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Wesel/Kleve/Rheinberg
Weselerin restauriert Heiligenfiguren

Wesel/Kleve/Rheinberg: Weselerin restauriert Heiligenfiguren
Beate Zumkley und Reinhard Karrenbrock begutachten den Prophet aus der Stiftskirche Kleve. FOTO: Büttner
Wesel/Kleve/Rheinberg. Die Heiligenfiguren, die vor langer Zeit aus Kirchen am Niederrhein gestohlen wurden, werden in Wesel hergerichtet. Von Martina Stöcker

Wenn Beate Zumkley Original und Kopie nebeneinander sieht, muss sie auch ein wenig schmunzeln. Der Faltenwurf der Apostelfigur aus dem Hochaltar in St. Peter in Rheinberg ist perfekt; die beiden Figuren sind gleich hoch, doch hat der nachgemachte Apostel ein viel kräftigeres Gesicht und eine breitere Statur. So wirkt er kleiner und knubbeliger. "Die Replik wurde nach einem Foto gearbeitet - anscheinend hat man die Proportionen drauf nicht wirklich erkennen können", sagt die Restauratorin aus Wesel.

Nun hat die Kopie auch ausgedient. Denn die Figuren, die Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre aus Kirchen am Niederrhein gestohlen und durch Nachbildungen ersetzt worden waren, sind zurück. Das Bundeskriminalamt hatte sie nach aufwendiger Recherche bestimmen können und in dieser Woche den Bistümern Aachen und Münster übergeben. Das Bistum Münster lässt die Figuren, die aus Altären in Rheinberg und Kleve stammen, nun restaurieren.

Mit dem Zustand der Heimgekehrten sind die Restauratorin und Reinhard Karrenbrock, zuständiger Kunstpfleger des Bistums, sehr zufrieden. Sie scheinen vom Dieb gut behandelt worden zu sein. Der Apostel (um 1435) aus Rheinberg ist besser in Schuss. Der Prophet (frühes 16. Jahrhundert) aus Kleve macht ihnen ein wenig mehr Sorgen. Der Text auf dem Spruchband ist etwa nicht mehr zu lesen. Bei der Figur ist zudem die sogenannte Fassung, die Bemalung, so fragil, dass Beate Zumkley nicht wagt, sie in die Senkrechte zu bringen. Über die Schönheit des Propheten sind sich beide einig. "Das ist ein Beispiel bedeutender Bildhauerkunst", sagt Karrenbrock. Im Kreuzaltar der Stiftskirche wurden zwei Figuren gestohlen, nur ein Prophet ist wieder aufgetaucht. Die Nachbildungen waren damals bewusst nicht koloriert worden. Wenn der Echte restauriert sei, müsse man sich überlegen, ob man nicht die zweite Figur farblich anpasse, betont Karrenbrock. In den nächsten Monaten wird die Diplom-Restauratorin den zersetzen Leim auf dem Holzkern der Heiligen ausbessern, damit die Farbe nicht abplatzt. "Ich lasse die Figur danach immer einen Monat ruhen und kontrolliere sie dann wieder", erklärt sie. So wird nach und nach die Fassung wieder gefestigt. Der Apostel hat auf seiner Reise ein kleines Stück seines goldenen Umhangs verloren. Das liegt nun in einer Schale. Zumkley wird in Ruhe nach der Stelle suchen und es wieder einsetzen. Damit die Puzzlearbeit nicht zu umfangreich wird, bewahrt Japanpapier die Farbe davor, abzuspringen.

Alle Figuren stammen aus Antwerpener Altarretabeln der Spätgotik, nur die Rheinberger Figur ist noch älter. Die Retabeln wurden nach dem Setzkastenprinzip komponiert, die Figuren standen früher lose darin. Die Antwerpener Werkstätten waren im Spätmittelalter eine der ersten Adressen für solche Figurenreliefs.

Über den oder die Täter kann Karrenbrock nur spekulieren. "Da er nur das Beste genommen hat, was es damals gab, muss er sich gut auskennen", sagt er. Der Dieb habe sich regelrecht den Niederrhein runtergearbeitet. Alle Figuren seien in einem guten Zustand, zum Teil etwas verschmutzt, was darauf hindeuten könnte, dass sie aufgestellt waren und nicht eingepackt gelagert wurden. Berichten, wonach ein Unbekannter die Koffer über die Klostermauern von Maria Laach geworfen haben soll, widersprachen der Experte und die Restauratorin. "Durch den Aufprall wären die Figuren alle zerstört worden." Vor allem die schwerste Figur, der Apostel aus St. Peter, hätte die anderen zerschmettert.

Die Figuren werden auf ihre Plätze in den Altären zurückkehren. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden seit den Diebstählen verstärkt. So ist der Altar in der Klever Stiftskirche nur hinter Plexiglas zu sehen. "Das ist nicht schön, aber das geht leider nicht mehr anders", betont Karrenbrock. Zudem sind die Figuren mechanisch gesichert, die Chorbereiche mit einem Alarmsystem geschützt.

Karrenbrock glaubt, dass der Dieb ein reuiger Sünder war. Außerdem sind die beiden froh, dass der Mönch, der die Koffer fand, sie geöffnet und nicht die Polizei gerufen hat. "In solchen Zeiten wie diesen können wir von Glück sagen, dass die Koffer nicht in die Luft gesprengt worden sind", stellt Zumkley fest. Zum Wert der Figuren äußert sich das Bistum nicht. Die Summe von 10.000 sei zu gering, die von einer Million zu hoch. "Aber sie sind aufgrund ihrer Bekanntheit unverkäuflich", sagt der Kirchenkunstexperte.

Es wird lange dauern, bis die Figuren wieder zu sehen sein werden - in Rheinberg besonders. Denn auch die anderen Apostel des Hochaltars werden zurzeit restauriert, damit sie perfekt aussehen, wenn das Bonner LVR-Landesmuseum sie ab Mitte 2017 in einer Ausstellung zur Zisterzienserkultur zeigt. Höchstwahrscheinlich stamme der Altar aus Kloster Kamp sagt Karrenbrock. Wer den Apostel vor der Rückkehr nach Rheinberg sehen will, muss im nächsten Jahr nach Bonn fahren.

Quelle: RP
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