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Schaulustige behindern Rettungskräfte in Wesel
Was tun gegen Gaffer?

Schaulustige behindern Rettungskräfte in Wesel: Was tun gegen Gaffer?
An einem Fußgängerüberweg an der Reeser Landstraße, unweit der Hans-Böckler-Straße, fuhr am Mittwoch ein 90-Jähriger eine 36 Jahre alte Frau und ihre beiden Kinder (vier und fünf Jahre alt) an. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Nach dem tragischen Unfall auf der B 8 in der Feldmark hatten am Mittwoch gedankenlose Zeitgenossen Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit behindert und auch gefilmt. Die Polizei arbeitet an Strategien, wie sie künftig mit Schaulustigen umgeht. Von Klaus Nikolei

Was sich da am Mittwoch kurz vor 18 Uhr an der Reeser Landstraße (B 8) in der Feldmark - unweit der Hans-Böckler-Straße - nach einem schweren Unfall abgespielt hat (siehe Infobox), können selbst altgediente Polizeibeamte kaum fassen. Während Rettungskräfte intensiv damit beschäftigt waren, eine lebensgefährlich verletzte Frau und deren Kinder auf der Straße zu versorgen, hatten sich am Straßenrand zahllose Gaffer postiert. Mindestens eine Person hat nach Angaben der Polizei die Situation mit einem Smartphone gefilmt. Und das ist nach Paragraf 201a des Strafgesetzbuches ("Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen") ein Vergehen, das mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden kann.

"Was da passiert ist, war absolut pietätlos", sagte gestern Polizeisprecher Daniel Freitag im Gespräch mit der RP. Die Einsatzkräfte seien derart behindert worden, dass die Feuerwehr nachträglich hinzugerufen werden musste, um einen Sichtschutz aufzubauen. Auch hätten sich einige Schaulustige den direkten Anweisungen der Ordnungskräfte widersetzt, die Platzverweise ausgesprochen hätten. "Wir arbeiten jetzt bei der Polizei an einer Strategie, wie wir künftig mit einer solchen Problematik im Rahmen von Recht und Gesetz umgehen werden", sagte Freitag.

Entsetzt über das Verhalten der Schaulustigen in der Feldmark zeigte sich gestern CDU-Fraktionschef Jürgen Linz. "Ich bin regelrecht wütend über die Gaffer und denke, dass man über dieses Problem reden muss", so Linz. Es sei wichtig, dass diese Sensationslust, die der CDU schon lange ein Dorn im Auge sei, nicht einfach hingenommen werde. "Wir müssen schauen, wie wir die Polizei bei ihrer Arbeit unterstützen können und wie Präventionsarbeit beispielsweise in den Schulen geleistet werden kann. Man muss junge Menschen sensibilisieren und ihnen deutlich machen, dass es nicht sein kann, dass Opfer von Unfällen gefilmt und die Videos dann im Internet verbreitet werden." Linz könnte sich durchaus vorstellen, dass Bodycams (an Einsatzwesten befestigte Mini-Kameras) der Polizei helfen könnten, Gaffer zu filmen. Auf jeden Fall werde man das Thema nicht mehr aus den Augen verlieren.

Bei der Weseler Polizei möchte man sich zum Thema Bodycams nicht äußern. Ob Kameras eingesetzt werden, entscheide alleine das Land, heißt es. Auf Anfrage der RP erklärte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums gestern, dass Bodycams noch bis Herbst in anderen Bundesländern getestet würden. Allerdings sollten Bodycams in erster Linie im Falle eines Angriffs vor Gericht verwertbare Aufnahmen liefern. Sie seien nicht dazu gedacht, Verdächtige zu filmen.

Quelle: RP
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