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Wesel
Wenn Kaya Yanar in Wesel sächselt

Wesel. Der Erfolgs-Comedian unterhielt 1700 Fans in der ausverkauften Niederrheinhalle. Er war bereits zum vierten Mal in Wesel. Vor dem Auftritt schaute er sich in der Stadt um. Von Thomas Hesse

"Planet Deutschland", Zwischenstation Wesel: Kaya Yanar ist derzeit erfolgreich mit seinem neuen Bühnenprogramm unterwegs, und er hält, was es verspricht. In seinem Heimatland erzählt der gebürtige Frankfurter mit türkischem Hintergrund, der viele Dialekte kann, nur nicht ordentlich hessisch babbeln, schräge Abenteuer aus einem ordentlichen und durchregulierten Land. Der Star-Comedian, der die Hallen füllt, rast in seiner typischen Dauerquassler-Art über die Bühne, verheddert sich in Wortkaskaden, springt in grellen lautmalerischen Sprachungetümen in wechselnde Rollen, hampelt, grimassiert und hält von Anfang bis Ende hohes Tempo durch. Kaya Yanar kann das Publikum in Atem halten, und dem gefällt's, auch weil er es immer wieder interaktiv einbezieht.

Lokalkolorit kommt nicht zu kurz, was im ersten Teil am platten Niederrhein und der alpinen Schweiz liegt. 1700 Comedy-Fans in der ausverkauften Niederrheinhalle und schon zum vierten Mal in diesem aufsehenerregenden Bühnenort - der Comedian bewundert den 70er-Jahre-Charme der Halle mit den "Lampions" an der Decke mit ihrer Staubfängerfunktion.

Er war schon in der Stadt unterwegs und hat am Rhein den Circus Flicflac gesehen, was er alle wissen lässt und nicht ahnt, dass die Fans aus dem weiten Umkreis kommen und vielfach nichts über Wesel wissen. Egal, Wesel ist der Tourort, den Kaya Yanar mag und den er nächstes Jahr wieder besucht. Das schweizerische Lokalkolorit hat damit zu tun, dass er nun schwer verliebt bei seiner Freundin in Zürich lebt, ihr aber den "Planet Deutschland" schmackhaft machen will, weil er seine kommenden Kinder verstehen will, was er aber nicht kann, wenn die auf Schwyzer Dütsch programmiert sind, und er nun dazu verdonnert ist, ihr die schönen Seiten des anderen Gestirns neben der Schweiz schmackhaft zu machen.

Und weil man vom benachbarten Zwergplaneten aus eine viel bessere Sicht auf "Planet Deutschland hat, sprudeln die Gags nur so aus ihm heraus. Eine verbal anspruchsvolle Aufgabe, die Kaya Yanar mit den tierlieben, sportlichen, verrückt autofahrenden und dialektreichen Seiten des Landes und in der Manier der witzigen Labertasche absolviert.

Der 42-Jährige, der seit 20 Jahren im Geschäft ist, weiß, wo er als Sprachbegabter ansetzen muss. Bei Schas-Chakra und Dialektpflege, zum Beispiel.

Er changiert unter großem Gelächter zwischen sächsisch - "nicht erotisch, aber ich mag die Sprache" -, Bayrisch oder Kölsch. Dass er sich seiner Freundin zu Liebe in Yoga zu versenken sucht, aber nicht dafür geschaffen ist, glaubt man ihm in Dialekt verpackt aufs rasende Wort. Dass er neben "Uttanasana" und "Shavasana" vor allem auf sein "Schas-Chakra" vertraut, sei hier noch erwähnt.

Manchmal gibt es kurze Längen, in der verbalen Geräuschkulisse weiß man dann nicht, zu welchem Thema hat er sich nun gequatscht. Yanars Paradedisziplin kommt dann gerade recht: Spontan pickt er sich aus dem Publikum zugerufene Migrationshintergründe heraus und treibt so seinen Schabernack mit Italienern, Türken, Spaniern, Polen und gerne auch Niederländern, was ihm - niederrheinisch gesehen - diverse Lacher sichert. Hier verschmilzt der Saal zu jenem Vielvölkereuropa, an das derzeit niemand so recht glauben will. Einmal wird er im Gute-Laune-Programm dann sogar politisch emotional: Wenn es um Flüchtlinge geht und die sächsischen Proteste, die er nicht verstehen kann, obwohl er Dialekt, Dresden und die Menschen dort mag.

Quelle: RP
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