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Wesel
Wesels 100-Jähriger

Wesel: Wesels 100-Jähriger
Geburtstagskind Bernhard Joseph Borgmann wird heute 100 Jahre alt. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Bernhard Josef Borgmann macht heute das Jahrhundert voll. Einige Geheimnisse seines langen Lebens: eine schöne Ehe, eine große, liebevolle Familie, eine Nachbarschaft, in der er fest eingebunden ist. Gefeiert wird bei Schepers. Von Hanne Buschmann

Kein Mensch, der ihm einfach irgendwo begegnete, käme darauf, dass er 100 Jahre alt ist. Aufrechte Haltung, kaum eine Falte im Gesicht, fit im Kopf. Heute feiert Bernhard Joseph Borgmann diesen besonderen Geburtstag. "Ich werde ja auch gut gepflegt", meint er. Gute Gene hat er sicher auch. Na ja, ein Rollator steht neben seinem Platz im Wohnzimmer. "Das Laufen fällt mir schwer, der Verschleiß ...", gibt er zu. "Ich hatte immer und habe noch heute eine gute Familie. Das hilft."

Dieses zu hören, freut natürlich seine Tochter Anni, die zum Gespräch mit der RP dazu gekommen ist. Bernhard Borgmann, verwitwet, wohnt bei seiner Tochter und ihrem Ehemann Philipp Henrichs am Marienweg in der Feldmark. Da ist er in die Nachbarschaft - die gibt's unter Bodenständigen noch in der Feldmark - fest eingebunden. Der Altersjubilar erzählt als erstes von seiner Frau Anna Junghans, die er seit seiner Schulzeit kannte. Sie war zwar in einer anderen Klasse, aber der Schüler Borgmann hatte gleich sein Auge auf sie gerichtet - für immer, das war sofort klar. Also gingen die beiden stets gemeinsam die Wege zur Mühlenwegschule, sie heirateten, als sie erwachsen waren. "Meine Ehe war schön", sagt der 100-Jährige. "Drei Kinder bekamen wir, zwei Mädchen und einen Jungen. Ich habe acht Enkel, sieben Urenkel und zwei sind am Kommen. Wenn alles planmäßig läuft, kommt ein Kind zu meinem Geburtstag", freut sich der Urgroßvater.

In Wesel, an der Abelstraße 14, kam er zur Welt. Die ersten Lebensjahre des mitten im ersten großen Krieg Geborenen kennt er natürlich nur aus den Erzählungen seiner Eltern. Trotzdem überblickt er nun hundert Jahre Geschichte. Er ist der älteste von neun Geschwistern und der einzige, der noch lebt. Nach der Volksschule besuchte Bernhard Borgmann zwei Jahre die Handelsschule, weil es keine Lehrstellen gab. Mit 16 kam er in die gewünschte Schlosserlehre, wurde danach Lokführer im Hafen, meldete sich 1936, bevor er planmäßig eingezogen wurde, freiwillig zur Luftwaffe.

Wenn schon, dann dorthin, denn er war Segelflieger mit Flugschein A. Da lief das glatt, er kam nach Schleswig als Berufssoldat in die Fliegerersatzabteilung Geschwader 16 S Boelke. Und dann kam der Krieg. Oberfeldwebel Borgmann flog als Bordmechaniker mit. Auf allen Kriegsschauplätzen war er: Frankreich, Russland, Afrika, Griechenland (Kreta), Italien. Das Kampfgeschwader 54 Boelke schrumpfte dabei.

Also gab's häufig Versetzungen. Nach der Kapitulation wurde in Schleswig alles aufgelöst. Borgmann kam Ende Oktober 1945 nach Hause. Bei den Weseler Stadtwerken wurde er als Kontrolleur bei Rohrleitungslegungen angestellt.

Natürlich war er im Schützenverein Feldmark, eine Zeit lang auch als Präsident. Seine Frau glänzte einmal als Schützenkönigin. Noch immer wird er in den Verein eingeladen. Bis zu seinem 80. Lebensjahr hat er der katholischen Kirchengemeinde als Meßdiener bei Beerdigungen gedient. Seit er nicht mehr gut laufen kann, holt ihn Gerd Ridderskamp, der Organist am Marienhospital, jeden Sonn- und Feiertag dorthin zum Gottesdienst ab und bringt ihn wieder nach Hause.

Freude am Leben hat der 100-Jährige wie eh und je. Die Enkel und Urenkel kommen oft zu Besuch. Kilometerweit mit dem Hund gehen, klappt nicht mehr. Einmal in der Woche begleitet ihn ein ehrenamtlicher Helfer der Organisation "beieinander" auf einem Spaziergang, oder er unterhält sich mit ihm beim Kaffeetrinken. Und ja, die Rheinische Post begleitet sein Leben von ihrer ersten Ausgabe am 2. März 1946 an.

Nun wird bei Schepers gefeiert mit der großen Familie, mit Nachbarn, Freunden und Patenkindern. Fast 70 Personen kommen zusammen.

Quelle: RP
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