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"Als Müllvermeider wird man bestraft"
Ärger in Wesel wegen zusätzlicher Mülltonne

Wesel: Ärger wegen zusätzlicher Mülltonne
Andreas Reimann kann nicht verstehen, warum er einen Teil seines Grünschnitts nicht zu seinen Eltern nach Voerde bringen kann. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Familie Reimann aus Wesel soll eine neue Mülltonne aufstellen. Das würde sie 291 Euro pro Jahr kosten. Doch sie braucht die Tonne gar nicht, sagt die Familie. Von Klaus Nikolei

Andreas Reimann (57) aus Wesel versteht die Welt nicht mehr. Genauer gesagt die Logik des städtischen Betriebes ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) in Bezug auf die Müllgebühren. Denn der Diplom-Ingenieur, der mit Frau, Sohn und fünf Enkelkindern in einem Reihenhaus am Barthel-Bruyn-Weg in der Feldmark lebt, wurde kürzlich aufgefordert, eine zusätzliche und damit auch teurere Mülltonne zu nehmen.

Obwohl die Familie anfallenden Grünschnitt und Biomüll entweder selbst kompostiert, zur Grünschnittannahme des Wertstoffhofes bringt oder zu den Eltern von Andreas Reimann nach Voerde fährt. Denn die haben ein großes Grundstück und Platz genug.

"Seit fünf Jahren haben wir eine 80 und eine 120 Liter fassende Tonne. Das hat voll und ganz gereicht. Nun aber soll uns eine 120 Liter Tonne zusätzlich zugewiesen werden, die wir aber überhaupt nicht brauchen", sagt der 57-Jährige. Die überflüssige Tonne würde die Familie 291 Euro zusätzlich pro Jahr kosten. Für ihn ist das "eine Geldbeschaffungspolitik für den ASG", wie er sagt. Zumal er als Müllvermeider auch noch bestraft werde.

Naturgemäß sieht man beim ASG die ganze Sache völlig anders. Doreen Bonnes, stellvertretende Leiterin des städtischen Betriebes, erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, "dass wir solche Dinge nicht in der Öffentlichkeit klären". Allerdings empfiehlt sie in solchen Fällen generell eine Biotonne, die auf jeden Fall günstiger sei als eine Restmülltonne und natürlich auch ökologisch sinnvoller. Anders als in vielen anderen Kommunen gibt es in Wesel bekanntlich keinen Zwang, die Biotonne zu nehmen.

Ganz allgemein verweist Bonnes auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz, in dem geregelt ist, dass alles, was an Müll privat anfällt, auch dem Entsorger überlassen werden muss. "Was man selbst nicht im Garten verwerten kann, kann man entweder in der Biotonne oder in der Restmülltonne entsorgen", sagt sie. Wie selbst hergestellter Kompost auf einem Grundstück zum Düngen genutzt werden kann, dafür gibt es beim ASG eine Regel: Pro Person 20 Quadratmeter Fläche. Das würde bei der achtköpfigen Familie Reimann 160 Quadratmeter bedeuten. Tatsächlich ist die vorhandene Fläche aber nur knapp 80 Quadratmeter groß. Wie gesagt, die Argumentation von Andreas Reimann, dass er die Hälfte des Grünschnitts zu seinen Eltern bringe, fruchtet beim ASG nicht. Man verweist auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Weil der Ingenieur weiß, dass er beim ASG auf taube Ohren stößt, hat er bereits sämtliche Ratsfraktionen anschreiben. "Ich bin ja nicht alleine mit dem Problem, das gewiss Tausende in der Stadt haben." Er hofft jedenfalls, dass sich die Politiker demnächst dieses Themas annehmen werden.

Quelle: RP
 
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