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IHK-Sonderpreis
Wie Schüler Unternehmer werden

IHK-Sonderpreis: Wie Schüler Unternehmer werden
Jolan von der Linden (l.) und Rieke Berger haben mit dem Projekt "Ca(vg)tering" beim IHK-Wettbewerb Schülerfirma 2017 einen Sonderpreis gewonnen. Einen Teil der Prämie in Höhe von 500 Euro werden sie investieren. Der Rest kommt in die Abikasse. FOTO: Nikolei
Wesel. Zwei Schülerinnen des Weseler Andreas-Vesalius-Gymnasiums sind mit einer speziellen Geschäftsidee zu kleinen Unternehmern geworden und haben den IHK-Sonderpreis erhalten. Das Beispiel zeigt: Das Thema Wirtschaft gewinnt an Schulen an Bedeutung. Von Klaus Nikolei

Das Thema Wirtschaft gewinnt in den weiterführenden Schulen seit Jahren einen immer höheren Stellenwert. Am Weseler Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG) beispielsweise kommt mittlerweile spätestens in der Oberstufe jeder Schüler im Sozialwissenschaftsunterricht mit ökonomischen Themen in Berührung. Auch in Politik, Mathematik und in einigen Wahlfächern (Wirtschaftsenglisch) werden Einblicke in das Wirtschaftsleben gewährt.

Parallel dazu gelingt es der Schule immer wieder, Mädchen und Jungen für Wirtschaftsprojekte zu begeistern und Gründer von Schülerfirmen bei Wettbewerben anzumelden. Und das ist ganz im Sinne von Sebastian Hense, dem stellvertretenden Leiter des AVG. "Die Teilnahme an solchen Wettbewerben hat bei uns schon Tradition", sagt der Pädagoge. Natürlich ist das Innenstadt-Gymnasium sehr stolz auf den Erfolg von Jolan von der Linden (16) und Rieke Berger (18), deren Schülerfirma "Ca(vg)tering" beim jüngsten IHK-Schülerpreis in Duisburg mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Dotiert ist er mit 500 Euro.

Dass das Duo nicht ganz oben auf dem Siegerpodest stand, hatte die Jury auch damit begründet, dass "Ca(vg)tering" schon so erfolgreich tätig und mit den anderen Wettbewerbsbeiträgen kaum zu vergleichen ist. Nach Abzug aller Kosten hatten die beiden in neun Monaten einen Gewinn von mehr als 1500 Euro erwirtschaftet. "Eigentlich schade, denn für den 1. Platz hätte es 1500 Euro gegeben", sagt Jolan von der Linden.

FOTO: Grafik RP

Wie der Name "Ca(vg)tering" schon sagt, handelt es sich bei der Schülerfirma um einen Gastronomiedienstleister. Waren bis vor einem Jahr bei Schulveranstaltungen externe Anbieter für die Versorgung der Gäste mit Speisen und Getränke verantwortlich, so liegt diese Aufgabe nun in den Händen der beiden "Geschäftsführerinnen". "Die sind auf den Zug aufgesprungen und machen ihre Sache richtig gut. Da musste ich mich kaum kümmern", sagt Oberstudienrat Peter Reinecke, der am Anfang ein wenig als Geburtshelfer der Firma tätig war.

Getränke organisieren und Verkaufspreise kalkulieren, Speisen beim Profi ordern, Schichtpläne erstellen, Marktforschung betreiben, Werbung machen, Verkaufsstände dekorieren: Jolan von der Linden und Rieke Berger wissen nach einem halben Dutzend Veranstaltungen in Schule und Bühnenhaus, wie's geht. Besondere gerne erzählen sie auch von ihrem Stand auf dem Weseler Adventsmarkt 2016. "Da haben wir uns Gedanken gemacht, dass wir auch etwas anderes bieten müssen, als die anderen Aussteller. Deshalb sind wir auf die Idee gekommen, nicht nur Waffeln zu backen, sondern auch Gulaschsuppe und Currywurst anzubieten", sagt Rieke Berger. Wurst und Suppe waren derart begehrt, dass sie bei ihrem Lieferanten, dem Imbiss-Grill Obrighoven, drei Mal nachbestellen mussten. "Die Currywurst gehört mittlerweile zu unserem Markenzeichen", sagt Jolan von der Linden. Und bei Veranstaltungen haben die Mädchen durch Umfragen herausgefunden, dass etwas ältere Gäste gerne Wein und Prosecco bestellen.

Für Jürgen Kaiser, bei der IHK stellvertretender Leiter berufliche Bildung, hat das AVG-Duo den Sonderpreis wirklich verdient. "Ich glaube aber auch, dass jeder, der an dem Wettbewerb teilgenommen hat, ein Gewinner ist. Denn die Schüler erhalten vor dem Hintergrund der Berufswahl praktische Einblicke in das Wirtschaftsleben. Sie lernen etwas über den Verkauf, den Vertrieb, das Marketing und im Team zu arbeiten."

Ein Teil der Prämie in Höhe von 500 Euro wollen die beiden in den Kauf neuer Gläser und in Werbeplakate investieren, den Rest in die Abikasse stecken. Und weil beide im Frühjahr 2018 ihr Abitur machen, wollen sie dafür sorgen, dass jüngere Schüler in ihre Fußstapfen treten und "Ca(vg)tering" erfolgreich weiterführen.

Übrigens wird Jolan von der Linden voraussichtlich Sozialökonomie studieren, in dem die Betriebswirtschaftslehre eine große Rolle spielt. Rieke Berger hingegen sieht ihre berufliche Zukunft eher in der Forschung. Sie möchte Mathematik studieren.

Quelle: RP
 
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