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Rp-Thema Diskussion Um Gesamtschulen
Wesel als abschreckendes Beispiel

Wesel. Hamminkeln zeigt, wie man eine Gesamtschul-Dependance diskutieren kann, ohne Beteiligte auszuschließen. Der Politik dort graust es, wie das Thema in der benachbarten Kreisstadt derzeit gehandhabt und Krach provoziert wird. Von Thomas Hesse

HAMMINKELN/WESEL Das Überfallkommando bestand aus SPD, Grüne, Linke und WWW/Piraten mitsamt Verwaltung und Führung der Gesamtschule Am Lauerhaas. Hinter verschlossenen Türen verabredete die Gesinnungsgemeinschaft, erst eine zweite Gesamtschule in Wesels Innenstadt zu implantieren. Dann, als die Bezirksregierung abwinkte, eine Dependance, was die Schließung von Realschule-Mitte und Hauptschule Martini und wachsende Konkurrenz zum direkt benachbarten AVG zur Folge hat. Betroffene Schulleiter und Lehrer erfuhren vom Plan aus den Medien, mit ihnen redete niemand zuvor. Der Stadtelternrat Wesel wird erst ignoriert, dann lückenhaft informiert. Eltern kommen nicht zu Gehör. Schuldezernent Daniel Kunstleben läuft öffentlich meinungslos durch die Gegend und verpatzt - gerade erst auf SPD-Ticket in die Position gehoben - seinen Einstieg in den Job. Der lautstarke Krach dringt bis nach Hamminkeln und bestärkt die Politik vor Ort in ihrer langlebigen Abneigung gegen die Politik-Art der Nachbarstadt.

Peter Fege (SPD) sprach im Hamminkelner Schulausschuss gar "vom abschreckenden Beispiel Wesel". Weseler Rat und Verwaltung möchte man empfehlen, nach Hamminkeln zu schauen. Dort werden beim schwierigen Thema Gesamtschul-Standort in Dingden nicht mustergültig alle Beteiligten einbezogen. Nur die Eltern sind noch nicht befragt. Dass sie ein Wörtchen mitreden sollten, müsste geschehen, so Fege.

Wenn zwei das Gleiche tun, um die Frage einer Schul-Dependance zu beantworten, ist es noch längst nicht dasselbe. Das politisch delikate Problem wurde in Hamminkeln schon dadurch breit eingestielt, dass je ein Gutachterbüro für Stadtentwicklung und für die Bau- und Kostenseite umfassende Transparenz schaffen. Dann folgten alleine drei Workshops mit der Gesamtschulleitung und den Gutachtern. Zwei Termine wurden mit Schulbegehungen der versammelten Experten in Hamminkeln und Dingden durchgeführt, ein weiterer galt speziell dem Thema Inklusion. Zwischendurch gab es heiße interne Debatten mit dem Gebäudemanagement im Rathaus, welche baulichen Lösungen denn wie zu bewerten seien. Am Ende des Beteiligungsprozesses stand die interne Vorstellung für Ausschussmitglieder und andere politische Vertreter. Diese Woche nun ging es in die erste öffentliche und bemerkenswert sachliche Präsentation im Schulausschuss.

Dort stritt nicht nur Gesamtschul-Direktorin Anette Schmücker energisch für einen zentralen Standort. Unter anderem sieht sie in Dingden, wo nach Auslaufen der Hauptschule 2017/18 die fünften und sechsten Klassen unterkommen könnten, zu wenig Fachräume für Arbeitslehre und musische Ausbildung. Das Raumprogramm ist damit bekannt, in Wesel wurde bisher kein Wort darüber verloren. Auch Dezernent Palberg positionierte sich im Ausschuss, indem er den FDP-Vorstoß, die Oberstufe nach Dingden zu holen, als nicht realistisch einschätzte.

In Wesel wurde und wird die Gesamtschul-Dependance in Windeseile ohne CDU und FDP per Kampfabstimmung durchgedrückt. Und der Elternwille interessiert nicht, was auch der Stadtelternrat beklagt (siehe Interview). "So nicht", sagt auch Hamminkelns Fachbereichsleiterin Rita Nehling-Krüger. "Schulentwicklung ist ein Prozess. Wie kann eine Gesamtschule sauber in bestehende Strukturen hineinwachsen, dass sie zu Hamminkeln passt? Die Entscheidung braucht breite politische Mehrheit." Die Gutachten 2012 und 2015 werden nun ins Internet gestellt, eine Pro-und-Contra-Liste soll die Standort-Entscheidung abrunden. Das hört sich ganz anders an als bei den politischen Krachmachern in Wesel, deren Methode das Gegenteil von Akzeptanzschaffen ist.

Quelle: RP
 
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