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Wesel
Wie Wasser im Büdericher Trichter bleibt

Wesel: Wie Wasser im Büdericher Trichter bleibt
Am Becken an der alten B 58 soll eine Pumpe fest installiert werden. FOTO: Fritz Schubert
Wesel. Die Breite Wardtley könnte nach Starkregen die Fluten ableiten, aber es fehlt eine Verbindung zu dem Graben. Von Fritz Schubert

Die Angst vor Überflutungen mitten in Büderich nimmt nicht ab. Trotz verbesserter Kanalisation durch die Stadtwerke, ist ein Problem noch nicht gelöst: Wie kommt das Wasser bei Starkregen aus dem Trichter in den Graben, der zum Rhein führt? Denn den Rand der Badewanne Büderich bildet die Straße Winkeling. Sie ist ein etwas höher liegendes Hindernis, das erst dann überspült wird, wenn im Zentrum des Dorfes schon zig Gebäude mehr als nur knietief im Wasser stehen.

Dieses Horrorszenario lässt Hermann Norff nicht los. Seit einigen Jahren schon kämpft der Büdericher für Nachbesserungen, hat gerade wieder etwas gefunden, das ihn ärgert. Dabei steht für ihn nicht allein der Salzbergbau als Verursacher der derzeit etwa 2,80 Meter ausmachenden Geländeabsenkungen in der Verantwortung. Auch die Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft (Lineg) in Kamp-Lintfort gibt aus Norffs Sicht kein gutes Bild ab. Denn deren Hochwassereinsatzleiter Ralf Kemkpen hat sich zu einem Satz hinreißen lassen, der in Büderich wie Hohn empfunden wird: "Überflutungen bei Starkregen sind nicht Folge von Bodensenkungen."

Hermann Norff hat diese Aussage in der "Cavity News", Ausgabe 1/2017, in einem Interview mit dem Titel "Die Breite Wardtley kann Starkregen aufnehmen" gefunden und Kempken dazu Anfang Februar um eine Stellungnahme gebeten. Für das besagte Blatt ist Reinhard Maly verantwortlich. Er ist Markscheider und Geschäftsführer der Cavity GmbH, die für die Regulierung der Solvay-Schäden (heute Esco) zuständig ist.

Die Breite Wardtley in Büderich ist vertieft, verbreitert und naturnah gestaltet worden. Sie soll im Starkregen-Fall den Niederschlag aufnehmen und zum Rhein ableiten. Allerdings liegt das gefährdete Ortszentrum jenseits der Straße Winkeling, die wie ein Deich wirkt und das Wasser gefangen hält. FOTO: Fritz Schubert

Eine Antwort hat Norff, der zwar Mitglied, aber nicht mehr im Vorstand der Bürgerinitiative der Salzbergbaugeschädigten ist und deshalb als Privatmann auftritt, noch nicht bekommen. Die Lineg erklärte auf Anfrage der Rheinischen Post, dass sie nun Kontakt mit dem Büdericher aufnehmen und ihn zu einem persönlichen Gespräch einladen will.

Zweifelsohne ist die Gemengelage insgesamt vertrackt: Da ist zum einen das in den Büdericher Straßen liegende und von den Stadtwerken aufgepeppte System von Kanalrohren. Es transportiert das Schmutz- und Regenwasser (Mischwassersystem) per Düker unterm Rhein durch zur Weseler Kläranlage. Die Trichtersituation kann bei extremen Niederschlägen zum Problem werden. Wie ein Deich wirkt zum Beispiel die Straße Winkeling. Nur, dass sie das Wasser da gefangenhält, wo es nicht sein soll: im Ort. Da zur Breiten Wardtley, die westlich der Winkeling im Feld liegt, der Anschluss fehlt, schlägt Norff vor, diesen mit einer Rohrleitung herzustellen. Schließlich hat dieser unterdessen vertiefte, verbreiterte und naturnah gestaltete Graben die Aufgabe, Niederschlag zu sammeln.

Das Wardtley-Becken an der alten B 58 ist mit einem automatisch alarmgebenden Pegel ausgestattet, damit im Ernstfall die Lineg mit einer Pumpe anrückt, um auf der Rheinseite des Straßendamms eine Ableitung Richtung Fluss zu speisen. Eine fest installierte Pumpe soll in diesem Jahr am Becken eingebaut werden. Wann das passiert und wie stark sie ist, möchte Norff gerne wissen.

Abgesehen davon hält der Büdericher die Lösung Wardtley nur für bedingt tauglich. Norff macht auf eine von Südwesten auf Büderich zulaufende Rohrleitung des Salzbergbaus aufmerksam, die gleichfalls im Bereich des Wardtley-Beckens mitgenutzt werden könnte.

Quelle: RP
 
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