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Wesel
Wesel stemmt sich gegen neue B 8-Trasse

Wesel. Die SPD-Infoveranstaltung im Lippeschlößchen war trotz der EM-Partie sehr gut besucht. Anwohner fürchten wegen der Straßenpläne um ihre Häuser. Die Fraktion will mit einer Resolution des Rates ein Umdenken in Bund und Land. Von Fritz Schubert

Die jüngste Ausgabe des Bundesverkehrswegeplans hat vielerorts für Verwirrung gesorgt. Ungenaue Informationen spielten dabei ebenso eine Rolle wie Fehlinterpretationen. Nun schält sich ein neuer Konfliktherd heraus, der bei näherer Betrachtung aber ein alter ist: der Neubau der B 8. Gemeint ist im Grunde eine Verlängerung der Autobahn 59 von Walsum nach Wesel mit teils vierstreifigem Ausbau. Und das wird in der Region ganz unterschiedlich bewertet. Wie berichtet, hatte Bundestagsabgeordneter Dr. Ulrich Krüger (SPD) in einem ersten Aufschlag das Vorhaben als segensreich begrüßt. Das Projekt ist beim Bund eingestuft in der Kategorie "vordringlicher Bedarf", was die Stadt Dinslaken wegen eines Entlastungseffekts prima findet.

In Voerde sieht das anders aus. Die Stadt, auf deren Gebiet die neue B 8 zum größten Teil verlaufen würde, lehnt das Vorhaben als "unverträglich" ab. Und auch in Wesel formiert sich bereits der Widerstand. Die SPD strebt eine Resolution des Rates an, um Bund und Land zum Umdenken zu bringen. Für Donnerstagabend hatte die Fraktion zu einer Infoveranstaltung in das Lippeschlößchen eingeladen. Trotz der anstehenden Halbfinalpartie bei der Fußball-EM kamen gut 90 Leute zu einer intensiven Diskussion zusammen. SPD-Chef Ludger Hovest schätzte, dass damit auch gut 90 Prozent aller Betroffenen aus dem Raum Lippedorf da waren. Und deren Haltung scheint klar zu sein: Die Trasse in vorliegender Planung ist für sie undenkbar.

So sieht es auch die Weseler SPD. Die Idee, den Verkehr aus den überlasteten Straßen herauszunehmen, sei zwar richtig, sagte Hovest. Die alte Trassenführung aber sei nicht mehr zeitgemäß und falsch, da sie die inzwischen gewachsenen Wohnstrukturen und die Belange der Bevölkerung nicht berücksichtige. In Lippedorf soll die Trasse nach dem Willen der Planer ungefähr dort verlaufen, wo heute noch Reste der alten Bahntrasse Friedrichsfeld Wesel sichtbar sind. Vermutlich müssten Dutzende Häuser der neuen B 8 weichen.

Die Verwaltung um Bürgermeisterin Ulrike Westkamp erklärte, dass die Stadt vor Monaten in ihrer Stellungnahme darauf hingewiesen hat, dass eine verträgliche Trassenführung gefunden werden müsse. Dabei müssten die Belange der Bevölkerung ebenso beachtet werden wie die Suche nach einer besseren Lenkung des Verkehrs.

Hovest betonte, dass die SPD Wesel die Anliegen der Anwohner übernimmt. Besagte Resolution soll am 20. September dem Rat vorliegen. Gefordert werden eine alternative Lösung und die Beerdigung der bisherigen Uraltplanung. Die Stadt Voerde setzt übrigens auf "Ausbau vor Neubau". Sie favorisiert Verbesserungen der B 8 in bisheriger Linienführung. Dabei kämen auch Tunnellösungen oder Lärmschutz in Betracht.

Quelle: RP
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