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Wesel
Weseler Bauverein-Chefin muss gehen

Wesel: Weseler Bauverein-Chefin muss gehen
Anett Leuchtmann hat in den Verhandlungen zur Verlängerung ihres Vertrages wohl zu hoch gepokert und hatte am Ende das Nachsehen. Der Aufsichtsrat der Bauverein Wesel AG ging nicht auf die Forderungen der Vorstandsfrau ein. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Keine Vertragsverlängerung nach Streit um neue Konditionen: Der Aufsichtsrat der städtischen Tochter Bauverein Wesel AG trennt sich nach zehn Jahren von Vorstand Anett Leuchtmann. Zum 31. Juli 2018 endet ihr Beschäftigungsverhältnis. Von Fritz Schubert und Klaus Nikolei

Die Personalie des Jahres kam gestern ganz unscheinbar daher. Um 12.15 Uhr veröffentlichte die Bauverein Wesel AG eine Pressemitteilung mit dem Titel "Positiver Rückblick auf das Jahr 2017: Bewährtes sichern. Neues wagen." Vorstandsfrau Anett Leuchtmann hebt darin die diversen Erfolge hervor und blickt optimistisch nach vorn. Eine gute Stunde später gibt sie telefonisch bekannt, dass ihr Vertragsverhältnis zum 31. Juli 2018 endet. Ein plötzlicher Sinneswandel steckt nicht dahinter. Nach RP-Informationen hat es in der jüngsten Vergangenheit eine lange und harte Auseinandersetzung zwischen Leuchtmann und Bauvereins-Verantwortlichen über die künftigen Konditionen gegeben - also über das Gehaltspaket aus Geld, Dienstwagen, Urlaubstagen, Versicherungen und ähnlichen Bestandteilen. Am Montag zog der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Bürgermeisterin Ulrike Westkamp einstimmig die Reißleine und setzte Leuchtmann darüber in Kenntnis, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird.

Leuchtmann, seit 2006 Mitglied des Vorstandes und seit August 2008 Alleinvorstand des Bauvereins, erklärte, dass sie es sehr bedaure, dass ihr Vertrag nicht verlängert worden sei. "Ich hätte es mir sehr gewünscht, mindestens noch einmal für Jahre für den Bauverein tätig sein zu können. Das habe ich immer auch ganz klar kommuniziert." Auf die Frage, ob sie die Gründe für die einstimmige Entscheidung des Aufsichtsrates kenne, sagte sie im RP-Gespräch: "Die wahren Gründe kann ich mir nicht erklären." Wichtig sei ihr zu sagen, dass das Unternehmen modern und leistungsstark sei und "ich stets absolut loyal zum Bauverein war und bin." Nun werde sie sich nach einer neuen beruflichen Herausforderung umsehen.

Zwar wollte sich die 53-jährige Bau-Ingenieurin und ausgebildete Immobilienfachwirtin gestern zu den Vertragsverhandlungen in den vergangenen Monaten nicht äußern. Doch muss es hinter den Kulissen richtig zur Sache gegangen sein. Nach Informationen unserer Redaktion hätten Leuchtmanns Forderungen die erträglichen Maße überschritten. Unter anderem soll sie mit ihrem Jahresgehalt von 160.000 Euro nicht mehr zufrieden gewesen sein und eine Erhöhung gefordert haben. Die Bürgermeisterin verdient übrigens weniger. Auf Leuchtmanns Wunschliste sollen unter anderem ein anderer Firmenwagen - bislang fährt sie einen Passat CC -, 45 statt 30 Tage Urlaub und eine vertragliche Zusicherung gestanden haben, einen Großteil des Urlaubs im Januar und Februar nehmen zu können. Auch soll sie einen Home-Office-Arbeitsplatz gefordert haben, so dass sie freitags nur noch telefonisch zu erreichen gewesen wäre. Das alles und der Wunsch, als Vorstand eine Handlungsvollmacht von fünf Prozent der Bilanzsumme von 63 Millionen Euro zu bekommen, wird wohl das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Zumal sich der Aufsichtsrat erkundigt hat, dass Bauvereine in gleicher Größenordnung ihren Vorständen deutlich weniger zahlen. Angesichts dieser Vielzahl von Forderungen soll im Aufsichtsrat der Eindruck entstanden sein, dass Leuchtmann am Ende kein Interesse mehr am Bauverein habe. Außerdem soll nach RP-Informationen die Chemie zwischen Leuchtmann und Westkamp sowie SPD-Chef Ludger Hovest nicht gestimmt haben.

Damit im Sommer eine Nachfolgerin beziehungsweise ein Nachfolger die Geschäfte übernehmen kann, soll die Stelle bald ausgeschrieben werden. Über das Prozedere wird der Aufsichtsrat in der ersten Januarwoche diskutieren.

Verwundert zeigte sich gestern Aufsichtsratsmitglied Hovest im RP-Gespräch, dass Leuchtmann offensichtlich die vom Aufsichtsrat am Montagabend formulierte Presseerklärung zu ihrem Ausscheiden nicht weitergereicht habe. "Ich weiß nicht, welche Konsequenz das hat", so Hovest. Der SPD-Chef war es, der die Brandenburgerin 2006 als Nachfolgerin von Ex-Sparkassenchef Klaus Breuer für den damals noch zweiten Vorstandsposten neben Franz Michelbrink präsentiert hatte. Breuer war wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden und hatte sich danach zurückgezogen.

Quelle: RP
 
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