssen? Zunächst sagt Rainer Rabsahl, EVK-Geschäftsführer, dazu jedoch nur diesen einen Satz: "Ein interessanter Prozess, den wir aufmerksam verfolgen."

Ein Fachmann aus dem Gesundheitswesen beschrieb im Gespräch mit der RP die Gesamtlage gestern ganz nüchtern: Habe das Land 1970 noch 50 bis 60 Prozent der Klinikkosten aus Steuern finanziert, so seien es heute nur noch fünf Prozent und weniger. Damit habe sich der Staat nahezu komplett aus dieser Art der Daseinsvorsorge verabschiedet. Einziger Ausweg: Kooperation beziehungsweise Fusion und Abkehr vom Maximalangebot zugunsten einer Spezialisierung auf einzelne Disziplinen pro Haus. Vorteil für den Patienten ist, dass die Qualität steigt, der Nachteil, dass er dafür eventuell weitere Wege in Kauf nehmen muss. Für die Kliniken, so der Experte, rechnet sich das Ganze, wenn nicht überall für alle Abteilungen Chefärzte und Pflegedienstleitungen vorgehalten werden müssen.

Auch wenn, wie berichtet, die Katholische Karl-Leisner-Trägergesellschaft Kleve und die Holding pro homine Wesel erst ganz am Anfang ihrer Fusionsverhandlungen stehen, so dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass da über kurz oder lang zwei große Träger zu einem Klinik-Riesen verschmelzen.

Und doch: Die Konkurrenz in Wesel dürfte diese Entwicklung zunächst wenig schocken. Denn zum Einen befinden sich die beiden anerkannt guten Häuser seit jeher im Wettbewerb. Zum Anderen wird es den Otto-Normal-Patienten kaum interessieren, ob das Marien-Hospital mit Kleve kooperiert und das EVK gleichzeitig keinen starken Partner an seiner Seite hat. Der Patient wird auch künftig entweder von seinem Facharzt in das eine oder das andere Haus überweisen. Oder aber, er sucht sich den Anbieter aus, von dem er sich - wie jetzt auch schon - die bessere medizinische Versorgung erhofft.

Auf Sicht wird auch das Evangelische Krankenhaus stärker als bislang nach einem Partner Ausschau halten müssen. Dafür dürften nicht nur konfessionelle Kliniken in Betracht kommen.

Aufmerksam hat gestern CDU-Fraktionschef Jürgen Linz den RP-Bericht gelesen und sich dabei an den jüngsten Besuch seiner Fraktion im EVK erinnert. "Ich hoffe, dass die Verwaltung in Wesel trotz der geplanten Fusion bleibt und keine Abteilung des Marien-Hospitals geschlossen wird", sagte er. "Ich denke, dass sie sich nicht in die Quere kommen, da sich beide Häuser spezialisiert und gut aufgestellt haben."

Quelle: RP
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